In Deutschland ist Alice Schwarzer eine Ikone der Frauenbewegung - seit Sonntag ist sie nun auch als Steuerhinterzieherin bekannt. Wie das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» enthüllte, besass Schwarzer seit den 1980er-Jahren ein Konto in der Schweiz, verheimlichte dieses aber den deutschen Behörden. Letztes Jahr hat sie sich beim Finanzamt angezeigt und entgeht damit einer Strafverfolgung. Auf ihrem Blog zeigt sie sich reuig: «Das Konto war ein Fehler. Den bedauere ich von ganzem Herzen. Aber ich habe den Fehler wieder gutgemacht. Ich habe für die letzten zehn Jahre gesamt rund 200‘000 Euro Steuern nachgezahlt, plus Säumniszinsen.»

Entsprechend gross war der Betrag, den die 71-Jährige in der Schweiz hortete. Laut «Bild» handelt es sich um 2,4 Millionen Euro. Dem deutschen Fiskus entgingen damit Einnahmen in der Höhe von mehreren hunderttausend Euro.

Woher hat Schwarzer das viele Geld? Offenbar erhielt sie für eines ihrer ersten Bücher, „Der kleine Unterschied und seine grossen Folgen" im Jahr 1975, ein Honorar von 250‘000 D-Mark. Mit dem Geld gründete sie die Frauenzeitschrift «Emma». Viele weitere Werke als Autorin kamen in den folgenden Jahren hinzu. Zudem ist Schwarzer eine gefragte Werbeträgerin und Referentin in Fernsehshows.

Vorwurf der Doppelmoral

Brisant: 2012 kämpfte sie um Subventionen für das von ihr gegründete Archiv der Frauenbewegung in Köln und erhielt von der Familienministerin 150'000 Euro pro Jahr zugesprochen. Kritiker werfen Schwarzer deshalb Doppelmoral vor. «Moralische Instanz?», fragt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt auf Twitter rhetorisch. Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner doppelt nach: «Frau Schwarzer sieht sich in einer Reihe mit Mutter Teresa und Sophie Scholl! Au weia! Wohl eher in einer Reihe mit Uli Hoeness und Co.»

Auch Schwarzers Engagement im Vergewaltigungs-Prozess rund um Jörg Kachelmann erscheint in neuem Licht - damals setzte sie sich vehement für das vermeintliche Vergewaltigungsopfer ein. Das Recht Kachelmanns auf Privatsphäre, das sie nun für sich selbst einfordert, blieb im Hintergrund.

Der ehemalige Wetterfrosch nutzt die Steilvorlage hämisch: «Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen. (Chinesisches Sprichwort)», schrieb er auf Twitter. Es sei eine «originelle Idee», dass sie sich jetzt als Opfer von Rufmord sehe.

Schwarzers Anwalt, der Medienrechtler Christian Schertz, geht nun in die Offensive. Er kündigt nach der ungewollten Veröffentlichung der Selbstanzeige juristische Konsequenzen an. Geprüft würden etwa strafrechtliche Schritte, weil das Steuergeheimnis verletzt worden sei. Schertz sieht eine «unerträgliche Verletzung des Steuergeheimnisses und der Persönlichkeitsrechte von Alice Schwarzer». (fum)