Amriswil
Eine Koryphäe als Jubiläumsgeschenk: «Wenn der Sieber spielt, tanzt die Orgel»

Mit einem Galakonzert und einer Uraufführung feierte die Veranstaltungsreihe «Amriswiler Konzerte» das 50-Jahr-Jubiläum.

Barbara Hettich
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Organist Wolfgang Sieber und das Projektorchester Camerata Instrumentale Thurgau, unter der Leitung Thomas Haubrichs.

Organist Wolfgang Sieber und das Projektorchester Camerata Instrumentale Thurgau, unter der Leitung Thomas Haubrichs.

Bild: Karl Svec (Amriswil, 19. September 2021)

«Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ich mich freue, in einer voll besetzten Kirche das Jubiläum zu feiern», begrüsste der Präsident der «Amriswiler Konzerte», Stefan Zöllig, die Besucher in der evangelischen Kirche zum Galakonzert am Sonntagabend. Zur Halbzeit, denn nach 50 Jahren «Amriswiler Konzerte» würden weitere 50 Jahre folgen. Und Stefan Zöllig ist auch überzeugt, als am Bettag vor genau 50 Jahren Irène und André Manz den Grundstein für die «Amriswiler Konzerte» in dieser Kirche legten, war das eine göttliche Eingebung:

«Am Anfang war der Ton und Manz sagte, es werde Musik und es wurde Musik.»

Auf gewohnt hohem Niveau

Es wurde Musik, und wie man sich das von den «Amriswiler Konzerten» gewohnt ist, auf hohem Niveau, nie langweilig, überraschend, aufgeschlossen für die verschiedensten Stilrichtungen. Das Projektorchester Camerata Instrumentale Thurgau unter der Leitung des Amriswiler Kirchenmusikers Thomas Haubrich eröffnete den Abend mit Händels Konzert für Orgel und Orchester in F-Dur. An der Orgel sass ein Meister seines Fachs: Wolfgang Sieber, Luzerner Organist, Komponist, Improvisator und Pädagoge. Ein Virtuose, der bei den schwierigsten Passagen lächelt, die richtigen Register der Orgel zieht und sich einfühlsam den Klängen der Streicher anpasst.

Seine musikalische Vielseitigkeit brachte er anschliessend mit seiner Komposition «Libero» wunderbar zum Ausdruck. In Anlehnung ans Lied «Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus» spielte er Szenen eines Organisten, vermischte Rhythmen und Stilrichtungen in atemberaubendem Tempo. Thomas Haubrich brachte es auf den Punkt:

«Ja, wenn der Sieber spielt, dann wird’s nie langweilig, dann tanzt die Orgel.»
Organist Wolfgang Sieber und Dirigent Thomas Haubrich.

Organist Wolfgang Sieber und Dirigent Thomas Haubrich.

Bild: Karl Svec (Amriswil, 19. September 2021)

Vom Walzer zum Tango

Tänzerisch ging es auch im Programm weiter: im Dreivierteltakt mit dem Frühlingsstimmen-Walzer von Johann Strauss junior, arrangiert von Francisco Obieta für Kammerorchester und Orgel. Der St.Galler Komponist und Dirigent spielt im «Camerata Instrumentale Thurgau» Violoncello und sorgte am Galakonzert mit einem weiteren Arrangement, einem wehmütigen Tango Astor Piazollas, für viel Begeisterung im Publikum.

Der Höhepunkt im musikalischen Teil des Abends war aber unbestritten die Uraufführung von Wolfgang Siebers «Ballade über das Thurgauerlied». Als das Team der «Amriswiler Konzerte» sich anschickte, ihr besonderes Jubiläum zu feiern, kam die Idee einer speziellen Auftragskomposition auf. Es war naheliegend, den Solisten des Jubelkonzerts damit zu beauftragen. Wolfgang Sieber wurde seinem Ruf gerecht, Brücken zwischen Klassik und Volksmusik, zwischen Jazz und Tango zu bauen. Die ersten fünf Strophen verarbeitete er musikalisch nach Inhalten, was beim Publikum Staunen und gute Laune auslöste. Bei der sechsten und finalen Strophe waren dann die Konzertbesucher herzlich eingeladen, nach der bekannten Melodie mitzusingen, was man dann auch gerne tat und bei der Zugabe wiederholte:

«Drum, Thurgau, nimm hin noch den schwellenden Gruss, nimm hin von den Lippen den glühenden Kuss, und bleibe in Eintracht und Frieden vereint, dann ewig die Sonne des Friedens dir scheint.»

Was vor 50 Jahren begann, ist eine Institution

Anschliessend an das Jubiläumskonzert in der evangelischen Kirche gab es im Pentorama ein Galadinner. Über 100 Personen wurden mit Schweinsfilet an Rotweinsauce und Thurgauer Süssmostcrème verwöhnt, nachdem sie den Grussworten des Amriswiler Stadtrates, überbracht von Stadtpräsident Gabriel Macedo, gelauscht hatten. «Was Irène und André Manz vor 50 Jahren begonnen haben und während 37 Jahren unterhalten und aufgebaut haben, ist eine Institution, die einfach zum Kulturkalender der Stadt Amriswil gehört», sprach Macedo.

Der Amriswiler Stadtpräsident blickte zurück, als Irène und André Manz die «Amriswiler Konzerte» vor 13 Jahren in neue Hände gaben – und Macedo verglich diesen oft herausfordernden Abnabelungsprozess mit dem Wegzug eines Kindes aus dem Elternhaus. So hätten die «Amriswiler Konzerte» einen eigenen Weg eingeschlagen, auch wenn sie hin und wieder froh um die Unterstützung der Eltern gewesen seien. Doch es sei schön, dass die «Amriswiler Konzerte» ihren neuen, eigenen Weg gefunden und sich ganz im Sinne von Mama und Papa weiterentwickelt hätten, sagte Macedo. «Der Erfolg spricht für sich.»

Unter der neuen Leitung von Stefan Zöllig seien neue Ideen gekommen, die nun unter der künstlerischen Leitung von Dagmar Grigarová und Thomas Haubrich umgesetzt und von Kerstin Haubrich und Sonja Kempter organisiert würden.
Zuletzt dankte der Stadtpräsident allen, die zum Erfolg der «Amriswiler Konzerte» beigetragen haben und er betonte die Zusammenarbeit der Stadt mit den zwei Landeskirchen: «Das gute Zusammenspiel unserer drei Gemeinden, gepaart mit engagierten, leidenschaftlichen Personen im Vorstand, hat die Erfolgsgeschichte massgeblich geprägt», sprach Macedo. (man)

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