Ski alpin
Marco Odermatt steht vor dem Gewinn des Gesamt-Weltcups – diese Kristallkugeln könnten sich die Schweizer noch krallen

Marco Odermatt ist drauf und dran, eine 12-jährige Schweizer Durststrecke zu beenden. Neben ihm haben noch weitere Swiss-Ski-Athleten Chancen auf Trophäen.

Gabriel Vilares
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Für Marco Odermatt steht nach Olympia-Gold bereits die nächste Trophäe in Griffnähe.

Für Marco Odermatt steht nach Olympia-Gold bereits die nächste Trophäe in Griffnähe.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Nach den Olympischen Spielen in Peking stehen im Ski-Weltcup die letzten Rennen auf dem Programm. Die Schweizer Athleten könnten zu den grossen Abräumern avancieren. Eine Übersicht:

Gesamtweltcup der Männer

Gesamtweltcup Männer: Stand vor den letzten Stationen

Punktestand der Fahrer im Alpinen Skiweltcup (Stand: 25.02.2022)
0200400600800100012001. Marco Odermatt2. Aleksander Kilde (NOR)3. Matthias Mayer (AUT)4. Beat Feuz5. Vincent Kriechmayr (AUT)6. Henrik Kristoffersen (NOR)7. Dominik Paris (ITA)7. Manuel Feller (AUT)9. Alexis Pinturault (FRA)10. Lucas Braathen (NOR)

«Logischerweise ist der Gesamtweltcup mein ganz grosses Ziel. Es ist das Grösste, was ein Skifahrer gewinnen kann», liess Marco Odermatt im Interview vergangene Woche mit dieser Zeitung verlauten. Der 24-Jährige stellt damit die Bedeutung der grossen Kristallkugel über den Olympia-Sieg. Verständlich, Gold gewinnt man in einem Rennen. Den Triumph des Gesamtweltcups erringt der konstanteste und beste Fahrer der Saison.

Der Nidwaldner nähert sich dem Titel mit grossen Schritten. Er wäre der fünfte Schweizer, dem das gelingt. Carlo Janka war 2010 der letzte Swiss-Ski-Athlet. Peter Lüscher (1979), Pirmin Zurbriggen (1984, 1987, 1988, 1990) und Paul Accola (1992) waren zuvor ebenfalls siegreich.

In den verbleibenden 12 Rennen haben nur noch zwei weitere Fahrer eine reelle Chance, Odermatt die Auszeichnung strittig zu machen. Der Norweger Aleksander Kilde weist einen Rückstand von 375 Punkten auf, der Österreicher Matthias Mayer 508. Beide Kontrahenten haben in dieser Saison lediglich in den Speed-Disziplinen gepunktet.

Abfahrt

Zum fünften Mal in Folge könnte sich Beat Feuz die kleine Kristallkugel im Abfahrtsweltcup sichern. Der 35-jährige Emmentaler würde damit zum österreichischen Rekordhalter Franz Klammer aufschliessen. Der Schweizer hätte dies aber im Gegensatz zu Klammer in fünf aufeinanderfolgenden Saisons geschafft. Kilde (445 Punkte) führt die Wertung an, doch Feuz (437), Mayer (402) und Odermatt (401) sind ihm dicht auf den Fersen. Drei Rennen sind in der Königsdisziplin noch ausstehend.

Super-G

Auch in der zweitschnellsten Disziplin der Alpinen hat Kilde die Nase vorn. Auf Odermatt Beträgt der Abstand 61 Punkte, auf Mayer 90. Zweimal wird im sogenannten Super-Riesenslalom noch gefahren.

Riesenslalom

Marco Odermatt heisst der Riesen-Dominator. Von den bisherigen fünf Rennen konnte er vier gewinnen, fuhr ein weiteres Mal auf den zweiten Rang. Unvergessen sein Triumph vor Heimpublikum in Adelboden und kürzlich der Olympia-Sieg in dieser Disziplin. Der Schweizer hat einen komfortablen Vorsprung von 219 Punkten auf den Österreicher Manuel Feller. Die kleine Kristallkugel ist ihm vor den verbleibenden drei Austragungen fast sicher.

Slalom

Die spannendste Disziplin: Hier scheint alles möglich. Sechs Rennen und sechs verschiedene Sieger. Das Rote Trikot trägt derzeit der norwegische Überraschungsmann Lucas Braathen. Daniel Yule liegt 79 Punkte dahinter, Loïc Meillard 90. In den vier ausbleibenden Rennen kann die Wertung noch komplett auf den Kopf gestellt werden. An diesem Wochenende warten in Garmisch-Partenkirchen zwei Rennen auf die Slalom-Künstler.

Gesamtweltcup der Frauen

Gesamtweltcup Frauen: Stand vor den letzten Stationen

Punktestand der Fahrerinnen im Alpinen Skiweltcup (Stand: 25.02.2022)
0200400600800100012001. Mikaela Shiffrin (USA)2. Petra Vlhova (SVK)3. Federica Brignone (ITA)4. Sofia Goggia (ITA)5. Sara Hector (SWE)6. Corinne Suter7. Ramona Siebenhofer (AUT)8. Lara Gut-Behrami9. Elena Curtoni (ITA)10. Michelle Gisin

Lara Gut-Behrami war 2016 die letzte Schweizerin, die die Trophäe der Gesamtwertung in die Höhe stemmen konnte. An diesem Umstand wird sich in dieser Saison nichts mehr ändern. In den verbleibenden zehn Rennen dürfte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin und der Slowakin Petra Vlhova entwickeln. Shiffrin hat einen mickrigen Vorsprung von 17 Punkten auf die Vorjahressiegerin Vlhova. Die 26-jährige Amerikanerin könnte zum vierten Mal Gesamtsiegerin werden, Vlhova zum zweiten Mal. Corinne Suter weist als beste Schweizerin in der Klassierung bereits einen Rückstand von 456 Punkten auf die Spitze auf.

Abfahrt

Corinne Suter hat noch gute Chancen, um sich die kleine Kristallkugel in der Abfahrt zu sichern.

Corinne Suter hat noch gute Chancen, um sich die kleine Kristallkugel in der Abfahrt zu sichern.

Robert F. Bukaty / AP

Die Abfahrts-Weltmeisterin und Olympiasiegerin hat noch beste Chancen auf den Sieg in der Disziplinenwertung. Die Rede ist von Corinne Suter. Die 27-jährige Schwyzerin liegt aktuell auf dem zweiten Rang. Die Italienerin Sofia Goggia weilt mit 69 Punkten Vorsprung an der Spitze. Schon an diesem Wochenende könnte Suter das Blatt in den beiden Abfahrts-Heimrennen wenden. Die Schweizerin war 2020 schon die beste Abfahrerin der Saison. Drei Rennen sind noch insgesamt ausstehend.

Super-G

Die beiden letzten Kristallkugeln in dieser Disziplin gingen in die Schweiz (Suter 2020, Gut-Behrami 2021). Doch in diesem Jahr dürfte die Trophäe nach Italien gehen. Federica Brignone liegt 103 Punkte vor Elena Curtoni, 145 vor Sofia Goggia. Zwei Super-Gs gehen noch über die Bühne.

Riesenslalom

Sonja Nef war 2002 die letzte Schweizerin, die über den ganzen Winter die besten Schwünge in den Schnee setzte. Abgelöst wird sie in diesem Jahr noch nicht. Die Schwedin Sara Hector liegt an der Spitze (462 Punkte). Es folgen Tessa Worley (367) und Mikaela Shiffrin (361). Dreimal wird noch gefahren.

Slalom

Hier Steht Vlhova bereits als Siegerin fest. Wendy Holdener liegt derzeit auf dem dritten Rang. Zweimal werden die Torstangen noch umkurvt.

Nationenwertung

Gross war der Jubel, als man dem östlichen Nachbarn in den letzten zwei Jahren in der Nationenwertung vor der Sonne stand. Swiss-Ski konnte endlich eine 31-jährige Durststrecke beenden. In dieser Saison haben die Österreicher wieder die Nase vorn. 734 Punkte beträgt die Differenz. Die Aufholjagd wird schwierig.

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