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«Trauer gehört zum Leben dazu»: Rorschacher Seelsorgerin erweitert Angebot der Trauercafés

Nach der Coronapause finden die Trostcafés in Rorschach und Goldach wieder statt. Mit der Wiederaufnahme wird das Angebot ausgebaut. Zudem gibt es Neuerungen.

Vivien Huber
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Seelsorgerin Vera Rösch hat die Trauercafés 2012 ins Leben gerufen. Sie sagt: «Jeder Mensch trauert individuell.»

Seelsorgerin Vera Rösch hat die Trauercafés 2012 ins Leben gerufen. Sie sagt: «Jeder Mensch trauert individuell.»

Bild: PD

«Corona und die Veranstaltungsverbote waren eine Zäsur für die Trauercafés», sagt Vera Rösch. Sie ist Seelsorgerin der Katholischen Kirche Region Rorschach und hat das Konzept der Trauercafés 2012 ins Leben gerufen. Das ökumenisch und zusammen mit freiwilligen Helfern organisierte Konzept soll trauernden Menschen einen Ort bieten, wo sie über ihren Verlust, aber auch ihre damit verbundenen Sorgen sprechen können.

Während der Pandemie habe man über das bestehende Trauercafé nachgedacht und begonnen, das Angebot zu überarbeiten, sagt Rösch. Die Verantwortlichen für die Trauerarbeit in den Gemeinden der Region Rorschach Goldach haben das Konzept der sogenannten «Trostzeiten» entwickelt und das Trauercafé in dieses eingebettet. Es ist unterteilt in die Projekte «Trosträume», «Trostzeiten» und «Trostworte», die verschiedene Angebote für trauernde Menschen beinhalten.

Mit der Zeit sinkt die Anteilnahme

Zu den Trostzeiten gehören unter anderem Gedenkfeiern für Verstorbene und Angehörige verstorbener Kinder und die Trostweihnacht. Trostworte beinhalten jährliche Vorträge und Workshops von Experten. Und die Trauercafés werden neu als «Trosträume» bezeichnet. Die Betroffenen sollen sich in einem Café, aber in einem geschützten Rahmen austauschen können, so die Seelsorgerin. Sie sagt:

«Trauer ist keine Krankheit, die man verstecken muss, sie gehört zum Leben dazu.»

Da keine Anmeldung erforderlich sei, biete ein Café als offener Teil der Gesellschaft für Trauernde die Möglichkeit, unverbindlich vorbeizuschauen und sich zuerst einen Eindruck zu machen. Wer nicht alleine kommen wolle, könne eine Begleitung mitnehmen.

«Ich beobachte immer wieder das Phänomen des ersten Trauerjahres, bei dem das Umfeld des Trauernden viel Toleranz gegenüber dem Betroffenen zeigt. Mit der Zeit sinkt diese aber und es wird unterschwellig erwartet, dass der Trauernde sein Alltagsleben wieder aufnimmt», sagt Rösch. Auch deshalb gebe das Trauercafé die Möglichkeit zum Austausch.

«Wir geben keine Ratschläge»

Zum einen entstehe mit anderen Betroffenen eine Verbindung durch gegenseitiges Mitgefühl und Verständnis. Zum anderen seien geschulte Freiwillige anwesend, die von qualifizierten Seelsorgern begleitet werden. «Wir benennen zusammen Hoffnungsloses und Glaubenszweifel und suchen nach dem, was angesichts des Verlustes überhaupt noch trägt. Wir geben aber keine Ratschläge, da die Trauerbegleitung keine Therapie ist», sagt Rösch.

Wie jemand trauert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Wie jemand trauert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Bild: Urs Bucher

«Da es Trauernde oft Überwindung kostet, an den Treffen teilzunehmen, ist es mir wichtig, dass die Betroffenen wissen, dass sie sich im Trauercafé an einen geschützten Ort begeben. Die Seelsorgenden und Helferinnen bringen den Betroffenen sowie ihren Erfahrungen Wertschätzung entgegen und nehmen sie ernst. Wir schenken ihnen Zeit und haben eine urteilsfreie Haltung.»

Freiwillige greifen auf Erfahrungsschatz zurück

«Wie Betroffene trauern, ist so individuell, wie es die Menschen selbst sind», sagt Rösch. Es komme darauf an, was für eine Art des Verlustes die Trauernden durchleben.

«Sodann stellt sich die Frage, wie vernetzt die Betroffenen sind und welche Bewältigungsstrategien sie sich bisher angeeignet haben.»

Die Seelsorgenden seien entsprechend geschult und qualifiziert. Bei der Suche nach freiwilligen Helfern wurden spezifische Personen angefragt, die durch Gemeindearbeit oder Tätigkeit in einer Hospizgruppe bereits mit diesem Thema vertraut sind. Die Seelsorgenden tauschen sich mit den Freiwilligen aus.

Wichtig ist den Veranstaltenden zu betonen, dass zu den Treffen Menschen jeglicher religiöser Bindung und Prägung eingeladen sind. Trauer sei ein Teil unserer aller Realität. Der kirchliche Kontext könne dabei in der heutigen Zeit etwas abschreckend wirken, erklärt Rösch. «Trotzdem ist die Notwendigkeit der Seelsorge immer noch gegeben. Das Begleiten von Menschen ist unsere seelsorgliche Kernarbeit, unabhängig von den Krisen und dem grossen Wandel, in dem sich die Kirchen als Institutionen derzeit befinden», so Rösch.

Obwohl der Tod und die Trauer keine einfachen Themen sind, gebe ihr die Arbeit als Seelsorgerin viel, sagt Rösch.

«Es ist ein Geschenk, Menschen auch auf einem schweren Weg behutsam begleiten zu dürfen.»

Hinweis: Das nächste Trauercafé in Goldach findet am kommenden Mittwoch (11. August) um 9.30 Uhr im Café Mühlegut statt. In Rorschach findet das erste Treffen am 18. August um 14.30 Uhr in den Räumen der Pro Senectute an der Reitbahnstrasse 2 statt. Es ist keine Anmeldung erforderlich.

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