Spanische Zeitung vermeldet
«Schweiz startet mit dem Nazi-Athleten Mancini an der Hallen-EM»

Die spanische Sport-Bibel «Marca» bezeichnet den Schweizer Leichtathleten Pascal Mancini als Nazi. Wie kommt es dazu und was hält der Verband davon?

Gabriel Vilares
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An den Schweizer Meisterschaften der Leichtathletik 2014 in Frauenfeld: Pascal Mancini jubelt mit dem Quenelle-Gruss.
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Der Freiburger an den Schweizer Meisterschaften 2020 in der Halle.
Silvan Wicki (links) und Pascal Mancini (rechts) beim Rennen über 60 Meter des Hallenmeetings in Magglingen am 30. Januar 2021.
Die spanische Sport-Zeitung «Marca» titelt: «Schweiz bietet den Nazi-Athleten Mancini für die Hallen-EM in Torun auf.»

An den Schweizer Meisterschaften der Leichtathletik 2014 in Frauenfeld: Pascal Mancini jubelt mit dem Quenelle-Gruss.

Keystone

«Schweiz bietet den Nazi-Athleten Mancini für die Hallen-EM in Torun auf». So titelt in dieser Woche die spanischen Sport-Zeitung «Marca». Das ist nicht irgend ein Käseblatt. Es handelt sich um die Sport-Tageszeitung mit der höchsten Auflage in Spanien. Aber wie kommen die Iberer darauf, den Schweizer Sprinter Pascal Mancini (31) als Nazi zu bezeichnen?

Angefangen hat alles an den Schweizer Meisterschaften 2014 in Frauenfeld. Nach seinem Sieg in 10,30 Sekunden zeigt der Freiburger den Quenelle-Gruss. In der rechtsextremen Szene auch als umgekehrter Hitlergruss bekannt. Nur wenige Tage später an der EM in Zürich fällt er mit gleichem Gruss auf. Vom Verband Swiss Athletics wird er danach zitiert und gerügt, doch die Rüge bleibt ohne Wirkung.

Später schockiert der 31-Jährige mit Inhalten auf seinem Facebook-Profil. So teilt er ein Propagandavideo der rechtsextremen Gruppe Suavelos und lässt sich mit einem Betreiber dieser Gruppe ablichten. Nach dem Sieg der französischen Fussball-Nati an der WM 2018 stellt Mancini ein Video einer herumspringenden Affenhorde online. Rassistische Kommentare unter dem Video lässt er unwidersprochen stehen. Ganz bewusst umgibt sich der Athlet mit radikalen Gruppen, teilt eine Youtube-Playlist mit Neonazi-Bands.

Swiss Athletics entzieht Mancini die Lizenz

Nachdem sein rechtsnationalistisches Gedankengut publik wird, reagiert der Verband und streicht Mancini aus dem Kader der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin. Dem Freiburger wird gar die Lizenz entzogen und ein Disziplinarverfahren ins Rollen gebracht. Swiss Athletics begründet damals: «Mit seinen Beiträgen mit rechtsextremen Gedankengut verstösst Pascal Mancini gegen die unterzeichnete Vereinbarung wie auch gegen den Verhaltenskodex des Verbandes. Mit Unterzeichnung der Vereinbarung hat er sich verpflichtet, auf die Publikation diskriminierender oder rassistischer Beiträge im Zusammenhang mit der Leichtathletik zu verzichten.»

Mancini sucht damals vor allem bei den Medien die Schuld. Er sage, was er denke. Wäre er ein Rassist, würde er es sagen. Sieben Monate wird ihm die Lizenz entzogen. Danach wird es ruhiger um den Sprinter – bis jetzt. Die Nomination zur Hallen-EM kann von der spanischen Sport-Zeitung nicht nachvollzogen werden. Auch bei den Lesern löst es eine Welle der Entrüstung aus. Es hagelt über 230 Kommentare. Der Verband dürfte kaum Gefallen daran finden, dass einer seiner Athleten als Nazi bezeichnet wird. Zum Medienbericht will man sich allerdings nicht äussern. Gibt es eine weitere Vereinbarung mit Mancini und hat man ihn im Griff? Swiss Athletics gegenüber CH Media: «Wir haben mehrmals mit Pascal Mancini gesprochen. Er kennt unsere Vorstellungen, wie er sich als Athlet zu verhalten hat. Seit dem Abschluss des Verfahrens hat er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen. Somit spricht nichts dagegen, ihn im Fall von sportlichem Erfolg für das Nationalteam zu selektionieren. Über interne Details geben wir keine Auskunft.»

Und was sagt Mancini dazu? «Ich äussere mich nicht zu den Geschehnissen in der Vergangenheit.» Über 60 m geht Pascal Mancini im polnischen Torun an der Hallen-EM vom 4. bis 7. März an den Start. Dort wird er dann national wie international unter besonderer Beobachtung stehen.

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