Klimakrise
Rettung für den Morteratschgletscher? Bündner installieren Himalaya-Technologie

Mit sogenannten «Ice-Stupas» werden im Himalaya künstliche Gletscher angelegt, die Wasser für die Sommermonate speichern. Seit Donnerstag wird die Technologie auch im Engadin genutzt.

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Glaziologe Felix Keller vor einer« Ice-Stupa», die Wasser als Eis speichert.

Glaziologe Felix Keller vor einer« Ice-Stupa», die Wasser als Eis speichert.

Mayk Wendt

(wap) Um ganze 40 Jahre will der Glaziologe Felix Keller das Abschmelzen des Morteratschgletschers hinauszögern. Das Konzept ist einfach: Weil das Gletschereis nicht schmilzt, solange es schneebedeckt ist, will Keller den Gletscher künstlich beschneien, und zwar mit Schmelzwasser aus einem Gletschersee am benachbarten Pers-Gletscher. Dieses soll ohne Einsatz von Elektrizität mit über den Gletscher gespannten Leitungen versprüht und so gewissermassen rezykliert werden. Gestern eröffnete Kellers Team an der Talstation Diavolezza eine erste Testanlage. Dazu gehöre ein Seil mit Wasserdüsen, wie es später zur Beschneiung des Gletschers eingesetzt werden soll und eine Eis-Stupa, heisst es in einer Medienmitteilung vom Donnerstag.

Keystone-SDA

Die Idee stammt aus dem indischen Territorium Ladakh im Himalaya. Dort wird in den kalten Monaten Schmelzwasser über Äste oder Netze gelenkt, wo es sich als Eis ablagert. Mit der Zeit entstehen so grosse Gebilde aus Eis, die beträchtliche Mengen Wasser speichern. Diese in Anlehnung an lokale Kultbauten «Stupa» genannten Eiskegel schmelzen dann in den trockenen Sommermonaten ab und liefern Wasser für die lokale Bevölkerung.

Keller hofft, dass seine Technologie nicht nur die Gletscher in der Schweiz etwas länger am Leben erhalten wird, sondern auch einen Beitrag zur weltweiten Trinkwasserversorgung während der sich abzeichnenden Klimakrise leisten könnte. Weltweit sind 221 Millionen Menschen auf Schmelzwasser von Gletschern angewiesen. Am Projekt im Engadin beteiligt sind die Fachhochschule Graubünden, die Hochschule Luzern, die interstaatliche Hochschule für Technik Buchs und St. Gallen, die Fachhochschule Nordwestschweiz sowie die privaten Firmen Bartholet und Bächler Top Track.

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