Credit Suisse
Quartalsgewinn sinkt deutlich: Credit Suisse spürt Archegos-Debakel weiterhin

Mit 253 Millionen Franken fällt der Gewinn der Credit Suisse im zweiten Quartal um 78 Prozent tiefer aus als im Vorjahr. Grund dafür ist das Debakel um den Hedgefonds Archegos. Für 23 Banker hat dies nun Konsequenzen.

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Neun Banker müssen die Credit Suisse wegen der Archegos-Affäre verlassen. (Symbolbild)

Neun Banker müssen die Credit Suisse wegen der Archegos-Affäre verlassen. (Symbolbild)

Keystone

Die Credit Suisse verzeichnet einen zusätzlichen Verlust in Verbindung mit Archegos von 594 Millionen Franken, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Der Verlust in Zusammenhang mit dem US-Hedgefonds beläuft sich damit auf insgesamt fünf Milliarden Franken. Gemäss Mitteilung hat die Bank nun sämtliche verbleibenden Long- und Short-Positionen in Archegos per Anfang Juni aufgelöst.

Der Nettoertrag der Bank fiel mit 5,1 Milliarden Franken um 18 Prozent tiefer aus als in der gleichen Vorjahresperiode. Auch verzeichnet die Bank einen leichten Netto-Neugeldabfluss von 4,7 Milliarden Franken. Dennoch kann die CS von «rekordhohen» verwalteten Vermögen der Gruppe von über 1,6 Billionen Franken per Ende des zweiten Quartals 2021 berichten.

Harziger Start ins Jahr 2021

«Die Credit Suisse hat im zweiten Quartal 2021 solide zugrunde liegende Ergebnisse und starke Kapitalquoten verzeichnet, da sich unsere entschiedenen Massnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Archegos- und der SupplyChain-Finance-Funds-Angelegenheit positiv auswirken», wird CS-Chef Thomas Gottstein in der Mitteilung zitiert. Die CS habe ihre risikogewichteten Aktiven und die Leverage-Risikoposition deutlich reduziert sowie das Risikoprofil des Prime-Services-Geschäfts in der Investment Bank verbessert.

Die Credit Suisse legte einen harzigen Start ins Jahr hin und war im ersten Quartal 2021 in die roten Zahlen gerutscht. Schuld daran war unter anderem das Debakel um den US-Hedgefonds Archegos, das im ersten Quartal zu Belastungen von 4,4 Milliarden Franken führte. Dazu kam der Kollaps des britisch-australischen Lieferketten-Finanzierers Greensill, der Insolvenz anmeldete.

Finanzielle und personelle Konsequenzen für 23 Banker

Nun hat die CS auch die Ergebnisse der externen Untersuchung zu Archegos veröffentlicht. Diese zeigte unter anderem, dass im Prime-Services-Geschäft der Investment Bank – also im Geschäft mit den Hedgefonds – «Versäumnisse bei der effektiven Steuerung der Risiken durch die erste und die zweite Verteidigungslinie vorlagen und dass es eine fehlende Eskalation von Risiken gab», wie es in der Mitteilung heisst. Auch sei die Kontrolle bezüglich Limitenüberschreitungen unzureichend gewesen. Kritisiert wird zudem «die Priorisierung von Risikominderungs- und Verbesserungsmassnahmen».

Die Untersuchung zeigt aber auch, dass das Personal aus den Geschäfts- und Risk-Bereichen weder betrügerisch noch rechtswidrig handelte oder sich böswillig verhielt, wie es weiter heisst. Auch wurden beispielsweise keine Mängel in Zusammenhang mit der Architektur der Risikokontrollen und -prozesse festgestellt.

Trotzdem hat Archegos Konsequenzen für insgesamt 23 Personen. Neun von ihnen mussten die Bank verlassen. Dazu gab es für die Betroffenen finanzielle Einbussen von rund 70 Millionen Dollar, in dem ihre Vergütung angepasst wurde. So wurden beispielsweise aufgeschobene Ansprüche gestrichen oder bereits bezahlte Beträge zurückgefordert. Auch hat die Bank mit David Wildermuth einen neuen Risikochef eingestellt.

Mitarbeiter als Risikomanager

Die CS habe bereits verschiedene wichtige Empfehlungen umgesetzt. Dazu zählen beispielsweise mehrere Führungswechsel in der Investment Bank. Auch sucht sie zusätzliche Mitarbeitende für die Risk-Funktion. Zudem seien in den letzten Monaten sämtliche grossen gruppenweiten Risikopositionen überprüft sowie die Kontrollen hinsichtlich Limitenüberschreitungen und die Eskalationsanforderungen überarbeitet worden. Neu braucht es zusätzliche Anforderungen, um wesentliche Transaktionen zu genehmigen.

«Die Bank hat bereits eine Reihe entschiedener Massnahmen getroffen, um das Risikorahmenwerk zu stärken», wird CS-Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório zitiert. «Wir sind entschlossen, die richtigen Lehren zu ziehen und unsere Kontrollfunktionen auszubauen, sodass wir künftig besser aufgestellt sind.» Die CS wolle eine von Verantwortung und Rechenschaftspflicht geprägte Unternehmenskultur entwickeln. Dabei sollen die Mitarbeitenden Risikomanager sein, die klar wissen, was sie tun müssen. (abi)

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