Glosse
Was Blumen auf Madeira und die Rolling Stones mit dem Neubau der Badi Frauenfeld zu tun haben

Murgspritzer-Kolumne über fehlendes maritimes Flair in Frauenfeld, über couragierte und weit hergeholte Namensgebungen und über Fragen zu gendergerechter Sprache.

Samuel Koch
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Aktuelle Situation bei der Baustelle Neubau Hallenbad, wie von der Webcam aufgezeichnet.

Aktuelle Situation bei der Baustelle Neubau Hallenbad, wie von der Webcam aufgezeichnet.

Bild: Printscreen

Frauenfeld hat unheimlich viel zu bieten, aber definitiv kein maritimes Flair. Derzeit kann hier ja nicht einmal gebadet werden, weder in der Badi (Baustelle), in der Murg (trübes Niedrigwasser) noch in der Thur (Schutz der bedrohten Fische). Ohne maritimes Flair war die Namensgebung der siegreichen Architekten für das neue Frauenfelder Hallenbad wahrlich mutig und weit hergeholt. Gewonnen hat das Architekturbüro mit seinem Projekt «Tag am Meer» trotzdem, womit dafür seit letztem Herbst 40 Millionen Franken ins Grossprojekt fliessen.

Durchgesetzt hat sich «Tag am Meer» gegen Dutzende andere, mit teils noch couragierteren Namensgebungen. Madeira? Portugiesische Blumeninsel im Atlantik, die politisch autonom vom Festland funktioniert. Rolling Stone? Musikmagazin aus Kalifornien, das teilweise auch über die englische Kultband mit nachstehendem S schreibt. Suiseki? Laut Wikipedia die Kunst, in der Natur vorgefundene Steine in meditativ ansprechender Weise zu präsentieren. Alles Gugus!

Mit Namensgebungen lehnt man sich zum Fenster raus, keine Frage. Da verkommt der von einer Jury gekürte Name Schlossbadi für Frauenfeld zur absoluten Wohltat, «Tag am Meer» hin oder her. Bei über 300 Namensvorschlägen hat sich schliesslich der Name Schlossbadi durchgesetzt. Da fragt man sich, was es mit den anderen Namensvorschlägen auf sich hat? Wie bei Wahlen von Politikern stehen da sicher noch viel verrücktere und unbrauchbarere Ideen auf den Zetteli. Im Gegensatz zum wohltuenden «Schloss Badi Frauenfeld» schreibt sich der Name innerhalb eines Textes «Schlossbadi Frauenfeld». Was zum…?! Tönt fast nach Algorithmus. Doch Haupt­sache Frauenfeld. Hauptsache Badi. Oder ist beides überhaupt gendergerecht?