kurzarbeitsentschädigung
Um Kündigungen zu verhindern: Migros stoppt vollen Lohnausgleich bei Kurzarbeit

Angestellte auf Kurzarbeit müssen bei der Migros seit Jahresbeginn teilweise auf 20 Prozent Lohn verzichten. Damit will der Grossverteiler Kündigungen vermeiden – trotz guter Zahlen. Kritisch reagiert die Unia.

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Betroffen sind etwa Mitarbeiter bei Hotelplan oder Klubschule Migros

Betroffen sind etwa Mitarbeiter bei Hotelplan oder Klubschule Migros

Keystone

(rwa) Wer auf Kurzarbeit ist, wird vom Staat entschädigt. Allerdings erhält der Arbeitnehmer nur 80 Prozent seines Gehalts. Damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Lohneinbusse in Kauf nehmen müssen, bezahlen viele Unternehmen die Differenz von 20 Prozent. Letztes Jahr hat das auch die Migros so gehandhabt.

Damit ist nun Schluss. Der grösste private Arbeitgeber der Schweiz hat auf Anfang Jahr die Kurzarbeitsentschädigung teilweise auf die gesetzlich vorgeschriebene Abdeckung angepasst. Marcel Schlatter, Leiter der Medienstelle bei der Migros, bestätigte auf Anfrage einen Bericht des «SonntagsBlick». Er begründet den Entscheid mit der anspruchsvollen Zeit, in der die Migros bestrebt sei, «Arbeitsplätze langfristig zu erhalten und Kündigungen zu vermeiden». Für die Kompensation der Lohnlücken und die letztjährige Sonderprämie habe die Migros bereits über 30 Millionen Franken ausgegeben.

Bei Fachmärkten herrscht Ungewissheit

Betroffen vom Kurswechsel sind die Angestellten der 330 Freizeit- und Fitnessanlagen und der Klubschule Migros. Bereits seit letztem Juli gilt das neue Regime für die 2000 Mitarbeitenden von Hotelplan. Noch keinen Entscheid gefällt hat die Migros für Mitarbeitende der Fachmärkte wie Micasa, Melectronics oder SportXX. Laut Schlatter wird geprüft, wie viele dieser Angestellten in anderen Bereichen eingesetzt werden können, etwa in den Supermärkten. In diesem Fall hätten sie keine Lohneinbussen.

Nicht betroffen sind jene Angestellte, die weniger als 3470 Franken verdienen. Das Parlament hatte im Rahmen des neuen Covid-19-Gesetzes beschlossen, dass sie bei Kurzarbeit zu 100 Prozent entschädigt werden. Härtefälle behandle die Migros separat, so Schlatter.

Unia spricht von einem «unanständigen» Entscheid

Für die Unia ist der Entscheid «unverantwortlich» und «unanständig» von einem Unternehmen, das von der Krise profitiere. «Migros lässt Mitarbeitende im Stich», titelte die Gewerkschaft ihre Stellungnahme. Für ihr Personal mit Tieflöhnen zähle jeder Franken. Die Unia fordert deshalb, dass der Grossverteiler die Löhne des Personals weiterhin voll entschädigt.

Sauer stösst der Gewerkschaft auch auf, dass die Migros einen guten Abschluss hatte. Noch Ende November hatte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen im Interview mit CH Media erklärt: «Noch wissen wir nicht, wie das Weihnachtsgeschäft verläuft. Im Moment würde ich sagen: Geschäftlich ist 2020 ein gutes Jahr für die Migros. Aber ohne Corona würde es noch besser aussehen.»