Krawallnacht in St. Gallen
St. Galler Stadtpräsidentin: «Wir dürfen nicht alle Jugendlichen in einen Topf werfen»

Die Bilanz der nächtlichen Ausschreitungen in St. Gallen fällt ernüchternd aus. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, betonte Stadtpräsidentin Maria Pappa vor den Medien. Doch sie warnte auch, die Jugend in Sippenhaft zu nehmen.

Drucken
Teilen
Stadtpräsidentin Pappa war am Freitagabend vor Ort und suchte das Gespräch mit den jungen Menschen.

Stadtpräsidentin Pappa war am Freitagabend vor Ort und suchte das Gespräch mit den jungen Menschen.

Bild: Michel Canonica

(dh/rwa) Es war wohl eher eine kurze Nacht für Maria Pappa. Noch am Freitagabend hatte sich die St. Galler Stadtpräsidentin dort hin begeben, wo sich Hunderte zumeist junge Menschen versammelt hatten und die Lage später eskalierte. Die Bilanz: Molotow-Cocktails, Tränengas, zwei Verletzte und 21 zwischenzeitliche Festnahmen. Die Polizei beziffert den Sachschaden auf 50'000 Franken.

Am Samstagmittag trat Pappa vor die Medien. Am Freitagabend sei ein kunterbuntes Publikum in der St. Galler Innenstadt anwesend gewesen, sagte sie. Leider habe es auch wenige Personen darunter gehabt, die auf Gewalt aus gewesen seien. «Sie sollen zur Rechenschaft gezogen werden», versicherte Pappa. Dennoch dürften nun nicht alle Jugendliche in einen Topf geworfen werden. Viele hätten die Gewalt und die Sachbeschädigungen verurteilt.

Auch Stadträtin Sonja Lüthi bedauerte vor den Medien die Ausschreitungen sehr. «Wir alle hätten uns ein anderes Osterwochenende vorgestellt.» Absolut nicht tolerierbar sei die vorgefallene Gewalt.

Politik verteidigt Vorgehen der Polizei

Stadtpräsidentin Pappa verteidigte die Arbeit der Ordnungshüter. «Die Polizei ist nicht Schuld an der Situation.» Der Ärger gegenüber den Beamten sei nicht gerechtfertigt. Die Stadtpolizei war nach eigenen Angaben gut vorbereitet. Die Polizei habe gewusst, dass ein grösseres Ereignis stattfinden könnte – mit explizitem Aufruf zur Gewalt gegen die Polizei, erklärte Kommandant Ralph Hurni.

Noch nicht sagen lässt sich, wie viele der etwa 1000 Personen gewalttätig gewesen seien. Die Polizei nahm zwischenzeitlich 21 Personen fest. 16 davon waren Schweizer. sechs wohnen in der Stadt St. Gallen, 13 leben in der Ostschweiz und zwei ausserhalb.

1000 Jugendliche aus der ganzen Deutschschweiz

Am Freitag war es zum zweiten Mal in der Stadt zu Krawallen zwischen der Polizei und Jugendlichen gekommen. Flogen am Anfang noch Feuerwerkskörper, waren es am Ende Molotow-Cocktails, Steine und Blumentöpfe. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort und begegnete den Krawallen mit Gummischrot und Tränengas.

Die Zahl der Jugendlichen stieg im Laufe des Abends zusehends an. Durch die ganze Innenstadt zogen geschätzt 1000 Leute. Sie waren aus der ganzen Deutschschweiz nach St. Gallen gereist. Ein grosser Teil der Jugendlichen war nicht auf Gewalt aus.

Trotzdem: Einige wenige Chaoten genügten, um die Situation kippen zu lassen. Um 22.30 Uhr eskalierte die Lage vollends. Der Polizei gelang es darauf, die Jugendlichen beim Bahnhofplatz zusammenzudrängen. Es kam zu einer Strassenschlacht. Petarden flogen. Die Polizei setzte sich mit Gummischrot und Tränengas zur Wehr. Gegen Mitternacht legte sich der Rauch aber.

Chaotische Zustände am Karfreitag in der Stadt St.Gallen.

Video: Raphael Rohner

Aktuelle Nachrichten