Betrug

Ex-Finanzchef von Rimuss zweigt Millionen ab

Das Schweizer Kult-Getränk Rimuss.

Das Schweizer Kult-Getränk Rimuss.

Ex-Finanzchef von Rimuss zweigt Millionen ab Der 58-jährige Mann soll dreieinhalb Jahre ins Gefängnis, fordert der Staatsanwalt.

Ein ehemaliger Finanzchef der Getränkefirma Rimuss hat jahrelang Firmengelder veruntreut. Damit leistete er sich aber kein luxuriöses Leben. Der 58-Jährige unterstützte vielmehr die Frauenequipe des Fussballklubs Neunkirch – mit insgesamt fast 2 Millionen Franken.

Er entlöhnte nicht nur die Spielerinnen aus der Firmenkasse, er bezahlte auch ihre Wohnungsmieten und kam für die Krankenkassenprämien auf. Das Geld stammte von einem Kontokorrentkonto der Firma mit Sitz in Hallau. Dieses durfte er bis zu maximal 100'000 Franken belasten. Dem ehemaligen Finanzchef reichte diese Limite aber nicht.

Zwischen 2011 und 2017 war das Konto stets überzogen. Der Schwindel flog auf, als wieder eine Revision anstand. Der Beschuldigte kam der Buchprüfung mit einer Selbstanzeige zuvor. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung, Anstiftung zu Gehilfenschaft und mehrfache Urkundenfälschung vor. Der Staatsanwalt plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren.

Die Beschuldigten trennten Welten

Ebenfalls beschuldigt ist eine 32-jährige Ex-Mitarbeiterin von Rimuss. Ihr wirft die Staatsanwaltschaft Gehilfenschaft und mehrfache Urkundenfälschung vor. Die Frau half dem Ex-Finanzchef gemäss Anklage bei der Dokumentenfälschung. Die Staatsanwaltschaft beantragte für sie eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten.

Zwar sassen die beiden Beschuldigten während der Verhandlung nebeneinander, doch es trennten sie Welten. Auf der einen Seite der geständige Beschuldigte, der zerknirscht wirkte. Auf der anderen Seite die Komplizin, die sich häufig als ahnungslos gab. Dem Ex-Finanzchef versagte oft die Stimme. Das frühere Kadermitglied verdiente nach seiner fristlosen Kündigung nach eigenen Angaben nur noch 1500 Franken.

Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, hätte er Pizzen ausgetragen, sagte sein Verteidiger. Der Staatsanwalt liess sich davon nicht erweichen. In seiner Anklageschrift zeigte er auf, wie der Beschuldigte immer wieder zu frischem Geld kam. So fälschte er unter anderem einen Kredit und schaukelte der Prüfungsstelle vor, dass die Kreditlimite neu bei 200'000 Franken läge.

Für ihn ist eine Welt zusammengebrochen

Da er für den Spielbetrieb der Frauenequipe immer mehr Geld einschoss, veranlasste er, dass Rimuss seinem eigenen Sohn gefälschte Lohnansprüche auszahlte. Das Geld landete aber nicht beim Sohn, sondern im Kontokorrentkonto. Er habe ohne Strategie gehandelt, sagte er vor Gericht. Als er dann mit einer Selbstanzeige der Revision zuvorkam, sei bei ihm eine Welt zusammengebrochen.

Er habe damals an Selbstmord gedacht. Sein Verteidiger versuchte nicht, die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zu entkräften. Sein Handeln sei nicht zu entschuldigen, sagte er. Er hätte kriminelle Energie bewiesen, häufig aber «kopflos und plump» gehandelt.

Um eigenen Profit sei es ihm nie gegangen. Deshalb sei eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren angemessen. Er zitierte zudem aus einem Brief des Rimuss-Patrons Robert Rahm, der dem Angeklagten verzieh und sich ebenfalls für eine bedingte Strafe aussprach.

Einen Freispruch verlangte der Anwalt der mutmasslichen Komplizin. Sie habe einfach getan, was von ihr verlangt worden sei.

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