Arbeitslosigkeit verharrt bei 2,8 Prozent
«Unternehmen stellen wieder Leute ein»: Bund sieht Grund für Optimismus

Nach einer starken Erholung im Frühsommer bleibt die Arbeitslosigkeit in der Schweiz im Juli auf tiefem Niveau. Wichtige Indikatoren deuten laut dem Bund auf eine dauerhafte Erholung der Wirtschaft.

Peter Walthard
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Hohe Dynamik: 33'000 Personen konnten sich in der Schweiz im Juli vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum wieder abmelden. (Symbolbild)

Hohe Dynamik: 33'000 Personen konnten sich in der Schweiz im Juli vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum wieder abmelden. (Symbolbild)

Benjamin Manser

Auch wenn in einzelnen Branchen noch immer mit Strukturanpassungen zu rechnen ist: Der Bund beurteilt die Lage auf dem Arbeitsmarkt nach dem Coronaeinbruch wieder optimistisch. Das sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Montag vor den Medien. Denn nicht nur die Arbeitslosenzahlen hätten sich im Juli weiterhin positiv entwickelt. Auch bei der Kurzarbeit sei eine Erholung absehbar.

So hätten zu Beginn des Jahres rund eine halbe Million Menschen in irgendeiner Form Gelder aus der Kurzarbeitsentschädigung erhalten. Bis im Mai ist diese Zahl nun aber bereits auf rund 260'000 gefallen. Auch zeige sich bei der Arbeitslosigkeit eine hohe Dynamik: So hätten die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) im Juli 30'000 Neuzugänge aber auch 33'000 Abmeldungen verzeichnet. «Die Unternehmen stellen wieder Leute an», sagte Boris Zürcher.

Grosse Unterschiede in Regionen und Branchen

Insgesamt waren in der Schweiz im Juli 20’591 Personen weniger bei einem RAV angemeldet als im selben Monat des Vorjahres. Wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Montag mitteilte, gibt es jedoch unter den Regionen und Branchen grosse Unterschiede. So sind die Arbeitslosenzahlen im Jura und in Neuenburg im vergangenen Monat gestiegen. Und im Gastgewerbe (6,7 Prozent), in der Uhrenindustrie (5,9 Prozent) und auf dem Bau (4,7 Prozent) ist die Arbeitslosigkeit weiterhin deutlich höher.

Für den August rechnet das Seco mit konstanten Werten. Ab September dürfte die Arbeitslosigkeit wegen saisonaler Effekte dann wieder ansteigen. Die Prognose für die durchschnittliche Arbeitslosenquote des ganzen Jahres beträgt 3,1 Prozent. Für das kommende Jahr wird eine Quote von 2,8 Prozent erwartet. Die Erholung des Arbeitsmarkts von den Folgen der Coronapandemie fällt damit weiterhin deutlich rascher aus als die meisten Prognosen vorausgesagt hatten.

Erholung im Rekordtempo

Noch nie seit der Jahrtausendwende hat es einen derart starken Rückgang der Arbeitslosenzahlen gegeben. In den jüngsten Wirtschaftskrisen dauerte der Aufschwung jeweils länger. Zur raschen Erholung des Arbeitsmarktes beigetragen haben laut Seco die Kurzarbeitsentschädigung, Hilfsmassnahmen von Bund und Kantonen sowie der Wiederanstieg Nachfrage im Ausland.

Die Jugendarbeitslosigkeit lag laut Seco im Juli bei 2,3 Prozent, jene der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 50 Jahre bei 2,9 Prozent. Die Zahl der jungen Arbeitslosen ist damit im Vergleich zum Vormonat um 3,7 Prozent angestiegen. Dies sei jedoch nicht aussergewöhnlich, da im Sommer viele Lehrabgänger eine neue Stelle suchten, so Zürcher. Die Zahl der älteren Arbeitslosen dagegen ist gegenüber dem Vormonat um 3,2 Prozent zurückgegangen.

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