Tesla
Elon Musk und die «tickende Steuer-Zeitbombe»

Tesla-Gründer Musk liess Twitter abstimmen, ob er 10 Prozent seiner Aktien verkaufen solle. Weil er die Demokratie schätzt? Nein, der wahre Grund ist viel profaner.

Niklaus Vontobel
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Meister der Selbstinszenierung: Tesla-Chef Elon Musk.

Meister der Selbstinszenierung: Tesla-Chef Elon Musk.

Keystone

Elon Musk machte sich selbst mal wieder zum Ereignis auf Twitter. Neuerdings figuriert der Tesla-Gründer auf dem Nachrichtendienst zwar als «Lord Edge». Aber noch als Elon Musk twitterte Musk lässig: Es werde viel Aufhebens darum gemacht, dass nicht realisierte Börsengewinne ein Mittel zur Steuervermeidung seien. Darum schlage er vor, dass er 10 Prozent seiner Tesla-Aktien verkaufe, so seine Börsengewinne teils realisiere und darauf Steuern zahle. Ob seine Follower diesen Vorschlag unterstützen würden, fragte Musk – und dann liess der exzentrische Milliardär die eigentliche Bombe platzen: «Ich werde mich an die Ergebnisse dieser Umfrage halten, egal wie sie ausgeht.»

Damit hatte Musk einmal mehr die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dergleichen tut er schon seit Jahren gerne, und nicht bloss aus Exzentrik. Um die gleiche Aufmerksamkeit mit Hilfe von Werbung zu erlangen, müsste er viel Geld ausgeben. Nun wird Musk vielleicht tatsächlich 10 Prozent seiner Aktien abstossen. Als er die Umfrage abschloss, hatten 3,5 Millionen Menschen abgestimmt, 58 Prozent für einen Verkauf. An der Börse ging das Gebibbere los. Die Tesla-Aktie verlor heute zwischenzeitlich über 5 Prozent an Wert. Der Elektroautohersteller hat erst kürzlich an der Börse eine wichtige Marke übertroffen: Er erreichte einen Börsenwert von 1 Billion Dollar – als erster Autohersteller überhaupt.

Musk muss so oder so Tesla-Aktien verkaufen

Doch Werbung und Exzentrik allein genügen nicht, um die neueste Volte von Musk zu erklären. Der aktuell reichste Mann der Welt hätte wohl ohnehin Aktien verkaufen müssen – weil eine enorme Steuerschuld bald fällig wird, von bis zu 10 Milliarden Dollar. Gegenüber der «New York Times» sprach ein Experte von einer «tickenden Steuer-Zeitbombe». Anscheinend entschloss sich Musk, zu dieser Steuerzahlung müsse noch eine grosse Twitter-Show her.

Und darum geht es: Musk hält 23 Millionen Aktienoptionen, die ihm 2012 zugeteilt wurden. Im August 2022 laufen diese aus. Meist sind solche Optionen-Pakete so strukturiert, dass in den USA keine Steuer fällig wird. Das ändert sich erst, wenn die Aktien verkauft werden, auf welche die Optionen sich beziehen. Dann kann der Fiskus zulangen. Nicht so bei Musk, schreibt die «New York Times». Das Optionen-Paket sei falsch aufgezogen. Und es sei zu gross. Musk muss Steuern zahlen, zumindest auf einen grossen Anteil dieser Optionen. Je nachdem wie viel es ist, kommt eine Steuerrechnung von bis zu 10 Milliarden Dollar zusammen.

Dafür muss sich selbst ein Elon Musk extra Cash beschaffen. Denn der reichste Mann der Welt hat sein Vermögen zum überwiegenden Teil in Tesla-Aktien. Um diese zu Geld zu machen, musste er in der Vergangenheit keine Aktien verkaufen und darum auch keine Steuer zahlen. Stattdessen konnte er sich von den Banken einen Kredit geben lassen, mit den Aktien als Sicherheit. Gemäss eines Berichts von Pro Publica wenden viele amerikanische Superreiche diese Form der Steuervermeidung an. Die journalistische Non-Profit-Organisation war an Steuerunterlagen von Superreichen gelangt. Neben Musk etwa an jene des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

«Das ist eine tickende Zeitbombe», sagt der Steuerexperte zur «New York Times» über das Optionen-Paket. «Auf Anhieb fällt mir keine Möglichkeit ein, wie Musk diese Steuerzahlung noch umgehen könnte.»

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