Abgang bei Pictet
Boris Collardi verlässt Genfer Privatbank bereits wieder

Knapp vier Jahre war Ex-Julius-Bär-Chef Boris Collardi Teilhaber von Pictet. Nun verlässt er die Genfer Privatbank. Zuletzt kassierte Collardi von der Bankenaufsicht eine Rüge wegen früherer Korruptionsfällen.

Samuel Thomi
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Verlässt die Genfer Privatbank Pictet bereits wieder: Boris Collardi – hier noch als Chef der Zürcher Privatbank Julius Bär. (Archiv)

Verlässt die Genfer Privatbank Pictet bereits wieder: Boris Collardi – hier noch als Chef der Zürcher Privatbank Julius Bär. (Archiv)

Keystone

Die Pictet-Gruppe meldet am Mittwoch einen Konzerngewinn von 636 Millionen Franken für das erste Halbjahr. Das ist ein massives Plus von 142 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Was jedoch wirklich überrascht in der Medienmitteilung: Boris Collardi, seit knapp vier Jahren geschäftsführender Teilhaber und Co-Leiter des Vermögensverwaltungsgeschäftes der Genfer Privatbank, verlässt das Finanzinstitut Ende Monat bereits wieder. Zur Begründung heisst es nur: Der 47-jährige Spitzenbanker habe sich zu diesem Schritt «nach sorgfältiger Überlegung und in Absprache mit dem Teilhabergremium» entschieden.

«Dies sind die besten Halbjahresergebnisse in der Geschichte von Pictet», lässt sich Renaud de Planta, geschäftsführender Senior-Teilhaber, in der Mitteilung zitieren. Erst in einem zweiten Abschnitt dankt de Planta dann dem scheidenden Teilhaber Collardi «für den bedeutenden Beitrag», den der schweizerisch-italienische Banker für Pictet geleistet habe.

Anfang Jahr stellte sich Pictet noch hinter Collardi

Boris Collardi seinerseits bedankt sich in einem Statement für die erhaltene «Unterstützung und die Zusammenarbeit» in Genf. Er sei «sicher, dass sich die Pictet-Gruppe weiterhin exzellent entwickeln wird». Näheres zu seinem Abgang oder zu allfälligen Zukunftsplänen lässt sich der Banker allerdings nicht entlocken.

Zuletzt stand Boris Collardi am vergangenen Jahreswechsel in den Schlagzeilen, als der einst jüngste Chef eines SMI-Titels von der Bankenaufsicht wegen dem Umgang mit Korruptionsvorwürfen in seiner Zeit bei Julius Bär gerügt worden war. Die Genfer Privatbank stellte sich damals demonstrativ hinter den Spitzenbanker: «Wir haben volles Vertrauen in seine Arbeit bei Pictet», erklärte ein Sprecher.

Weiter teilte Pictet am Mittwoch mit, dass Elif Aktuğ und François Pictet – wie bereits im Juni angekündigt – per September ins Teilhabergremium der Privatbank aufgenommen werden sollen. Dazu sei aber noch die Zustimmung der Bankenaufsicht Finma nötig.

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