Immobilienmarkt
Erste Kantone melden leere Wohnungen: Leerstandswachstum wurde wohl gestoppt

Seit Jahren wird in der Schweiz gebaut, was das Zeug hält. Nun verdichten sich aber die Zeichen, dass es auf dem Wohnungsmarkt zur Trendwende kommt. Es bleibt bei ungefähr 78'000 leeren Wohnungen.

Michael Graber und Niklaus Vontobel
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Höher hinaus geht es auf dem Mietwohnungsmarkt wohl nicht mehr. Die CS sieht den Peak erreicht.

Höher hinaus geht es auf dem Mietwohnungsmarkt wohl nicht mehr. Die CS sieht den Peak erreicht.

Keystone

Die offiziellen Zahlen des Bundes stehen zwar noch aus und trotzdem wagt die Grossbank Credit Suisse bereites eine Prognose zu der Leerwohnungsziffer. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und lag 2020 bei 1,72 Prozent. Die CS sieht nun diesen Anstieg gestoppt. Ihre Ökonomen seien in ihrer Analyse zum Schluss gekommen, «dass der Anstieg der leer stehenden Wohnungen vermutlich zum Halten gekommen ist».

Erste Kantone und Städte haben bereits gemeldet, wie viele Wohnungen bei ihnen leer stehen. Es sind dies Zürich, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Waadt und Genf. Aufgrund dieser Zahlen hat die Grossbank Credit Suisse erste Schätzungen zum nationalen Trend angestellt – und erwartet nun eine Trendwende. Seit dem Jahr 2014 habe die Leerwohnungsziffer ständig neue Rekordwerte erreicht. Doch im Jahr 2021 sei es damit wohl vorbei. Der Anteil der leeren Wohnungen gesamten Bestand an Wohnungen werde vermutlich gleich hoch bleiben wie im Vorjahr. «Gar ein leichter Rückgang ist nicht auszuschliessen.»

Letztes Jahr standen verteilt über die ganze Schweiz noch 78'800 Wohnungen leer. Das waren 1,72 Prozent aller Wohnungen. Nun dürften es im Jahr 2021 gleich viele bleiben oder etwas weniger. Die genauen Zahlen wird das Bundesamt für Statistik erst Mitte September veröffentlichen. Das Bundesamt macht jährlich eine Vollerhebung in allen Gemeinden. Doch die Kantone Zürich und Basel-Landschaft haben bereits vermeldet, dass bei ihnen aktuell weniger Wohnungen leer stehen als im Vorjahr. In den Kantonen Genf und Waadt sind es mehr leere Wohnungen, aber der Anstieg war nur sehr gering. Insgesamt vermelden die fünf Kantone einen deutlichen Rückgang, nachdem es im Vorjahr ein starker Anstieg war.

«Die Coronapandemie dürfte zu diesem Ergebnis beigetragen haben, die Entwicklung war aber schon vorgezeichnet durch geringere Baubewilligungen in den letzten Jahren», heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Zuvor wurde gerade wegen der Negativzinsen viel gebaut. Investoren und auch Pensionskassen hofften auf Immobilienrendite statt tiefe oder gar negative Bankzinsen. Doch seit rund drei Jahren geht die Zahl der Baubewilligungen zurück. Wenn gebaut wurde, dann mehr um alte durch neue Wohnungen zu ersetzen – so kamen weniger zusätzliche Wohnungen auf dem Markt. Zuletzt kam die Pandemie in die Quere. Das Bauen wurde verzögert durch Coronamassnahmen und durch Lieferengpässe. Die CS schreibt: «Inzwischen hat der Mietwohnungsbau seinen Zenit überschritten.»

Das Umland wird attraktiver

Eine Veränderung sieht die Bank auch bei den Ansprüchen an eine Wohnung. Sie sehe eine «Verlagerung der Nachfrage auf grössere Wohnungen». Dies hänge wohl mit der Pandemie und dem Trend zu Homeoffice zusammen: «Nicht wenige Haushalte dürften bei der Wohnungssuche ein zusätzliches Zimmer einplanen, um sich dort ein Büro einzurichten.»

Während Leerwohnungen ausserhalb der Zentren abnehmen, nehmen sie in diesen sogar zu. Das führe zu einer Entspannung. Und auch hier führt es die CS auf die Pandemie zurück: «Der Vorteil der Nähe zum Arbeitsplatz hat durch vermehrtes Arbeiten im Homeoffice an Bedeutung verloren.» Dadurch habe das Umland gegenüber der Stadt an Attraktivität gewonnen. Ob dieser Trend allerdings nachhaltig sei, «ist noch weitgehend offen und hängt unter anderem davon ab, wie viel wir künftig noch im Homeoffice arbeiten werden».

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