Nachhaltigkeit
Manchester United nach 15-Minuten-Mini-Flug in der Kritik

YB-Gegner Manchester United steht nach diesem Wochenende gleich doppelt in der Kritik. Einerseits wegen der zweiten Saisonniederlage, andererseits wegen eines Mini-Flugs über 120 Kilometer.

Gabriel Vilares
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Manchester United rund um Superstar Cristiano Ronaldo (hinten) stehen seit diesem Wochenende und einem Inlandflug mächtig in der Kritik.

Manchester United rund um Superstar Cristiano Ronaldo (hinten) stehen seit diesem Wochenende und einem Inlandflug mächtig in der Kritik.

Keystone

«Wir wollen die Aufmerksamkeit dafür erhöhen, wie die Menschen zu einer reineren und nachhaltigeren Zukunft auf unserem Planeten beitragen können», so lauteten die Worte in einer Medienmitteilung von Manchester United im Juli dieses Jahres. Der englische Rekordmeister hatte eben gerade eine Partnerschaft mit der «Renewable Energy Group» angekündigt. Einem führenden Hersteller von erneuerbaren Kraft- und Brennstoffen.

Zum Abschluss der Mitteilung durfte Eigenlob nicht fehlen: «Manchester United war 2008 weltweit einer der ersten Fussballvereine, die ein Programm zur CO2-Reduktion gestartet haben. Von diesem Zeitpunkt an konnten die Emissionen um 2700 Tonnen reduziert werden.» Klingt alles wunderbar, doch diese Äusserungen fliegen dem Traditionsverein seit vergangenem Wochenende um die Ohren.

Die Red Devils mussten am Samstagnachmittag zum Premier-League-Spiel bei Leicester City antreten. Die beiden Ortschaften sind auf der kürzesten Route 120 km voneinander entfernt. Klar, dass ein Klub, der sich das Thema Nachhaltigkeit gross auf die Fahne schreibt, mit dem Mannschaftsbus anreist. Nun ja, es kam anders. Die Mannschaft rund um Superstar Cristiano Ronaldo nahm den Weg mit dem Flugzeug auf sich. Rund 15 Minuten soll man sich in der Luft befunden haben. Kritik war damit programmiert.

Begründung lässt Fragen offen

«Wir fliegen normalerweise nicht zu unseren Ligaspielen, aber aufgrund der Umstände mussten wir unsere Pläne ändern», teilte der Verein auf Anfrage der «BBC» mit. So soll es zu einer Sperrung auf der vorgesehenen Teilstrecke der Autobahn M6 gekommen sein. Die Begründung erhielt nach Berichten von englischen Medien jedoch den Beigeschmack einer faulen Ausrede. So soll man bereits am Freitag, also einen Tag vor der Partie angereist sein. Eine Umfahrung schien trotz Zeitverlust zumutbar. Für den selbst ernannten klimabewussten Klub war das nicht unbedingt die beste Werbung.

Das Thema wurde auch heiss auf Twitter diskutiert: «Ich bin angewidert. Steht wie das normale Volk früher auf, um den Verkehr zu bezwingen.» Ein anderer User fragt ironisch: «Habt ihr euch auf dieser langen und beschwerlichen Reise strecken können?» Ein weiterer meint: «Mit dem Flug habt ihr euch einen Dreck um die Umwelt gekümmert. Dieselbe Einstellung habt ihr danach auf den Platz gebracht.»

Die letzte Stimme griff damit noch das Spiel auf. Die Partie ging mit 2:4 verloren, die zweite Saisonniederlage Tatsache und der Rückstand auf Tabellenführer Chelsea auf fünf Punkte angewachsen. Die Trainerdiskussion um den norwegischen Übungsleiter Ole Gunnar Solskjaer wird damit erneut entfacht. Der Champions-League-Gruppengegner der Young Boys muss am Mittwoch im Heimspiel gegen Atalanta Bergamo und Nati-Spieler Remo Freuler kein Flugzeug besteigen. Für einen nachhaltigen Höhenflug bräuchte es mehr als nur einen Sieg.

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