Tennis
Timea Bacsinszky sagt Adieu: «Es waren 18 wunderschöne Jahre»

Timea Bacsinszky beendet ihre Karriere im Alter von 32 Jahren. Zwei Grand-Slam-Halbfinals und eine olympische Silbermedaille ragen in ihrer Laufbahn heraus. Nun ist Schluss mit Spitzen-Tennis.

Simon Wespi
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Die Lausannerin spielte sich 2016 in die Top-Ten der Tennisweltrangliste.

Die Lausannerin spielte sich 2016 in die Top-Ten der Tennisweltrangliste.

Keystone

Jetzt herrscht Gewissheit: Timea Bacsinszky beendet ihre Karriere per sofort. Die 32-Jährige hat am Freitagvormittag ihren Rücktritt vom Tennissport verkündet. Die Entscheidung der Lausannerin kommt nicht überraschend. Ihre letzte Partie bestritt Bacsinszky im September 2019 in Seoul, wo sie eine klare Niederlage gegen die US-Amerikanerin Kristie Ahn einstecken musste.

Bacsinszky kämpfte zuletzt mit Rückenproblemen. Im Mai dieses Jahres sagte sie: «Ich weiss noch nicht, wie es mit mir weitergeht. Comeback oder Karriereende. Es bestehen beide Möglichkeiten.» Letzteres ist nun Tatsache. Zu ihrem Karriereende widmet Bacsinszky dem Tennissport eine Liebeserklärung. Auf Twitter schreibt sie: «Ich hätte als kleines Mädchen nie davon geträumt, so viele schöne Dinge mit dir zu erleben. Du warst die beste Lebensschule und dafür kann ich dir nicht genug danken. Es waren 18 wunderschöne Jahre, in denen ich mich dir gewidmet habe.»

Halbfinal in Roland Garros

Ihre grössten Erfolge feierte Bacsinszky in Paris. 2015 erreichte sie an den French Open den Halbfinal und scheiterte nach drei Sätzen in einer dramatischen Partie an der späteren Gewinnerin Serena Williams. 2017 bedeutete ebenfalls erst der Halbfinal Endstation. Nach drei Sätzen unterlag Bacsinszky der späteren Turniersiegerin Jelena Ostapenko.

Dazwischen, im Jahr 2016, sicherte sich die Waadtländerin an den Olympischen Spielen in Rio an der Seite von Martina Hingis die Silbermedaille im Doppel. Im Einzel gewann sie insgesamt vier WTA-Titel. Ihr höchstes Ranking erreichte Bacsinszky im Mai 2016. In der Weltrangliste stiess die 32-Jährige als Neunte in die Top-Ten vor.

Hotelfachschule statt Tennis

Ihre Erfolge musste sich Bacsinszky hart erarbeiten. Sie stand bereits mit drei Jahren auf dem Tennisplatz. Ihr Vater Igor, ein Tennistrainer, der aus Ungarn in die Schweiz kam, wollte aus ihr eine zweite Martina Hingis machen. Er forderte sie unerbittlich. Nach zehn Jahren hatte Bacsinszky genug, es wurde ihr zu viel, sie wollte die Karriere beenden und die Hotelfachschule besuchen. Sie war kurz davor, ein Praktikum zu absolvieren, ehe sie unverhofft eine Anfrage aus Paris bekam, ob sie die Qualifikation spielen wolle. Sie spielte ohne Druck auf und entdeckte ihre Liebe zum Tennis neu.

Bacsinszky punktete beim Publikum mit ihrer Sprachgewandtheit. Nebst ihrer Muttersprache Ungarisch überzeugte sie in Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch. Bacsinszky bezeichnete sich selbst als «stur» und «eigenwillig». Mit ihrem starken Willen konnte sich die Lausannerin in der Weltspitze spät etablieren. Doch die sportlichen Erfolge waren da mehr die Ausnahme als die Regel. Sie lernte die Schattenseiten des Sports unweigerlich kennen, wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Doch sie steckte nie auf.

Timea Bacsinszky: «Nun ist Zeit für ein neues Kapitel.»

Timea Bacsinszky: «Nun ist Zeit für ein neues Kapitel.»

Keystone

«Ich habe auch daran gearbeitet, meine Emotionen besser zu kontrollieren» sagte sie 2016. «Ich bin offener zu den Leuten geworden und mehr die Person, die ich immer sein wollte.» Bacsinszky sei sehr spontan und kreativ. Kochen und Snowboarden zählen zu ihren meistgenannten Hobbys. Wo es sie nun hinzieht, liegt auf der Hand. Immer wieder betonte sie, wie sehr sie die Gastronomie reizt. «Ich möchte in Lausanne gerne einmal selbst ein Restaurant führen», sagte sie nicht vor langer Zeit. Ob sie den Tennisschläger nun mit dem Kochlöffel tauscht oder einen anderen Weg einschlägt, wird sich zeigen.

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