Milchverarbeiter
Emmi wächst im Ausland, leidet aber in der Schweiz

Im ersten Semester konnte der Luzerner Milchverarbeiter gesamthaft weiter zulegen. Doch das «Wiedererstarken alter Verhaltensmuster» wie Einkaufstourismus belastet die Einnahmen im Heimmarkt.

Maurizio Minetti
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Der Emmi-Hauptsitz in Luzern.

Der Emmi-Hauptsitz in Luzern.

Bild: PD

Im ersten Halbjahr konnte die Emmi-Gruppe ihren Umsatz um 6,2 Prozent auf 1,9 Milliarden steigern. Auch die Profitabilität des in Luzern beheimateten Milchverarbeiters hat sich erhöht: Der Gewinn auf Stufe Ebit wuchs um 15,5 Prozent auf 129,4 Millionen Franken, während sich die Ebit-Marge von 6,3 auf 6,9 Prozent verbesserte. Unter dem Strich resultierte im ersten Semester damit ein Reingewinn von 98,7 Millionen Franken, was einem Plus von 21,4 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht.

Die positive Entwicklung sei getrieben von der wiedergewonnenen Dynamik im internationalen Geschäft, erfolgreichen Markenkonzepten wie Emmi Caffè Latte und Kaltbach Käse sowie Zuwächsen in strategischen Nischen wie etwa Dessertspezialitäten, teilte Emmi am Mittwoch mit. In der Region Amerikas wuchsen die Umsätze um 11,9 Prozent, in Europa um 4,9 Prozent und Global Trade zeigte ein Plus von 14,3 Prozent. Die Division Global Trade beinhaltet primär Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in Ländern, in denen Emmi über keine eigenen Gesellschaften verfügt. Dazu gehören die asiatischen und osteuropäischen Märkte, die meisten südamerikanischen Länder und die Arabische Halbinsel.

Milchpreiserhöhung im aktuellen Jahr stützte die Umsätze

Im Heimmarkt Schweiz musste Emmi hingegen Umsatzeinbussen in Kauf nehmen. Dies habe man nach dem coronabedingten Rekordsemester im Vorjahr allerdings erwartet, schreibt das Unternehmen. Während Emmi in allen anderen Divisionen zulegen konnte, resultierte in der Schweiz ein Rückgang von 3,3 Prozent.

Der Rückgang in der Schweiz sei primär auf das aussergewöhnlich hohe organische Wachstum in der Vorjahresperiode (3,8 Prozent) zurückzuführen. Haupttreiber waren das Detailhandelsgeschäft, welches gegenüber dem ausserordentlichen Vorjahr mit Hamsterkäufen und Grenzschliessungen erwartungsgemäss deutlich einbüsste. «Das Wiedererstarken alter Verhaltensmuster inklusive Einkaufstourismus, aber auch die teilweise weiterhin geschlossene Gastronomie und eine nur langsame Erholung des Geschäfts mit Industriekunden hinterliessen Spuren», erklärt Emmi weiter. Die negativen Auswirkungen daraus seien insbesondere in den umsatzmässig grössten Segmenten Molkereiprodukte und Käse sichtbar.

Weiter positiv entwickelten sich hingegen Marken- und Spezialitätenkonzepte – insbesondere Emmi Caffè Latte oder Kaltbach Käse. Auch die allgemeine Milchpreiserhöhung im aktuellen Jahr stützte die Umsätze. Der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz sank somit von 46,7 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 42,5 Prozent.

Leicht höheres organisches Wachstum erwartet

Im Ausblick schreibt Emmi, das zweite Halbjahr bleibe mit massiven Unsicherheiten behaftet. Mit einer Normalisierung in allen Ländergesellschaften rechnet Emmi – wenn überhaupt – erst im kommenden Jahr – Rückschläge bei der Corona-Entwicklung vorbehalten. Dennoch erwartet Emmi auf Gruppenstufe – insbesondere aufgrund der positiven Dynamik im internationalen Geschäft – ein gesamthaft leicht höheres organisches Wachstum. Dies trotz einer leichten Verschlechterung des Ausblicks für die Division Schweiz. Das Unternehmen erhöht seine Erwartungen für die Umsatzentwicklung dieses Jahres leicht auf 2 bis 3 Prozent (bisher 1–2%).

An der im März kommunizierten Prognose für das Ebit von 275 bis 290 Millionen Franken hält Emmi fest. Die Reingewinnmarge soll weiterhin 5,2 bis 5,7 Prozent betragen. Steigende Kosten, etwa für Verpackungsmaterialien und im Bereich der Logistik, werden sich gemäss Emmi im zweiten Halbjahr negativ im Ergebnis niederschlagen.

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