Lohnschere
Unia kritisiert: CEOs und Aktionäre sahnten während Coronakrise ab

Viele Menschen gerieten aufgrund der Pandemie in wirtschaftliche Not. Nicht so die CEOs und Aktionäre grosser Firmen. Trotz Kurzarbeit und zum Teil auch Entlassungen schütteten Grossunternehmen Dividenden aus, kritisiert die Gewerkschaft Unia in einer Studie.

Dario Pollice
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Die Lohnschere ist gemäss der Unia-Studie bei Roche am grössten.

Die Lohnschere ist gemäss der Unia-Studie bei Roche am grössten.

Keystone

Die Coronakrise bringt viele Arbeitnehmende wegen der Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in existenzielle Nöte. Davon spüren die Konzernchefs und Aktionäre grosser Unternehmen wenig. So lag im Coronajahr 2020 die Lohnschere bei den grössten Schweizer Konzernen bei 1:137. Dies zeigt die am Dienstag veröffentlichte, alljährliche Lohnschere-Studie der Gewerkschaft Unia. Für die Studie wurden 37 Unternehmen untersucht, die grosse Mehrheit davon börsenkotiert.

Die Lohnschere bleibt demnach auf «sehr hohem Niveau weit offen». Den grössten Unterschied zwischen dem tiefsten und höchsten Lohn in einem Unternehmen gab es laut Unia erneut beim Pharmakonzern Roche: Das Gehalt von CEO Severin Schwan von 14,6 Millionen stand in einem Verhältnis von 1:298 zum tiefstmöglichen Lohn bei Roche.

Unia kritisiert insbesondere, dass gewisse Firmen Lohnerhöhungen für ihre CEO vorsahen, obwohl sie Verluste einfuhren. So sei beim Pharma-Unternehmen Alcon der Höchstlohn gegenüber 2019 um 11 Prozent auf 7,6 Millionen Franken gestiegen, trotz Verlusten in der Höhe von 498 Millionen Franken. Bei SwissRe betrug der Höchstlohn letztes Jahr 6,1 Millionen Franken, derweil das Unternehmen 823 Millionen Franken Verluste machte und 14,3 Prozent aller Stellen abbaute, wie die Gewerkschaft schreibt.

EMS-Chemie als Extrembeispiel

Aber nicht nur die Geschäftsleitungen haben gemäss der Unia-Studie im Coronajahr in hohem Mass profitiert, sondern auch das Aktionariat. So seien die Dividendenauszahlungen der untersuchten Konzerne um 5 Prozent auf 60,6 Milliarden Franken gegenüber 2019 angestiegen.

Dabei seien die Dividenden ungleich verteilt worden. Die 1,3 Millionen Mitarbeitenden erhielten von den totalen Auszahlungen an das Personal 67 Prozent, während die Aktionäre 33 Prozent erhielten, so die Unia. Gleichzeitig sei der Personalaufwand gegenüber dem letzten Jahr um rund fünf Prozent gesunken. «Anstatt Einnahmen in Mitarbeitende und deren Gehälter zu investieren, werden sie zu Auszahlungen an Aktionärinnen und Aktionäre gebraucht», kritisiert die Gewerkschaft

Die ungleiche Verteilung der Dividenden sei bei der EMS Chemie wieder am extremsten gewesen: Die Aktionäre erhielten laut der Studie 468 Millionen Franken (69 Prozent). Alleine die Töchter von SVP-Doyen Christoph Blocher, welche mit rund 70,9 Prozent an der EMS Chemie beteiligt sind, erhielten 331,8 Millionen Franken in Form von Dividenden und somit mehr als das gesamte Personal, so die Unia weiter.

Unia ist vor allem ein Dorn im Auge, dass 14 Konzerne Kurzarbeitsentschädigungen beanspruchten und gleichzeitig 8,2 Milliarden Franken Dividenden ausbezahlt haben. Sie fordert deshalb: «Unternehmen, welche auf staatliche Unterstützung in Form von Kurzarbeitsentschädigungen angewiesen sind, und deshalb einen Gewinn erzielen können, sollten das eingenommene Geld zugunsten ihrer Arbeitnehmenden investieren und nicht Aktionärinnen und Aktionäre bereichern».

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