Wirtschaftsforschung
Standortattraktivität: Die Musik spielt in Basel, Zürich und der Zentralschweiz

Ein Ranking der Credit Suisse zeigt grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. Während die nördliche Deutschweiz Firmen anzieht, sind die Alpen und das westliche Mittelland kaum attraktiv.

Peter Walthard
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Attraktiv trotz hoher Steuern: Zürich bildet den Schwerpunkt des «goldenen Dreicks» der Schweiz.

Attraktiv trotz hoher Steuern: Zürich bildet den Schwerpunkt des «goldenen Dreicks» der Schweiz.

Keystone

Verglichen mit dem Vorjahr 2020 blieb das Ranking der Standortqualität in der Schweiz relativ stabil. Dies geht aus einem von der Grossbank Credit Suisse (CS) am Dienstag veröffentlichten Bericht hervor. An der Spitze liegen als für Unternehmen attraktivste Kantone weiterhin Zug, Basel-Stadt, Zürich und Genf, direkt gefolgt vom Aargau und dem Steuerparadies Nidwalden.

Am unteren Ende rangieren ländlich geprägte Regionen in den Alpen und im Westen der Schweiz: Wie schon in den letzten fünf Jahren bilden das Wallis und der Jura das Schlusslicht, auch die Kantone Tessin und Graubünden werden von den Firmen als wenig attraktiv eingestuft. Weiter an Attraktivität verloren hat laut CS-Ranking der Kanton Bern: Seine Standortattraktivität liegt noch unter jener strukturschwacher Deutschschweizer Kantone wie Glarus und Uri.

Wie im Wallis und im Jura ist die Steuerbelastung im Kanton Bern sowohl für natürliche als auch für juristische Personen hoch – eine Charakteristik, die auch der als etwas attraktiver eingestufte Kanton Baselland kennt. Die Spitzenreiter Zug, Basel-Stadt und Genf gehören dagegen zu jenen Kantonen, die sowohl natürliche als auch juristische Personen relativ tief besteuern. Eine Ausnahme bildet der Kanton Zürich: Obwohl dieser juristische Personen noch stärker besteuert als das abgeschlagene Tessin, bleibt seine Attraktivität ungebrochen.

«Goldenes Dreieck» zieht an, «mittlerer Westen» bleibt unattraktiv

Boomende Nordschweiz: Für die Wirtschaft ist vor allem die Region südlich der deutschen Grenze interessant.

Boomende Nordschweiz: Für die Wirtschaft ist vor allem die Region südlich der deutschen Grenze interessant.

ho/CS

Auf regionaler Ebene zeigt sich: Attraktiv sind in der Schweiz vor allem der Genferseebogen von Genf bis Lausanne und ein «goldenes Dreieck» mit Schwerpunkt Zürich, dass sich zwischen Vierwaldstättersee, der Agglomeration Basel und dem Bodensee aufspannt und eine lange gemeinsame Grenze zu Deutschland aufweist. Für die Wirtschaft relativ uninteressant ist dagegen der «mittlere Westen», der sich vom Jura über das westliche Mittelland zum Wallis erstreckt, sowie die Süd- und Südostschweiz.

In den nächsten Jahren könnte erneut Bewegung in die Landschaft der Standortattraktivität kommen, prognostiziert der Bericht der CS: Die Reform der internationalen Unternehmensbesteuerung könnte die Bedeutung des Steuerwettbewerbs zwischen den Kantonen verringern. Dann wären Faktoren wie Erreichbarkeit oder die Verfügbarkeit von geeignetem Personal an Bedeutung gewinnen, heisst es im Bericht.

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