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Technik-Revolution bei Fussball-WM: Halbautomatische Abseitserkennung kommt zum Einsatz

Die Warterei bei engen Abseitsentscheidungen soll nun ein Ende haben. Die Fifa greift zur neusten Technologie und führt bei der WM die halbautomatische Abseitserkennung ein.

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Dieses Bild soll künftig den Zuschauern im Stadion und am TV präsentiert werden.

Dieses Bild soll künftig den Zuschauern im Stadion und am TV präsentiert werden.

Fifa

Schneller, genauer und schlüssiger: das verspricht sich der Fussball-Weltverband Fifa von der halbautomatischen Abseitserkennung. Bei der am 21. November beginnenden WM in Katar kommt die neue Technologie zum Einsatz. «Die Tests sind überaus erfolgreich verlaufen», freut sich Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina.

Laut der Fifa-Pläne werden bei jedem WM-Spiel zwölf sogenannte Tracking-Kameras und ein Sensor im Ball eingesetzt, die gemeinsam eine 3D-Animation erzeugen. Die Daten sollen 29 Stellen am Körper der Spieler und den exakten Zeitpunkt der Ballabgabe wiedergeben. Innerhalb von fünf Sekunden wird das Signal beim Video-Schiedsrichter (VAR) erwartet. Bis zur endgültigen Entscheidung nach einer Überprüfung durch den VAR sollen lediglich 25 Sekunden vergehen. Danach soll die Animation auf dem Videowürfel im Stadion und im TV zu sehen sein.

Schnellere Entscheidungen

«Bisher dauert es auch mit der besten Technik durchschnittlich 70 Sekunden, um eine Abseitsentscheidung zu prüfen. Durch die neue Technologie sind wir schneller und genauer. Das haben wir gebraucht», äusserte Collina: «Wir werden unsere Video-Schiedsrichter weiter im Umgang mit der Technologie schulen. Schon zwei Wochen vor der WM werden alle Schiedsrichter für den letzten Feinschliff vor Ort sein. Wir gehen davon aus, dass es so problemlos wie mit der Torlinientechnologie funktioniert.»

Bei knappen Abseitsentscheidungen ist Geduld gefragt. Beim Champions-League-Final kam es so zu einem längeren Unterbruch. Mit der neuen Technologie soll das nicht mehr vorkommen.

Bei knappen Abseitsentscheidungen ist Geduld gefragt. Beim Champions-League-Final kam es so zu einem längeren Unterbruch. Mit der neuen Technologie soll das nicht mehr vorkommen.

Keystone

Die neue Technik, über deren Kosten sich der Weltverband ausschweigt, wurde im vergangenen Jahr beim Arab Cup sowie im Januar bei der Klub-Weltmeisterschaft getestet. Zudem wurde die Neuerung laut Fifa von mehreren Universitäten weltweit überprüft. Auch die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) haben grünes Licht gegeben.

«Diese Technologie ist das Ergebnis dreijähriger intensiver Forschung und Tests im Bestreben, den Teams, Spielern und Fans in diesem Jahr in Katar das Beste zu bieten», sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino: «Die Fifa ist stolz auf diese Leistung und freut sich, der Welt die Vorteile halbautomatischer Abseitstechnologie bei der WM zu präsentieren.»

Braucht es die Schiedsrichter noch?

Sechs Jahre nach der VAR-Einführung nehmen die Verantwortlichen den Referees also eine weitere Entscheidung aus den Händen. Dass damit das Ende für die Unparteiischen aus Fleisch und Blut eingeläutet ist, bestreitet Collina aber vehement.

«Der Begriff des ‹Roboter-Schiedsrichters› eignet sich vielleicht gut für Schlagzeilen, er hat aber nichts mit der Realität zu tun», sagte der 62 Jahre alte Italiener: «Wenn nur die Technik relevant wäre, sollte besser ein Ingenieur meinen Job übernehmen. Unser Hauptziel bleibt, dass der Referee auf dem Platz korrekte Entscheidungen trifft. Aber Irren ist menschlich. Dann kommt die Technik ins Spiel, um Fehler zu verhindern.»

«Fehler wurden reduziert»

Dass dieses System funktioniert, habe der VAR nach Ansicht Collinas bewiesen. «50 Länder haben die Technik mittlerweile eingeführt - mit grossem Erfolg», betonte der frühere Spitzenschiedsrichter: «Die Fehler wurden dramatisch reduziert, das Spiel ist viel sauberer geworden.»

Ob und wann die neue Abseitstechnik in den internationalen Topligen zum Einsatz kommen wird, ist noch offen. Derweil kündigte Collina an, dass die Fifa derzeit an einem «VAR light» mit weniger Kameras und entsprechend weniger Kosten arbeitet, um die Technik auch finanziell schlechter gestellten Verbänden zugänglich zu machen. (gav/sid)