Tabakindustrie

Deutschland löst die Schweiz als Tabak-freundlichstes Land ab

Die Tabak-freundlichsten Länder Europas laut der neuesten «Tabakkontrollskala» der europäischen Krebsgesellschaften.

Die Tabak-freundlichsten Länder Europas laut der neuesten «Tabakkontrollskala» der europäischen Krebsgesellschaften.

Die Krebsgesellschaften Europas setzen Deutschland in ihrer neuesten Tabakkontrollskala erstmals hinter der Schweiz. An der Spitze der Länder-Hitparade mit den schärfsten Tabakgesetzen steht weiterhin England.

(sat/dpa) Werbeplakate für Zigaretten? Raucherbeizen? In vielen Ländern Europas ist das längst Vergangenheit. Nicht so in Deutschland. Dafür bekommen unsere nördlichen Nachbarn von den europäischen Krebsgesellschaften nun die Quittung und übernehmen in der Hitparade der Tabak-freundlichsten Länder von der Schweiz das Schlusslicht.

In der neuesten «Europäischen Tabakkontrollskala» landet Deutschland nämlich von 36 Staaten auf dem letzten Platz, wenn es zum Beispiel um Rauch- und Werbeverbote oder Tabaksteuern geht. Die Studie ist an der am Samstag in Berlin zu Ende gegangenen 8. Europäischen Konferenz «Tabak oder Gesundheit» (ECToH) vorgestellt worden.

Die drei roten Flecken in Europa

«In Deutschland passiert nicht mehr als das gesetzliche Minimum», analysiert Ute Mons, Berichterstatterin für das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, Deutschlands neuen letzten Platz. «Andere Länder haben inzwischen freiwillig viel mehr gemacht.» Auch deshalb sei Deutschland nun erstmals auf den letzten Platz abgerutscht.

Die «Europäische Tabakkontrollskala» basiert auf Massnahmen, die Länder zur Verringerung des Rauchens in der Bevölkerung ergriffen haben. Die jüngste Ausgabe für 2019 zeigt auf der Europakarte zwei dunkelrote Flecken: Deutschland und die Schweiz. Die Schweiz erreicht 41, Deutschland nur 40 von 100 möglichen Punkten bei der Tabakkontrolle. Zum Vergleich: Sieger Grossbritannien schafft 80 von 100 Punkten. Auf Platz zwei liegt Frankreich (74 Punkte) und auf Platz drei Irland (73 Punkte). Auf dem drittletzten Platz noch vor der Schweiz und Deutschland rangiert Luxemburg (44 Punkte).

Wohlergehen der Tabakkonzerne steht über Gesundheit

Als Begründung für das schlechte Abschneiden der Schweiz halten die europäischen Krebsgesellschaften fest, die Eidgenossenschaft scheine mehr interessiert am Wohlergehen der Tabakkonzerne als an der Gesundheit ihrer Bürger. So habe die Schweiz als Land mit Hauptsitzen von weltweiten Tabakkonzernen zwar die Rahmenkonvention der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakgebrauchs zwar bereits unterzeichnet, aber noch immer nicht umgesetzt.

Seit 2006 quantifizieren die europäischen Krebsgesellschaften alle drei Jahre insgesamt sechs Massnahmen, die im Kampf gegen Tabakkonsum als wirksam eingestuft werden. Dazu zählen Tabaksteuererhöhungen, Rauchverbote, Aufklärungskampagnen, ein umfassendes Tabakwerbeverbot, Warnhinweise auf Tabakverpackungen und Unterstützung beim Rauchstopp.

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