4:2 nach Verlängerung
Aarau behält im Schneegestöber den Durchblick und wirft Sion aus dem Cup

Der FC Aarau gewinnt den Cup-Achtelfinal gegen Sion trotz spätem Rückstand 4:2. Raoul Giger wird in der Verlängerung zum gefeierten Held für den Challenge-League-Verein.

Simon Scheidegger
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Filip Stojilkovic feiert mit seinen Teamkollegen das vierte Tor der Aarauer.

Filip Stojilkovic feiert mit seinen Teamkollegen das vierte Tor der Aarauer.

Keystone

Als Schiedsrichter Sandro Schärer in die Hosentasche greift und den roten Karton hervorholt, sieht es ausgezeichnet aus für den FC Aarau. Im Brügglifeld läuft die 40. Minute des Cup-Achtelfinals. Gerade hat Kevin Spadanuda dank seiner Schnelligkeit einen langen Ball erlaufen. Vor ihm ist nur noch Goalie Kevin Fickentscher, hinter ihm kämpft Jan Bamert darum, nicht abgehängt zu werden, und weil sich der Sion-Innenverteidiger nur damit zu behelfen weiss, den Aarauer Offensivmann an der Schulter zurückzuziehen und zu Fall zu bringen, bleibt Schiedsrichter Schärer keine andere Wahl, als Bamert für die Notbremse vom Platz zu stellen. Da der FCA nach dem Tor von Donat Rrudhani (12.) 1:0 führt, ist er zu diesem Zeitpunkt also nicht nur auf der Anzeigetafel, sondern auch personell auf dem Feld im Vorteil.

Balajs Kunstschuss

Soweit die Theorie. An der Partie ändert der Platzverweis wenig. Sion hat mehr Spielanteile, die Mannschaft von Stephan Keller versucht aus einer gesicherten Defensive heraus mit schnellem Konterspiel gefährlich zu werden. Dieses Unterfangen wird auf dem nassen, schneebedeckten Rasen aufgrund des anhaltenden Schneefalls nicht einfacher, weshalb es dem Super-League-Vertreter je länger je mehr gelingt, den Challenge-Ligisten zurückzudrängen. Nach einem langen Ball von Fickentscher verschätzt sich Jerôme Thiesson im Duell mit Gaetan Karlen, der Stürmer fällt, Anto Grgic verwertet den Penalty sicher. Und als Guillaume Hoarau per Kopf sieben Minuten vor Schluss sein Premierentor für Sion gelingt, scheint alles seinen gewohnten Lauf zu nehmen, der Unterklassige den Oberklassigen zwar fordern aber nicht besiegen zu können.

Doch Liridon Balaj sieht dies anders. Es läuft die zweitletzte Minute, ald der Aarauer Stürmer am Strafraum den Ball erhält, umzingelt von mehreren Verteidigern. Doch der 21-Jährige dreht sich Richtung Tor, schiesst, und trifft sehenswert zum umjubelten Ausgleich.

Eine Minute - zwei Tore

In der Verlängerung nimmt der Schneefall weiter zu, sodass gepflegtes Aufbauspiel immer weniger möglich ist. Dass Konterspiel nach wie vor gut funktioniert, zeigen die Aarauer aber zweimal innert weniger als 60 Sekunden. Nach einem Ballverlust kommt Filip Stojilkovic an den Ball. Goalie Fickentscher kann den Schuss des eingewechselten Stürmers nicht festhalten, Raoul Giger verwertet den Abpraller (113.). Danach ist es Marco Aratore, der nach Ballgewinn schnell in die Offensive geht und den Abschluss sucht, diesmal ist Stojilkovic der Nutzniesser von Fickentschers Abpraller.

Dank dieses 4:2-Erfolg schaffen die Aarauer gegen den 13-fachen Cupsieger das erste Mal seit 2016 den Einzug in den Viertelfinal.