Zürich
Der Deep-Purple-Zug kam gemächlich in Schwung

Am Live at Sunset begeisterten Deep Purple gestern Abend erst mit der Zeit. Am Tag zuvor war Hugh Laurie zu Gast. Der aus der Arztserie «Dr. House» bekannte Brite entpuppte sich als charismatischer Bühnengast.

Pascal Münger
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Deep Purple am Live at Sunset
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Ian Paice am Schlagzeug und Sänger Ian Gillan
Deep Purple am Live at Sunset

Deep Purple am Live at Sunset

Keystone

Die Stimmung kam auf, als die Sonne unterging. Deep Purple, die «lauteste Popgruppe der Welt», wie das Guinness-Buch der Rekorde sagt, haute das Publikum gestern Abend am Live at Sunset auf der Zürcher Dolder Eisbahn nicht von Beginn an aus den Socken. Obwohl die Vorfreude eigentlich riesig war. Denn das Haus war rappelvoll. Dass der Funke nicht gleich übersprang, lag vor allem an Sänger Ian Gillan.

Bei jeder Gesangspause, die über mehr als zwei Akkordwechsel des Gitarristen Steve Morse dauerte, verschwand er hinter der Bühne. Die mangelnde Kontaktfreudigkeit quittierte das Publikum mit stoischem Sesselhocken. Dennoch wurde die magere Bühnenperformance des Frontmanns mit jedem weiteren Song nebensächlicher. Auch nach über 40 Jahren im Showbusiness knallen die alten Klassiker nämlich noch wie anno dazumal. Ausufernde Prog-Rock-Elemente vermischten sich mit treibendem Hardrock und einer über die Jahre veredelten Groove-Sektion. Und plötzlich war auch das Publikum elektrifiziert und sprang vermehrt von den Hockern – trotz Gillans Versteckspiel.

Hugh Laurie, der Entertainer

Beschaulicher war der Sonntagabend. Hugh Laurie, vor allem bekannt durch seine Rolle als kauziger Dr. House in der gleichnamigen Erfolgsserie, spielte Blues und Swing aus den Anfangstagen der Musikgeschichte. Hauptthema war seine Vorliebe für die klassischen Melodien aus dem Mississippi-Delta und der New-Orleans-Szene. Also kamen längst verstaubte Lieder zum Zug, die man hierzulande praktisch nicht kennt.

Beispielsweise der swingende Blues «The Weed Smoker’s Dream» aus dem Jahr 1936. Oder auch «Come On Baby, Let The Good Times Roll» von Earl King, mit dem Hugh Laurie den Abend eröffnete. The Copper Bottom Band, die der Ex-Fernsehdoktor im Rücken hatte, bildete das perfekt groovende Fundament für Lauries Gesang und Pianospiel. Denn Laurie ist in erster Linie ein Entertainer. Er ist nicht der beste Pianospieler, und auch seine Stimme klang streckenweise eher dünn für die powervollen Bluesnummern, die er selber so mag. Was ihm jedoch an musikalischem Talent fehlt, macht Hugh Laurie mit seinem Charisma weg.

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Keystone

So tänzelte er am Sonntagabend über die Bühne, witzelte mit seinen Musikern oder spielte auf seinem Piano im Stehen. Viele Sympathiepunkte holte sich der 59-jährige Engländer auch damit, dass er sich selber nicht allzu ernst nahm. «Ich danke Ihnen, dass Sie heute gekommen sind», sagte Laurie zwischen zwei Liedern. Das sei ein grosser Vertrauensbeweis nach seinem Jobwechsel. «Ähnlich, wie wenn Sie wissen würden, dass der Pilot im Flugzeug vor drei Wochen noch als Zahnarzt gearbeitet hätte.» Auf charmante Art und Weise nahm sich Hugh Laurie mit solchen Sätzen die Last von den Schultern, seine Band konkurrenzieren zu müssen.

«Schaut mich an, aber hört meiner Band zu», sagte er an einer anderen Stelle. Dass einige Fans von Dr. House da waren und für sie die Musik von Hugh Laurie wahrscheinlich eher eine Nebenerscheinung war, schien den sympathischen Schauspieler nicht zu stören. Man sah ihm an, dass er Spass an der Sache hatte.

Ein ähnliches Konzert erwartet die Gäste des Live at Sunset auch heute Abend – einfach mit einer grösseren Portion Hüftschwung. Earth, Wind & Fire gehören immer noch zu den interessantesten Live-Funk-Bands der Gegenwart. Auch wenn sie ihre Glanzzeit bereits in den Siebziger Jahren auf den Zenit brachten. Alte Hits wie «Shining Star», «September», oder «Boogie Wonderland» werden die Fans in wolligen Erinnerungen schweben lassen. Denn auch wenn die Stile von Deep Purple, Hugh Laurie und Earth, Wind & Fire nicht unterschiedlicher sein könnten, haben die drei Acts doch eines gemeinsam: Sie ziehen eher ein älteres Publikum an, das vor allem Qualität in der Musik goutiert.

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