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Gehaltsobergrenze und Luxussteuer: UEFA will Financial Fairplay wieder abschaffen

Durch die Mega-Transfers des Sommers kommt offenbar Bewegung in das Thema Financial Fair Play. Laut Times soll die alte Regel abgeschafft und durch eine Gehaltsobergrenze samt Luxussteuer ersetzt werden.

Sportredaktion
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Mega-Transfers im dreistelligen Millionenbereich veranlassen die UEFA zur Regeländerung.

Mega-Transfers im dreistelligen Millionenbereich veranlassen die UEFA zur Regeländerung.

EPA

Mega-Transfers im dreistelligen Millionenbereich in England, dazu die irrsinnige Shopping-Tour von Paris St. Germain - und das alles in Coronazeiten: Das Financial Fair Play wurde in diesem Sommer mal wieder auf grosser Bühne als zahnloser Tiger entlarvt. Selbst die UEFA hat davon nun offenbar genug. Laut eines Berichts der englischen Zeitung The Times will die Europäische Fussball-Union die bisherige Regelung schon ab dem kommenden Jahr durch eine Gehaltsobergrenze samt Luxussteuer ersetzen.

Droht eine Luxussteuer?

Das geplante System sieht demnach vor, dass die an europäischen Wettbewerben teilnehmenden Vereine nur noch einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einnahmen für Gehälter ausgeben dürfen. Im Gespräch soll eine Obergrenze von 70 Prozent sein. Bei Überschreiten dieses Limits müsste ein Klub eine sogenannte Luxussteuer in einen Topf einzahlen, der unter allen anderen Europapokalstartern aufgeteilt wird. Die UEFA will die Pläne laut dem Blatt schon im September auf einem Kongress vorstellen.

Überdimensionierter Einkauf an teuren Spielern

Die Schere zwischen Arm und Reich klaffte diesen Sommer noch einmal weiter auseinander. 117,5 Millionen Euro zahlte Manchester City für Jack Grealish, einen Reservisten der englischen Nationalmannschaft. Der FC Chelsea holte Romelu Lukaku für 115 Millionen, und PSG stellte sich mit Lionel Messi, Georginio Wijnaldum, Sergio Ramos, Achraf Hakimi und Gianluigi Donnarumma eine Weltauswahl zusammen.

Genau dieses Regulativ sollte das 2010 eingeführte Financial Fair Play eigentlich sein. Laut FFP dürfen in einem Zeitraum von drei Jahren die Ausgaben nicht die Einnahmen übersteigen, maximal kann hierbei durch einen Investor ein Defizit von 30 Millionen Euro ausgeglichen werden. Doch ernsthafte Strafen bei Verstössen gab es nur selten, die Europapokalsperre von Manchester City wurde beispielsweise 2020 durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS gekippt.

Orientierung an amerikanischem System

Die nun offenbar forcierte und sich an den jeweiligen Einnahmen orientierende Gehaltsobergrenze wäre wohl leichter mit dem europäischen Wettbewerbsrecht vereinbar als eine starr festgelegte Summe. Die entsprechende Luxussteuer bei Überschreitung würde sich ähnlich des Systems in der nordamerikanischen Major League Baseball und der Basketball-Liga NBA bei erstmaligem Verstoss genau auf den überzogenen Betrag belaufen.

Für Wiederholungstäter erhöht sich der Betrag, bei jahrelanger Missachtung sollen laut Times sogar sportliche Sanktionen bis hin zum Europapokal-Ausschluss drohen. Doch wie schon beim Financial Fair Play wird auch bei der Wirksamkeit der möglichen neuen Regelung alles von der konkreten Umsetzung abhängen. (sid/keg)

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