Berufung
Circus-Royal-Konkurse: Staatsanwalt muss Anklageschrift nachbessern

Das Thurgauer Obergericht hat die Anklageschrift in Sachen Misswirtschaft bei den Circus-Royal-Konkursen an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Es will mehr Details über das konkrete Verhalten von Oliver Skreinig.

Ida Sandl
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Da war er noch Direktor des Circus Royal: Oliver Skreinig bei einer Pressekonferenz in Affoltern am Albis, am Mittwoch, 11. Juli 2018, nachdem die Circus Royal Betriebs GmbH Konkurs angemeldet hatte.

Da war er noch Direktor des Circus Royal: Oliver Skreinig bei einer Pressekonferenz in Affoltern am Albis, am Mittwoch, 11. Juli 2018, nachdem die Circus Royal Betriebs GmbH Konkurs angemeldet hatte.

Bild: Walter Bieri / KEYSTONE

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft muss im Fall der Circus-Royal-Konkurse nochmals über die Bücher. In der Anklageschrift sei kein konkretes Verhalten von Oliver Skreinig beschrieben, aus dem sich schliessen lasse, dass er «faktisches Organ» – also Geschäftsführer – der beiden Circus-Unternehmen gewesen sei. Dies teilt das Thurgauer Obergericht mit, es hat die Anklageschrift deshalb an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Als Geschäftsführer hätte sich Skreinig unter anderem der mehrfachen Misswirtschaft sowie der Unterlassung der Buchführung schuldig gemacht.

Skreinig will von der finanziellen Schieflage nichts gewusst haben

Konkret geht es um die Circus Royal Betriebs GmbH und die Gasser und Skreinig’s Österreichischen Nationalcircus GmbH. Skreinig selber hat stets seine Unschuld beteuert. Er habe keine Ahnung gehabt von der finanziellen Schieflage der beiden Unternehmen. Der verstorbene Peter Gasser sei der alleinige Geschäftsführer gewesen. Skreinig war das Gesicht des Circus Royal nach aussen. Doch alle wichtigen Entscheidungen, besonders wenn es um finanzielle Belange gegangen sei, habe Gasser getroffen. Davon, dass Skreinig im Handelsregister als Gesellschafter mit Einzelunterschrift eingetragen war, könne noch nichts abgeleitet werden, argumentierte sein Verteidiger vor Obergericht. «Er war kein faktisches Organ» und habe keine Entscheide gefällt. Den Direktor habe er nur in der Manege gespielt.

Skreinigs Verteidiger will einen Freispruch,
der Staatsanwalt eine härtere Strafe

Dennoch verurteilte das Bezirksgericht Kreuzlingen Oliver Skreinig im August 2020 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten, einer bedingten Geldstrafe und einem Berufsverbot von vier Jahren. Gegen das Urteil meldeten Skreinig und sein Verteidiger Berufung an. Sie wollen einen Freispruch von den Vorwürfen erreichen. Der Staatsanwalt dagegen beantragt, dass die Freiheitsstrafe auf 18 Monate verschärft werde, die Hälfte bedingt. Auch er hat das Urteil vor Obergericht gezogen.

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