Starke Schnefälle
Feuerwehr filmte live mit: In Uri donnerte eine zweite Lawine ins Tal

Im ganzen Kanton Uri gilt erhöhte Lawinengefahr. Aus gutem Grund: Am Freitag bahnten sich in Seedorf erneut Schneemassen ihren Weg bis auf die Strasse. Die Feuerwehr filmte live mit.

Anian Heierli
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Die Szenen auf dem Video sind eindrücklich: Tonnenschwere Schneemassen kommen den Berg hinunter. Sie reissen alles mit, was ihnen im Weg steht: Sträucher, Bäume und Strassenschilder. Sogar ein massiver Fahnenmast knickt unter dem enormen Druck um, als wäre er ein Streichholz.

Die Schneemassen walzten sich ihren Weg ins Tal. Unter dem enormen Druck wurde mitgerissen, was im Weg stand.

Die Schneemassen walzten sich ihren Weg ins Tal. Unter dem enormen Druck wurde mitgerissen, was im Weg stand.

Anian Heierli (15. Januar 2021

Die zweite Lawine in Seedorf ging am Freitagmorgen um 8.30 Uhr über die Kantonsstrasse. Und zwar genau an derselben Stelle, an der schon Donnerstagnacht die Fahrbahn verschüttet wurde. Seither sind die Urner Dörfer Bauen und Isenthal vom Verkehr abgeschnitten. Zur Sicherheit ist die Strasse für Fahrzeuge und Fussgänger gesperrt. Die Feuerwehr Seedorf ist vor Ort und schaut, dass niemand das Risikogebiet betritt.

Vizekommandant Bernhard Riesen machte das Video der Lawine, welche die Einheimischen als «Fischlaui» kennen. Die meisten hätten an seiner Stelle wohl schnell das Weite gesucht. Doch er filmte, ohne mit der Wimper zu zucken. «Ich arbeitete rund 15 Jahre beim Pistendienst Saas-Fee», sagt er und weiss: «Eine Nassschneelawine ist langsam. Man sieht sie kommen.» Unterschätzen dürfe man die Lage aber keinesfalls. «Die Gewalt ist sehr gross.»

Die Ruhe in Person: Feuerwehr-Vizekommandant Bernhard Riesen filmte die zweite Lawine. Er war vor Ort und sicherte die gesperrte Strasse.

Die Ruhe in Person: Feuerwehr-Vizekommandant Bernhard Riesen filmte die zweite Lawine. Er war vor Ort und sicherte die gesperrte Strasse.

Anian Heierli (15. Januar 2021

Wie bereits am Donnerstag wurde auch beim zweiten Niedergang niemand verletzt. Ohnehin waren die Spezialisten des Kantons und der Feuerwehr vorbereitet. «Wir gingen davon aus, dass nochmals eine Lawine kommt», so Riesen. Am Donnerstagabend habe es stark geregnet und geschneit. Und auch am Freitag hält der Niederschlag an. Riesen ist froh, dass die Strasse gesperrt war: «Wir lagen mit unserer Einschätzung richtig.» Im Nachhinein zeige sich nun, dass diese Vorsicht absolut angebracht war. Die Urner Polizei warnt im ganzen Kanton vor der hohen Lawinengefahr.

Die Lage in Seedorf wurde am Freitag um 14 Uhr neu beurteilt. Die Kantonsstrasse Seedorf - Bauen bleibt bis auf weiteres geschlossen, so die Polizei.

In Seedorf ist am Freitagmorgen eine zweite Lawine niedergegangen.
12 Bilder
Die zweite Lawine brachte noch viel mehr Schnee als die erste.
Die Ruhe in Person: Feuerwehr-Vizekommandant Bernhard Riesen filmte die zweite Lawine. Er war vor Ort und sicherte die gesperrte Strasse.
Glücklicherweise wurde niemand verschüttet. Die Strasse zwischen Bauen und Seedorf inklusive Wanderweg bleiben gesperrt.
Meterhoch türmt sich der Schnee auf der Fahrbahn.
Die Feuerwehr Seedorf hat die Situation im Griff.
Zwischen Seedorf und Bauen donnerte eine Lawine über die Strasse.
Kurz vor dem Seeanschluss stoppte die Lawine.
Die MItglieder der Feuerwehr Seedorf besprechen die Vorgehensweise.
Feuerwehrkommandant Iwan Albert gibt Auskunft.
Auch eine Brücke wurde zerstört.
Meterhoch türmen sich die Schneemassen.

In Seedorf ist am Freitagmorgen eine zweite Lawine niedergegangen.

Anian Heierli (15. Januar 2021