Triathlon
«Was für ein Tag!»: Wiedererstarkte Daniela Ryf feiert fünften Ironman-Weltmeistertitel

Die 34-Jährige triumphiert im US-Bundesstaat Utah – und findet nach einer schwierigen Zeit zurück zum Erfolg. Im Oktober will sie erneut angreifen.

Dan Urner
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Daniela Ryf, hier im vergangenen Jahr beim Ironman in Thun zu sehen, ist zum fünften Mal Ironman-Weltmeisterin.

Daniela Ryf, hier im vergangenen Jahr beim Ironman in Thun zu sehen, ist zum fünften Mal Ironman-Weltmeisterin.

Keystone/Archiv

Sie kann es noch – und wie: Die Schweizer Triathletin Daniela Ryf hat sich nach einer Glanzleistung zum insgesamt fünften Mal zur Ironman-Weltmeisterin gekrönt. Die 34-Jährige triumphierte am Samstagabend in St. George im US-Bundesstaat Utah. Die Solothurnerin wusste vor allem beim Radfahren zu reüssieren und setzte sich in insgesamt 8:34:59 Stunden, mit 8:50 Minuten Vorsprung vor der Britin Kat Matthews, durch.

«Zweieinhalb Jahre mussten wir warten, nun bin ich so glücklich», jubilierte die strahlende Siegerin im Zielbereich. «Ich habe alles daran gesetzt, dass ich heute bereit bin. Viele haben nicht mehr an mich geglaubt. Das hat mich motiviert.» Für Ryf kommt dem Triumph eine spezielle Bedeutung zu. 2018 hatte die erfolgsverwöhnte Schweizerin den letzten ihrer vier direkt aufeinanderfolgenden WM-Titel eingeheimst, als sie der Konkurrenz auf Dauer enteilt schien. Doch im Jahr darauf machten ihr Magenprobleme sämtliche Ambitionen auf eine Titelverteidigung zunichte: Sie klassierte sich krankheitsgeschwächt auf den enttäuschenden 13. Rang.

2020 und 2021 fielen die Wettkämpfe der Corona-Pandemie zum Opfer – eine schmerzhafte Wartezeit für Ryf, die sich überdies mit diversen gesundheitlichen Beschwerden und zunehmenden Selbstzweifeln herumschlagen musste. In der vergangenen Saison sah sie sich zu grundlegenden Veränderungen veranlasst, trennte sich von ihrem langjährigen Erfolgscoach Brett Sutton und erlegte sich eine wochenlange Sportpause auf.

Wie ein «Computer-Reset» sei das gewesen. «Ich musste meinen Körper komplett neu starten.» Die Früchte ihrer einschneidenden Massnahmen wurden nun eindrucksvoll ersichtlich. Die ersten Resultate nach der Trainer-Zäsur hatten zunächst auf keine Trendwende hingedeutet.

Aufholjagd auf dem Velo

Das Schwimmen hatte Ryf zu Beginn vieles abverlangt. «Es war sehr kalt, meine Hände sind fast eingefroren», schilderte die Ausdauersportlerin, die sich im Wasser einen Rückstand von rund drei Minuten auf die Spitzengruppe einhandelte – auf dem Velo sodann aber zur Höchstform auflief. Infolge einer rasanten Aufholjagd drängte sie rasch an die Spitze. «Ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen und mein Ding gemacht», erklärte Ryf, die recht schnell gemerkt habe, «dass es läuft»; «kraftvoll» und «stark» habe sie sich auf dem Velo gefühlt.

Nach rund 80 der 180 Rad-Kilometer setzte sie sich von Kat Matthews ab, mit der sie sich zuvor ein taktisches Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatte. «Hart», aber zugleich kontrolliert sei sie gefahren, erklärte Ryf mit Verweis auf die anspruchsvolle, hügelige Strecke. «Gerade im zweiten Teil der Strecke habe ich mich sehr gut gefühlt.» Was sich auch auf das Zwischenresultat niederschlug: Mit etwa sieben Minuten Vorsprung läutete sie das Laufen ein – und vergrösserte den Abstand zur Konkurrenz weiter.

Den abschliessenden Marathon beendete Ryf in unter drei Stunden. Die letzten zehn Kilometer seien derart brutal gewesen, «ich hätte mich am liebsten hingelegt», gestand die Schweizerin kurz nach dem Wettkampf. «Doch dieser Zieleinlauf vor so vielen Fans und vor meinem Team, das mich auch in den schwierigen Monaten getragen hat, war grossartig. Was für ein Tag!»

Nächste reguläre WM im Oktober

Bei den Männern sicherte sich derweil Kristian Blummenfelt den Weltmeistertitel. Der Norweger, der im vergangenen Jahr in Tokio bereits die olympische Goldmedaille davongetragen hatte, siegte mit knapp fünf Minuten Vorsprung vor Lionel Sanders aus Kanada. Der Ironman in St. George fand als Ersatz für die ausgefallene WM 2021 statt. Die kommende WM im Oktober dieses Jahres steigt wieder regulär auf Hawaii.

Auch Daniela Ryf, die nach eigenen Angaben rund 30 Stunden pro Woche trainiert, wird dann wieder zu den ernstzunehmendsten Anwärterinnen auf den Sieg gehören. «Ich werde das hier erst einmal geniessen», sagte die Solothurnerin, die den «nächsten Höhepunkt» kaum abwarten kann. Und sich diesmal auch nur einige Monate – und keine zweieinhalb Jahre – zu gedulden braucht.

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