Öffentlicher Verkehr
SBB leidet weiter stark unter der Corona-Pandemie

Weniger Passagiere, grosser Halbjahresverlust: Die Lage der SBB bleibt wegen der Coronapandemie angespannt. Das zeigt das Halbjahresergebnis. Dafür bessert sich die Situation beim Lokpersonal.

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Die Coronapandemie setzt der SBB arg zu.

Die Coronapandemie setzt der SBB arg zu.

Keystone

Die Coronapandemie wirkte sich auch in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres auf das Geschäft der SBB aus: Einerseits arbeiteten viele Pendler von zuhause aus, andererseits waren Freizeitreisende deutlich weniger unterwegs. Wie die Eisenbahngesellschaft am Mittwoch mitteilte, waren im ersten Halbjahr täglich 763'000 Passagiere unterwegs. Das sind 41 Prozent weniger als 2019. Zwar steige die Nachfrage langsam wieder, die aktuelle Auslastung liege aber noch immer 25 Prozent unter 2019.

Das zeigt sich auch bei den Generalabonnements (GA), die rückläufig sind. So waren im Juni noch 395'000 GA im Umlauf; vor einem Jahr waren es noch 459'000 und 2019 sogar 493'000. Lediglich um 0,9 Prozent zurück ging die Zahl der Halbtaxabonnemente. Die SBB geht davon aus, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich die Passagierzahlen vollständig erholt haben.

Ende des Lokführermangels ist in Sicht

Wegen defensiver Planung und Ausbildungsunterbrüchen fehlten der SBB in den vergangenen Monaten über 200 Lokführer. Das führte zu einem ausgedünnten Fahrplan. Nun gibt die SBB Entwarnung: «Schweizweit werden in den nächsten sechs Monaten 200 Lokführerinnen und Lokführer ihre Ausbildung abschliessen», schreibt die Eisenbahngesellschaft in einer Mitteilung. Damit normalisiere sich die Situation beim Lokpersonal bis Ende 2021. Die SBB betont jedoch, dass die Lage in einzelnen Regionen bis Ende Oktober angespannt bleibe – beispielsweise im Raum Zürich und vor allem in der Westschweiz. In der Romandie könnten Zugausfälle in letzter Minute leider nicht ausgeschlossen werden, heisst es weiter. Künftig bildet die SBB ihr Lokpersonal für mehr Strecken und Fahrzeugtypen aus. Das ermögliche mehr Flexibilität bei ihren Einsätzen.

Grosser Halbjahresverlust trotz finanzieller Hilfe des Bundes

Der Halbjahresverlust des Konzerns beträgt 389 Millionen Franken, wie es weiter heisst. Zwar waren es 2020 noch 479 Millionen, trotzdem fällt der Verlust 2021 bereinigt um 30 Millionen höher aus: Denn die SBB hat vom Bund 120 Millionen Franken Unterstützung erhalten, die bereits eingerechnet sind. Vor Corona im Jahr 2019 verzeichnete die Eisenbahngesellschaft mit 279 Millionen ein positives Halbjahresergebnis.

Corona belastet dabei alle Bereiche der SBB, wie es weiter heisst. SBB Personenverkehr erlitt einen Verlust von 389 Millionen Franken, darin enthalten sind 75 Millionen zusätzliche Mittel der öffentlichen Hand. SBB Cargo Schweiz verliert 8 Millionen Franken, wobei die öffentliche Hand das Ergebnis mit 15 Millionen Franken stützt. Das Minus bei SBB Infrastruktur beträgt 52 Millionen. Das sei eine Verbesserung von 63 Millionen gegenüber dem Vorjahr, wobei auch hier 30 Millionen von der öffentlichen Hand kamen.

In den eigenwirtschaftlichen Bereichen Fernverkehr, internationaler Personenverkehr und Immobilien muss die SBB die Einnahmeausfälle hingegen selbst tragen. Der Verlust im Bereich Fernverkehr beträgt denn beispielsweise auch 372 Millionen Franken. Der Bereich Immobilien hingegen schliesst dank fertiggestellten Immobilienprojekten 21 Millionen höher ab als im Vorjahr. Das Ergebnis beträgt 127 Millionen vor Ausgleichszahlungen an Infrastruktur und Pensionskasse.

Verschuldung steigt stark an

Wegen der coronabedingten Verluste sei die Verschuldung stark angestiegen, heisst es weiter. Der Schuldendeckungsgrad liegt aktuell bei 17,7. Die vom Bund geforderte Höchstgrenze beträgt 6,5 Prozent. Aktuell erarbeite eine Arbeitsgruppe von Bund und SBB Grundlagen, «um eine nachhaltige, robuste Finanzierung des Unternehmens mit Horizont 2030 zu gewährleisten.» Sparmassnahmen und Effizienzsteigerungen von Seiten SBB sollen ebenfalls einen Beitrag leisten. (abi)

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