99-Prozent-Initiative
Roche-Erbe André Hoffmann: «Die Vermögen in der Schweiz sind besser verteilt, als es die Initianten behaupten»

Die 99-Prozent-Initiative will Reiche wie Multimilliardär André Hoffmann stärker besteuern. Der Erbe des Pharmakonzerns Roche findet, die Vermögensverteilung in der Schweiz sei nicht das entscheidende Problem.

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Gemäss André Hoffmann ist die Vermögensverteilung in der Schweiz besser als in allen anderen OECD-Ländern.

Gemäss André Hoffmann ist die Vermögensverteilung in der Schweiz besser als in allen anderen OECD-Ländern.

Bild: Keystone

Nächsten Sonntag stimmen Herr und Frau Schweizer unter anderem über die 99-Prozent-Initiative der Juso ab. Die Initiative will Kapitaleinkommen wie Zinsen, Mieterträge oder Dividenden über 100'000 Franken eineinhalbmal so stark besteuern wie Lohneinkommen. Käme sie durch, müsste André Hoffmann mehr Steuern zahlen. Der Multimilliardär gehört zur Familie Oeri-Hoffmann, die hinter dem Pharmakonzern Roche steht.

In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» sagt der Roche-Erbe, dass er die Initiative ablehne. «Die Vermögen in der Schweiz sind besser verteilt, als es die Initianten behaupten.» Die Pandemie habe zwar sozial Schwächere stark getroffen. «Dennoch scheint mir in der Schweiz die Vermögensverteilung nicht das entscheidende Problem. Sie ist besser als in allen anderen Ländern der OECD», so André Hoffmann.

Niemand wolle freiwillig noch mehr Steuern zahlen, aber als Unternehmer sei er darum bemüht, die Einkommensungleichheit zu verbessern. «Mein Geld soll zirkulieren, es soll investiert werden.» Fast sein ganzes Geld sei in Roche investiert, sagt Hofmann weiter. «Damit schaffen wir Arbeitsplätze und lebenswichtige Medikamente.»

«Ziel ist eine Menschheit, die besser funktioniert»

Zur ungleichen Verteilung der Vermögen sagt der Unternehmer: «Wenn man die Verteilung nur über die Besteuerung ändern will, ist man weit weg vom Ziel. Ziel ist eine Menschheit, die besser funktioniert.» Das könne man durch das Unternehmertum erlangen. Die Steuern zu erhöhen, sei nicht der einzige Weg. «Wir können da viel innovativer sein und mehr erreichen, wenn man Firmen und Dienstleistungen mehr erlaubt.»

Insgesamt habe der 63-jährige Unternehmer eine Steigerung der Lebensqualität in der Schweiz erlebt: «Ich bemerke weniger existenzielle Armut. Das wird heute ganz anders definiert als vor etwa fünfzig Jahren.» Hoffmann sagt von sich selbst, dass er nicht im «Elfenbeinturm» lebe. «Ich habe Freunde aus allen sozialen Schichten. Viele meiner besten Freunde leben in der Camargue, in dem Dorf, wo ich zur Schule gegangen bin.» Natürlich habe er auch Freunde, die reich seien und mit denen er gerne ein Glas Wein trinke. «Aber das will nicht heissen, dass wir nur über Geld reden», so Hoffmann.

André Hoffmann gehört Zur Familie Oeri-Hoffmann, die 50,1 Prozent der Stimmrechte am Pharmakonzern Roche halten. Das Vermögen der Familie wird auf 30 Milliarden Franken geschätzt.

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