Weltraum
Verborgen hinter Staub: Universität Genf entdeckt zwei uralte Galaxien

Ein internationales Team unter der Leitung der Universität Genf hat zwei bislang unbekannte Galaxien entdeckt. Diese haben sich vor mehr als 13 Milliarden Jahren gebildet.

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Eine künstlerische Darstellung einer der beiden neu entdeckten Galaxien.

Eine künstlerische Darstellung einer der beiden neu entdeckten Galaxien.

Universität Genf

Unerwartete Signale aus scheinbar leeren Regionen des Weltalls: Astronomen unter der Leitung der Universität Genf, der Universität Waseda (Japan) und dem National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ) haben zwei bisher unbekannte, durch kosmischen Staub stark verdeckte Galaxien entdeckt. Diese Entdeckung deute darauf hin, dass noch viel mehr solcher Galaxien im frühen Universum verborgen sein könnten, als bisher angenommen. Das teilte die Universität Genf am Mittwoch mit. Die Entdeckung der Galaxien, die sich vor mehr als 13 Milliarden Jahren gebildet haben, wurde in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Die Erforschung dieses frühen Universums gilt als eine der letzten Grenzen der Astronomie. Da die Lichtgeschwindigkeit begrenzt sei, erlaube die Untersuchung der am weitesten entfernten Galaxien einen Blick in die Vergangenheit, als das Universum noch sehr jung war und die Galaxien gerade begannen, Sterne zu bilden.

Zufällige Entdeckung

Die Entdeckung gelang dank dem Radioteleskop-Observatorium Atacama Large Millimeter Array (Alma) in Chile. Im Rahmen des Rebels-Forschungsprogramms beobachten Astronomen mit Alma die Emission von 40 Zielgalaxien in der kosmischen Morgendämmerung im Submillimeter-Wellenlängenbereich, wie es weiter heisst. Bei der Analyse der Beobachtungsdaten von zwei der Rebels-Galaxien stiessen die Astronomen auf starke Signale, die deutlich von den ursprünglichen Zielen entfernt waren. Es zeigte sich, dass sie von zwei bisher unbekannten Galaxien stammten, die sich in der Nähe der beiden ursprünglichen Rebels-Ziele befinden.

«Diese Galaxien sind im UV-Bereich oder im optischen Licht nicht sichtbar, da sie fast vollständig von kosmischem Staub verdeckt sind», wird Pascal Oesch, Professor am Institut für Astronomie an der Universität Genf, in der Mitteilung zitiert.

Weitere Galaxien hinter Staub vermutet

Dieser Staub ist auch der Grund, weshalb sie so lange verborgen blieben. Denn seltsam sind sie im Vergleich zu typischen Galaxien aus der gleichen Zeit nicht. «Diese neuen Galaxien sind nicht deshalb unbemerkt geblieben, weil sie extrem selten sind, sondern nur, weil sie vollständig von Staub verdeckt sind», sagt Yoshinobu Fudamoto von der Universität Waseda. «Unsere Entdeckung deutet darauf hin, dass es eine grosse Anzahl unerkannter sternbildender Galaxien geben könnte, die hinter dichtem Staub verborgen sind und vom Hubble-Teleskop nicht entdeckt werden.»

Die Forschenden gehen daher davon aus, dass die derzeitige Aufzeichnung der frühen Galaxienbildung unvollständig ist und weitere Untersuchungen notwendig sind. «Unsere Entdeckung zeigt, dass das sehr frühe Universum wahrscheinlich viel mehr Galaxien enthielt, als wir derzeit annehmen», sagt Oesch. Die Forscher setzen ihre Hoffnung in das James Webb Space Telescope (JWST) und Alma. «Die Kombination von JWST- und Alma-Daten wird uns bald genau sagen, wie viele Galaxien wir bisher übersehen haben. So können wir herausfinden, wann die ersten Galaxien im frühen Universum entstanden sind.» (abi)

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