Rad-WM
WM-Gold zum Geburtstag? Marlen Reusser startet als Topfavoritin ins Einzelzeitfahren

Marlen Reusser will am Montag ihre Märchensaison mit einer Goldmedaille im WM-Zeitfahren in Belgien abrunden. Es wäre der vorläufige Höhepunkt eines steilen Aufstiegs der Bernerin.

Dan Urner
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Krönt sie am Montag ihre Märchensaison? Mit WM-Gold kann Marlen Reusser, hier an der Strassen-EM in Trient zu sehen, sich am Montag das grosse Geschenk gleich selber machen.

Krönt sie am Montag ihre Märchensaison? Mit WM-Gold kann Marlen Reusser, hier an der Strassen-EM in Trient zu sehen, sich am Montag das grosse Geschenk gleich selber machen.

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Einen passenderen Tag für einen Exploit gibt es nicht. Marlen Reusser gehört am Montag in Brügge (Belgien) zum Kreis der Favoritinnen auf WM-Gold im Zeitfahren. Falls es am Nachmittag klappt, würde sich die Bernerin mit dem Sieg ein denkbar schönes Geburtstagsgeschenk bescheren. Sie wird gleichentags nämlich 30 Jahre alt.

Reusser geht seit dem Einstieg ins Profigeschäft offensiv mit ihren Ambitionen um. Sie habe in Brügge vor, «meine eigenen Grenzen nochmals zu sprengen und Vollgas zum Titel fahren», sagte sie jüngst. Nur der Weltmeistertitel könne ihre Saison noch toppen. «Das wäre das absolute i-Tüpfelchen in meinem Jahr und darauf hoffe ich.»

Erst 2017 beginnt für Reusser die grosse Velo-Karriere. Hier ist sie im gleichen Jahr an der Strassen-WM in Bergen (Norwegen) zu sehen, wo sie sich im Zeitfahren auf Rang 28 klassiert.
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2018 fährt sie im Einzelzeitfahren an der Strassen-EM in Innsbruck auf den 17. Platz.
An den Schweizer Meisterschaften 2019 in Weinfelden (TG) räumt Reusser ab: Sie gewinnt das Zeitfahren und das Strassenrennen.
An der WM 2020 in Imola (Italien) gewinnt Reusser die Silbermedaille im Zeitfahren.
Reusser posiert mit ihrer Olympia-Silbermedaille. Sie muss sich im Zeitfahren in Tokio allein der Niederländerin Annemiek van Vleuten geschlagen geben.
An der Strassen-EM 2021 in Trient triumphiert Reusser überlegen im Zeitfahren.

Erst 2017 beginnt für Reusser die grosse Velo-Karriere. Hier ist sie im gleichen Jahr an der Strassen-WM in Bergen (Norwegen) zu sehen, wo sie sich im Zeitfahren auf Rang 28 klassiert.

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Dass die Hoffnungen auf einen Triumph der in Jegenstorf (BE) geborenen Radsportlerin nicht unberechtigt sind, zeigt ein Blick auf ihre bisherige Saison. Marlen Reusser befindet sich in beeindruckender Verfassung: Auf Olympiasilber in Tokio folgte zuletzt EM-Gold in Trient. Und die zwischenzeitliche Challenge by La Vuelta beendete sie als Gesamtzweite.

Nun könnte Marlen Reusser ausgerechnet an ihrem 30. Geburtstag in Belgien ihre imposante Erfolgsserie weiter ausbauen. Und das auf einer 30 Kilometer langen, flachen Strecke von Knokke-Heist nach Brügge, die ihr erfahrungsgemäss entgegenkommen dürfte. Und so hat sie auch bereits angekündigt, keine Pause machen zu wollen im Zeitfahren. Sondern von «A bis Z durchziehen» will Reusser, wie sie gegenüber SRF erklärte. «Das ist ein mentales Ding.» Zu ihren Konkurrentinnen gehören vor allem die Niederländerinnen Annemiek van Vleuten und Ellen van Dijk.

Karriere erst vor vier Jahren lanciert

Vorgezeichnet war der Weg der Bernbieterin freilich nicht. Erst vor gut vier Jahren lancierte sie ihre Karriere als Radsportlerin. Zu Beginn arbeitete sie dabei gleichzeitig auch noch im Spital in Langnau (BE) als Ärztin. Reusser offenbarte rasch ihr grosses Potenzial, hielt mit den zumeist viel wettkampferfahreneren Gegnerinnen mit. 2017 wurde sie prompt Schweizer Meisterin im Einzelzeitfahren, 2019 setzte sie sich beim Zeitfahren bei den Europaspielen in Minsk durch und krönte sich zur Schweizer Meisterin im Zeitfahren sowie im Strassenrennen. Ein Jahr später sicherte sie sich sowohl EM- als auch WM-Silber, erhielt ferner die Auszeichnung als Schweizer Radsportlerin des Jahres.

Die Bauerntochter ist seit Jahren zudem politisch engagiert. Ab 2008 amtete Marlen Reusser zwei Jahre als Präsidentin der Jungen Grünen im Kanton Bern und setzte dabei auch an zum Sprung in den Nationalrat. Als Politikerin sieht sich die Sportlerin gleichwohl nicht, wie sie im Mai im Gespräch mit Radio SRF verriet. Sie wolle aber ihren Status als öffentliche Person durchaus nutzen, um ihre Meinung zu politischen Fragen kundzutun.

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