Studie
Intensiv genutzte Wiesen und zu dunkle Wälder gefährden Insektenvielfalt

Mit einem Rückgang der pflanzlichen Vielfalt nimmt auch die Diversität der Insekten ab. Forschende raten zu weniger intensiver Nutzung von Weiden und zu lichteren Wäldern.

Alice Guldimann
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Insekten, die auf bestimmte Pflanzen spezialisiert werden, bekommen bei intensiver Nutzung von Wiesen schneller ein Problem. (Symbolbild)

Insekten, die auf bestimmte Pflanzen spezialisiert werden, bekommen bei intensiver Nutzung von Wiesen schneller ein Problem. (Symbolbild)

Keystone

Auf Wiesen, die häufig gedüngt und gemäht werden, leben weniger Insekten. Das gleiche gilt für unbewirtschaftete Wälder mit dichtem Baumbewuchs. Das zeigt eine internationale Studie unter der Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Die Forschenden untersuchten auf fast 300 langfristig angelegten Stichprobenflächen in Deutschland über 500 Pflanzen- und 1000 Insektenarten und deren Häufigkeiten, wie es in einer Mitteilung der WSL vom Freitag heisst.

In der Studie zeigte sich, dass Pflanzen-Insekten-Netzwerke in wenig beweidetem Grünland aus mindestens 70 Pflanzen- und 80 Insektenarten bestehen. Auf häufig bewirtschafteten Wiesen und Weiden wurden derweil nur 40 Pflanzenarten und 60 bis 70 unterschiedliche Insekten nachgewiesen. Der Grund dafür ist, dass Käfer, Heuschrecken oder Zikaden, die auf eine oder wenige Pflanzenarten spezialisiert sind, abwandern oder aussterben, wenn ihre Wirtspflanze verschwindet.

Weniger intensive Nutzung und lichtere Wälder für mehr Vielfalt

Das gleiche gilt für Wälder mit dichtem Baumbewuchs, die seit kurzem unbewirtschaftet sind. Dort ist die Biodiversität laut WSL mit durchschnittlich 25 Pflanzen- und 30 Insektenarten deutlich geringer als in lichten Wäldern. «Licht fördert die Vielfalt an Pflanzen, welche wiederum mehr Insektenarten als Nahrungsgrundlage dienen. Gleichzeitig sind die Insektenarten weniger gefährdet, lokal auszusterben, das System ist also stabiler», wird WSL-Forscher und Erstautor der Studie Felix Neff in der Mitteilung zitiert.

Obwohl die Studie in Deutschland durchgeführt wurde, lassen sich die Ergebnisse gemäss WSL auch auf die Schweiz übertragen, beispielsweise aufs Mittelland, den Jura oder die tieferen Lagen der Voralpen. Was die Wiesen und Weiden betrifft, empfehlen die Forschenden eine moderate Bewirtschaftung, um vielfältige und stabile Insektengemeinschaften zu fördern. Würden zudem lichtere Wälder gefördert, würde sowohl die Pflanzen- als auch die Insektenvielfalt profitieren.