Schulbeginn
Die Evolution des Schultheks: So hat sich der Schulrucksack seit 1920 verändert

Für Tausende Mädchen und Buben beginnt diesen Montag die Schulzeit. Die neuen Primarschülerinnen und Primarschüler werden stolz ihren ersten eigenen Schulthek tragen. Einen Thek, der heute ganz anders aussieht als noch vor 100 Jahren.

Ruben Schönenberger
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Von den 1920er-Jahren bis in die Neuzeit: Das Schulmuseum Mühlebach in Amriswil verfügt über eine grosse Auswahl an Schultheken.

Von den 1920er-Jahren bis in die Neuzeit: Das Schulmuseum Mühlebach in Amriswil verfügt über eine grosse Auswahl an Schultheken.

Bild: Andri Vöhringer (Amriswil, 10. August 2021)

An den ersten Schulthek wird sich die Mehrheit der neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler ein Leben lang erinnern. Genau so, wie wir Älteren uns nahezu alle daran erinnern. Doch nicht alle haben dabei das gleiche Bild vor Augen. Denn: Die Schultheke haben über die Jahre einen Wandel durchgemacht, wie die Sammlung des Schulmuseums Mühlebach in Amriswil zeigt.

So haben sich die Schultheke über die Jahre verändert

Wenn das neue Schuljahr beginnt, werden viele Schülerinnen und Schüler mit Schultheken dieser Art den ersten Schultag in Angriff nehmen. Früher sahen die Schultheke noch ganz anders aus.
17 Bilder
Eines der ältesten Modelle im Schulmuseum Mühlebach. Und eines der wenigen, dessen Vergangenheit genau bekannt ist: Dieser Schulthek wurde von einem Hans Baumann (geboren 1918) ab 1925 verwendet. Er ging damit zur Primarschule, in die Sek und an die Kanti.
Ein klassischer Bubenthek mit langer Lasche, ebenfalls aus den 1920er-Jahren. Die Lasche ist mit einer Prägung «W.M.» versehen, vermutlich das Kürzel für den Hersteller.
Ein besonderer Schulthek, vermutlich etwa aus den 1930er-Jahren. Besonders deshalb, weil er nicht aus Leder, sondern aus Karton gefertigt wurde.
Dieser äusserst gut erhaltene Schulthek dürfte aus den 1940er-Jahren stammen.
In den 1950er-Jahren dürfte dieser Schulthek von einer Schülerin getragen worden sein. Darauf lässt die Farbe schliessen.
In eine ähnliche Zeit fällt dieser Schulthek, der wegen seiner drei Riemen zur Zeit aussergewöhnlich gewesen sein dürfte.
Nicht immer wurde glattes Leder verwendet, wie bei diesem Modell – ebenfalls mit drei Riemen – sichtbar wird.
Dieser blaue Schulthek ist eigentlich gar keiner. Sondern eine sogenannte Umschlagmappe. Das Spezielle: Wer das Schnappschloss öffnet und die vermeintliche Lasche umschlägt, der ...
... erhält doppelten Stauraum. In Verwendung war diese Mappe wohl in den 1950er- und 1960er-Jahren.
Dieser Schulthek wurde von 1955 bis 1965 getragen. Das vermeintliche Leopardenfell ist aber keines. Es handelt sich um einen gefärbten Stoff.
Ein eher aussergewöhnliches Modell aus den 1960er-Jahren.
Braune Farbe, aber eine kurze Lasche. Dieser Schulthek aus den 1960er- bis 1970er-Jahren vereint jeweils eine klassische Bubenthek- und eine klassische Mädchenthek-Eigenheit.
Ab den 1970er-Jahren begannen Hersteller vereinzelt, Aufdrucke und Reflektoren anzubringen. Bei diesem Schulthek ebenfalls auffällig: der Griff aus Kunststoff.
Ab dem Ende des 20. Jahrhunderts wurden die Schultheke immer mehr zu dem, was wir heute gewohnt sind. Motive, Reflektoren, Schnappschlösser, fluoreszierende Farben.
Aber auch Schultheke in ursprünglicherem Design existieren nach wie vor. Diese Variante mit Kuhfell stammt nicht etwa aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, sondern ist so gut wie neu.
Und schliesslich ist im Schulmuseum auch noch diese Besonderheit zu finden. Viel ist nicht bekannt über den Schulthek aus Holz. Vermutlich hat eine ärmere Familie sich mit dieser Eigenkonstruktion selbst geholfen, weil sie den Kauf eines Schultheks nicht stemmen konnte.

Wenn das neue Schuljahr beginnt, werden viele Schülerinnen und Schüler mit Schultheken dieser Art den ersten Schultag in Angriff nehmen. Früher sahen die Schultheke noch ganz anders aus.

Bild: Martin Oswald

Die ältesten Exemplare in der Sammlung des Schulmuseums Amriswil reichen aber nicht ganz bis zum Beginn der Schultheke zurück.

Gemäss Paul Angehrn, der früher für das Schulmuseum tätig war und das Thema in einem Artikel geschichtlich aufbereitet hat, kamen erste Schultheke im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auf. Davor blieben die kostbaren Bücher sowieso meistens in der Schule. Und wenn die Schülerinnen und Schüler doch etwas mitnehmen mussten, hatten sie andere Behältnisse dafür.

Schulthek oder Schulranzen: Woher die Bezeichnungen stammen

In der Schweiz ist Schulthek vermutlich der gebräuchlichste Begriff für das Gepäckstück, in dem die Schülerinnen und Schüler ihre Schulunterlagen verpacken. Der Begriff «Thek» kommt aus dem Griechischen und steht gemäss dem Schweizerischen Idiotikon für «Behälter, Kapsel, Büchse, Kasten, Futteral für Schreibgerät». Auch die Bibliothek oder die Videothek gehen auf den gleichen Ursprung zurück. Das gilt auch für die Theke in der Bar. Diese hat ihren Namen von der Ladentheke geerbt, die oft mit Schaukästen versehen war. In diesen wurden Waren aufbewahrt.

Der Schulranzen, der zum Beispiel in Deutschland gebräuchlicher ist, hat seinen Namen nicht vom umgangssprachlichen Ranzen der Kuh geerbt, wie man vielleicht vermuten könnte. Das Wort kommt vom niederdeutschen Wort rentsel, was so viel wie Sack bedeutet.

Das vereinzelt vorkommende Wort Felleisen hat übrigens «weder mit Fell noch mit Eisen etwas zu tun», wie Paul Angehrn, ehemaliger Mitarbeiter des Schulmuseums Mühlebach, schreibt. Das Wort leite sich vom französischen valise (Koffer) her.

Ende des 19. Jahrhunderts seien Schultheke dann überall üblich gewesen. Mädchen- und Bubentheke waren damals unterschiedlich. Die Variante für Buben hatte lange Laschen, verschlossen wurde der Thek mit Riemchen, später dann mit Schnappschlössern. Bubentheke wurden oft mit einem Fell verziert und waren ansonsten in einem Braunton gehalten.

Ein klassischer Schulthek für Buben: lange Lasche, Riemen, braun.

Ein klassischer Schulthek für Buben: lange Lasche, Riemen, braun.

Bild: Andri Vöhringer (Amriswil, 10. August 2021)

Die Variante für Mädchen hatte kurze Laschen. Verschlossen wurde der Thek durch das Über-Kreuz-Tragen der Riemen, die schmaler waren als bei den Buben. Meist hatten sie kein Fell und waren in der Regel blau oder rot.

Ein klassischer Schulthek für Mädchen: kurze Lasche, Riemen über Kreuz, rot.

Ein klassischer Schulthek für Mädchen: kurze Lasche, Riemen über Kreuz, rot.

Bild: Andri Vöhringer (Amriswil, 10. August 2021)

Über die Jahre wurden die Schultheke weiterentwickelt. Waren sie früher meist aus Leder, werden ab etwa den 1970er-Jahren Textilien oder Kunststoff verwendet. Heute entsprechen Schultheke zudem oft einer DIN-Norm, die sowohl Sicherheitsanforderungen als auch Gebrauchsanforderungen festhält. Dazu gehört beispielsweise die Wasserfestigkeit oder auch die Verwendung reflektierender Materialien.

Die neuesten Schulthek-Modelle sind mit Reflektoren ausgerüstet.

Die neuesten Schulthek-Modelle sind mit Reflektoren ausgerüstet.

Bild: Martin Oswald

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