Sicherheit

Schweizer Mafiajägerin Carla del Ponte in Angst um ihre Enkelkinder

Carla del Ponte: Ihr kompromissloses Vorgehen gegen organisierte Kriminalität trug ihr den Spitznamen Carlita la pesta (Carlita, die Pest) ein. (Archiv)

Carla del Ponte: Ihr kompromissloses Vorgehen gegen organisierte Kriminalität trug ihr den Spitznamen Carlita la pesta (Carlita, die Pest) ein. (Archiv)

Die Tessinerin Carla del Ponte muss ihr Privatleben schützen und geheim halten, wann sie sich als Nanny um ihre Grosskinder kümmert. Schon einmal – vor Jahren – entging die ehemalige Bundesanwältin nur knapp einem einem Sprenstoffanschlag.

Von der «Schweiz am Sonntag» am Telefon auf ihre geliebten Grosskinder angesprochen, reagierte Carla del Ponte (67) abweisend: «Sie müssen verstehen, dass ich mich nicht mehr dazu äusseren werde. Nur schon aus Sicherheitsgründen», sagte die ehemalige Bundesanwältin und Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs unmissverständlich und wimmelte eine Interviewanfrage zum Thema ihrer Nanny-Einsätze sofort ab.

Interviews oder gar öffentliche Fotos von ihr mit ihren Grosskindern, werde es nie geben. Vor zehn Tagen an der Eröffnungsparty des Filmfestivals in Locarno in einer Villa am idyllischen Lago Maggiore, war die Tessinerin beim Cüpli-Apéro noch einiges gesprächiger.

In einem ihrer sehr seltenen privaten TV-Interviews verreit del Ponte dem People-Magazin «glanz & gloria» (Schweizer Fernsehen), dass sie nun Grossmutter sei und seit ihrer Teilzeit-Pensionierung im 2011 endlich viel mehr Zeit für die Familie habe: «Ich sehe die Grosskinder so oft ich kann. Zum Beispiel heute Morgen war ich da und kümmerte mich drei Stunden um sie. Denn die Mama ist Fotografin und musste arbeiten», schwärmte die Halb-Rentnerin aus Ascona, die noch als Mitglied der Uno-Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien arbeitet. «Ich habe ihnen Essen gemacht, es macht mir grosse Freude und ist einfach fantastisch.»

Feinde aus der Vergangenheit

Dass Carla del Ponte derart offen über ihre Liebsten sprach, ist ungewohnt. Und sie weiss auch warum sie ihr Privatleben seit eh und je schützt: Während der Zeit als Bundesanwältin oder Chefanklägerin durfte Carla Del Ponte nur mit Bodyguards an öffentliche Veranstaltungen – und auch jetzt hat sie noch immer Feinde aus der Vergangenheit, welche ihr oder ihrer Familie gefährlich werden könnten.

Nicht ohne Grund: Ihr kompromissloses Vorgehen gegen Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Waffenschmuggel und Wirtschaftskriminalität trug del Ponte den Spitznamen Carlita la pesta (Carlita, die Pest) ein. Dass Grossmutter Carla Del Ponte ihre künftigen Einsätze als Nanny zum Schutz der Kinder für sich behalten sollte, rät man ihr auch beim eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement: «Es ist sicher richtig, dass Frau del Ponte ihre Enkelkinder nicht unnötig exponieren will. Zumal sie ja seit ihrer Pensionierung nicht mehr unter die Schutzpflicht des Bundes fällt», sagt Sprecherin Danièle Bersier zu «Schweiz am Sonntag».

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