Für Biene, Hase & Co: In Wittenbach werden 4600 Sträucher verteilt

Vernetzungsprojekte arbeiten in der ganzen Region daran, mehr Lebensraum für einheimische Arten zu schaffen.

Johannes Wey
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Büsche verladen beim Werkhof Wittenbach: Die Aktion soll einheimische Sträucher in Privatgärten bringen. (Bild: Benjamin Manser (23. März 2019))

Büsche verladen beim Werkhof Wittenbach: Die Aktion soll einheimische Sträucher in Privatgärten bringen. (Bild: Benjamin Manser (23. März 2019))

Die Region wird buschiger. Alleine am Samstag wurden beim Wittenbacher Werkhof 4600 einheimische Sträucher abgegeben. Sie sollen insbesondere in privaten Gärten als Lebensraum dienen und so zu einer grösseren Artenvielfalt beitragen. Gleichzeitig wurde beim Gemeindehaus eine 80 Meter lange Hecke gepflanzt. Sogar 500 Meter lang ist die Hecke, die der Lions Club Gossau am selben Tag in Waldkirch gepflanzt hat.

In Wittenbach wurde die Aktion vom Vernetzungsprojekt zwischen Sitter und Goldach durchgeführt. Dieses erstreckt sich über die Gemeinden Berg, Häggenschwil, Mörschwil, Steinach, Tübach, Wittenbach und Teile von St. Gallen. Die Vernetzungsprojekte spielen in der Agrarpolitik des Bundes eine wichtige Rolle, sagt Patrik Angehrn, Präsident des Projekts: Die Direktzahlungen werden nicht mehr pro Tier, sondern nach Fläche vergeben. «Um einen ähnlich hohen Betrag zu erhalten, müssen die Bauern nun in einem Vernetzungsprojekt mitmachen.»

Hochstämmer bringen eine gute Quote

Direktzahlungen bekommt nur, wer mindestens sieben Prozent seines Landes als ökologische Ausgleichsfläche nutzt. Dort verzichten die Bauern auf eine intensive Bewirtschaftung. Das Vernetzungsprojekt solle dafür sorgen, dass diese Flächen möglichst geschickt angeordnet seien, sagt Angehrn. Ein Ziel sei, dass die Distanz zwischen Ausgleichsflächen weniger als 200 Meter betrage. Sie dienen als Lebensraum für bedrohte Tiere wie Feldhasen, die in Hecken und hohen Gräsern Schutz finden. «Vielleicht führt das dazu, dass der Feldhase auch in Wittenbach dereinst wieder anzutreffen ist.»

Die Mitglieder im Vernetzungsprojekt zwischen Goldach und Sitter nutzten im Schnitt 22 Prozent ihres Landes als ökologische Ausgleichsfläche. «Ein guter Wert», sagt Angehrn. Allerdings komme den Landwirten zugute, dass in dieser Region der Obstbau traditionell verbreitet sei. Wie Hecken oder nicht gemähte Wiesen zählen nämlich auch wertvolle Hochstammobstbäume als Ausgleichsfläche. Beim Vernetzungsprojekt Gossau-Andwil-Gaiserwald, wo der Hochstammbestand tiefer ist, ist der Anteil der Ausgleichsflächen denn auch dreimal kleiner.

Artenvielfalt in die Gärten bringen

Bei den 130 Personen, die sich dieses Wochenende in Wittenbach mit Sträuchern eingedeckt haben, handelt es sich aber überwiegend um Privatpersonen, sagt Angehrn. Das Vernetzungsprojekt laufe nun vier Jahre. «Es war Zeit, dass auch einmal innerhalb des Siedlungsgebiets etwas gemacht wird.» Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Nicht nur der Klimaschutz, sondern auch das Insektensterben und die Artenvielfalt seien im öffentlichen Bewusstsein angekommen. «Wenn sich Gartenbesitzer entschliessen, Neophyten auszureissen und durch einheimische Sträucher zu ersetzen, ist schon viel gewonnen.» Mit ihren Beiträgen ans Vernetzungsprojekt haben die Bauern also indirekt zahlreiche Sträucher in Privatgärten mitfinanziert.

Im Vorstand des Vernetzungsprojekt sitzen nebst Angehrn Landwirte aus allen beteiligten Gemeinden. Auch die fachliche Unterstützung ist breit: Neben dem landwirtschaftlichen Zentrum sind auch der Naturschutz, der Revierförster und Wittenbacher Gemeinderat Benjamin Gautschi und ein Planungsbüro beteiligt.

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