Fussball-WM in Katar
Präsident des Schweizerischen Fussballverbands: «Wir zählen auf Dialog statt Boykott»

Die Schweiz steht heute Abend gegen Litauen vor dem zweiten Qualifikationsspiel für die WM in Katar 2022. Das WM-Austragungsland steht wegen der Missachtung von Menschenrechten scharf in der Kritik. SFV-Präsident Dominique Blanc nimmt Stellung.

Gina Kern
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SFV-Präsident Dominique Blanc äussert sich am Sonntag für den Dialog mit der FIFA und Amnesty.

SFV-Präsident Dominique Blanc äussert sich am Sonntag für den Dialog mit der FIFA und Amnesty.

Keystone

Human rights – On and off the pitch (Menschenrechte – auf und neben dem Platz). Die Norwegische Nationalmannschaft hat beim ersten Qualispiel gegen Gibraltar eine stille Botschaft zur Menschenrechtslage beim WM-Gastgeber Katar gesendet. Das Land steht international wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Gastarbeiter gestorben.

Diverse Verbände haben ihren Unmut – über Aktionen wie diejenige der Norweger – zu den Missständen in Katar kundgetan. Der Widerstand wächst zusehends: Heute Abend wollen auch die Dänen vor dem WM-Qualispiel gegen Moldawien ein Zeichen setzen. Einzelne Verbände denken gar über einen Boykott der WM-Teilnahme nach.

Dominique Blanc steht für Dialog

Am Sonntag vor dem Litauen-Spiel bezieht der Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes SFV, Dominic Blanc, Stellung zur brisanten Katar-Frage: «Jeder Unfall, jeder Todesfall ist eine menschliche Tragödie. Wir sind der Überzeugung, dass in Katar wie auch anderswo alles getan werden muss, um die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter auf den Baustellen zu schützen. Jedes Leben ist schützenswert, dafür setzen wir uns ein.» Dennoch komme ein Boykott für die Schweiz nicht in Frage: «Wir zählen dabei auf Dialog statt auf Boykott», wird er auf der Webseite des SFV zitiert.

Auch Amnesty spreche sich nicht für einen Boykott aus, so Blanc. Der SFV habe bereits im letzten Herbst erste Gespräche mit dem Weltfussballverband FIFA und mit Amnesty International geführt. «Weitere Gespräche werden folgen», so Dominique Blanc. Er sei überzeugt, dass der Fussball ein starkes Instrument zur Förderung fundamentaler Werte wie Toleranz, Respekt oder Gleichberechtigung sei. Aber dieser Einfluss soll im Dialog und nicht mit einem Boykott geltend gemacht werden.

Das Spiel der Schweiz in der Gruppe C gegen Litauen wird um 20.45 Uhr angepfiffen. Dänemark spielt um 18 Uhr in der Gruppe F gegen Moldawien.

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