Aufenthaltsbewilligung
Härtefall: Abschiebung ostafrikanischer Familie im Tessin wird gestoppt

Die Familie der 19-jährigen India wird nicht nach Äthiopien abgeschoben: Der Bund stuft die Situation der Betroffenen als Härtefall ein.

Gerhard Lob
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Hatte sich für die Familie stark gemacht: Valerio Lazzeri, Bischof von Lugano.

Hatte sich für die Familie stark gemacht: Valerio Lazzeri, Bischof von Lugano.

Keystone

India hat es geschafft. India ist der Name einer 19-jährigen Frau, über deren Asylgesuch jahrelang abschlägig entschieden worden war. Unter ihrem Namen war der Fall im Tessin publik geworden, der auch ihren 24-jährigen Bruder Nurhusien und die 50-jährige Mutter Munaja betraf. Nun ist die drohende Abschiebung abgewendet, wie das Tessiner Justizdepartement am Dienstag in einer Medienmitteilung bekannt gab. Die Familienmitglieder werden eine B-Bewilligung erhalten.

Kurz vor Weihnachten hatte eine ehemalige Oberstufenlehrerin von India aus Morbio Inferiore TI den Fall öffentlich gemacht und eine Petition zugunsten der Familie lanciert. Laut der Lehrerin und anderen Auskunftspersonen ist die Familie 10 Jahre nach ihrer Ankunft im Tessin perfekt integriert. Sie lebten in Biasca, Cadro und schliesslich Morbio Inferiore. India schliesst nach ihrem Oberstufen-Abschluss momentan eine Ausbildung ab, ihr Bruder hat eine Ausbildung bereits abgeschlossen, aber keine Arbeitserlaubnis erhalten.

Grosser Rat sprach sich für Familie aus

Der abschlägige Entscheid auf das vor 10 Jahren gestelltes Asylgesuch schlug im Tessin hohe Wellen. Etliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hatten in ganzseitigen Zeitungsseiten einen «Dringenden Appell» zugunsten der Familie lanciert, dem sich auch der Bischof von Lugano, Valerio Lazzeri, anschloss. Im Grossen Rat wurde Ende Januar eine Resolution zugunsten der Migranten-Familie einstimmig angenommen, nur einige Lega-Grossräte enthielten sich der Stimme.

Die Familie stammt aus dem Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Eritrea und ist vor den damaligen Kriegswirren geflüchtet. Da sie keine Dokumente hatten, waren sie faktisch staatenlos, da sowohl Äthiopien als auch Eritrea sie nicht als Staatsbürger anerkannten. Laut dem publizierten Appell wurden sie vom SEM jedoch als Äthiopier betrachtet und sollten repatriiert werden, da Äthiopien als sicheres Land angesehen wird.