Am Grenchenberglauf gibt es trotz Schweiss und höchster Muskelspannung keinen Rekord

Der Grenchenberglauf feiert sein zehnjähriges Bestehen. Dieses Jahr haben ein Deutscher und eine junge Frau aus der Romandie die Siege geholt.

Drucken
Grenchenberglauf_dsc.jpg

Grenchenberglauf_dsc.jpg

Solothurner Zeitung

Janine Aegerter

Es ist Sonntagmorgen um neun Uhr, eine Stunde vor dem Start des Grenchenberglaufs. Auf dem Startgelände nebendem Haldenschulhaus finden sich immer mehr Läufer ein. Die zwölf Kilometer lange Strecke mit 860 Metern Höhendifferenz sei wegen ihrer landschaftlichen Schönheit beliebt, wie OK-Präsident Angelo Nicoletti erzählt. «Aber die Höhendifferenz ist anspruchsvoll.» Man könne grundsätzlich davon ausgehen, dass nur trainierte Läufer den Grenchenberglauf wagen. «Bisher hatte wir auch noch nie schlimme Unfälle oder Verletzte.» Bei einem Lauf im flachen Gelände dagegen gebe es viel eher Läufer, die untrainiert antreten würden.

Der Countdown läuft

Mittlerweile ist es kurz vor zehn Uhr. Die Läufer, die sich bisher auf dem Hartplatz neben dem Startgelände warm gelaufen haben, machen sich bereit für den Lauf. Durch die Lautsprecher werden sie gebeten, sich am Start einzufinden. «Noch dreissig Sekunden!», informiert die Stimme aus dem Lautsprecher kurz darauf. Die Spannung steigt spürbar. Fast alle Läufer stehen nun bereit. «Noch zehn Sekunden!». Dann ertönt der Startschuss und die Läufer rennen los.

54 Minuten und keiner am Ziel

Mit dem Bus können sich die Zuschauer ins Zielgelände fahren lassen. Dort warten alle gespannt auf den ersten Läufer. Wird einer der Favoriten das Ziel als Erster erreichen? Oder wird es einen Überraschungssieger geben? Bald ist klar: es wird keinen neuen Streckenrekord der Männer geben. Der bestehende Rekord von 52 Minuten und 19 Sekunden ist erreicht, der Timer läuft unerbittlich weiter. 54 Minuten sind vergangen, aber kein Läufer ist in Sicht. 55 Minuten. Der erste Läufer, Thomas Göpfert, nähert sich dem Ziel. Die Zuschauer feuern ihn auf seinen letzten Metern an und klatschen. Sein Körper ist schweissbedeckt, die Muskeln seiner Oberschenkel aufs Äusserste angespannt. Man sieht im die Anstrengung an, doch er drosselt sein Tempo erst, nachdem er die Ziellinie durchquert hat. Kaum angekommen, wird der Deutsche belagert. Geduldig beantwortet er alle Fragen. Er glaubte an einen Sieg, als er sich von seinen Mitläufern absetzte und merkte, dass er das Tempo würde halten können.

Eine Kämpfernatur pur

Die erste Frau, Maya Chollet aus Palézieux, kommt einige Minuten später ins Ziel. Sie habe nur fünfeinhalb Stunden Schlaf bekommen, erzählt die 22-Jährige. Am Samstag sei sie an den Berglauf-Schweizermeisterschaften in Moléson mitgelaufen und habe erst um Mitternacht etwas essen könne, da ihr Magen vorher zu verkrampft gewesen sei. Sechs Stunden später habe sie sich bereits wieder auf dem Weg nach Grenchen befunden. Chollet kennt ihre Grenzen genau: «Ich wusste, dass ich die Führung von Anfang an halten musste», erklärt sie. Ein Sieg wäre sonst nicht möglich gewesen.

Über 100 Helfer im Einsatz

Immer mehr Läufer treffen nun im Zieleinlauf ein und stärken sich mit Getränken und Bananen. Ohne die rund 110 Helfer wäre eine Durchführung des Grenchenberglauf nicht vorstellbar. «Ich bin dieses Jahr das dritte Mal dabei», erklärt Helferin Claudia Stettler, Mitglied bei den Free Runners in Grenchen. Auf die Frage, ob sie denn nicht selber habe mitlaufen wollen, lacht die junge Frau herzlich. «Ich wäre nicht schnell genug, wenn ich ankommen würde, hätten sie das Ziel schon weggeräumt.» So helfe sie lieber, und auch ihre beiden Kinder seien gerne dabei. Dabei deutet sie auf ihre beiden kleinen Buben, Damien und Ramon. Betrachtet man die beiden, muss man ihr Recht geben. Ramon hält ein Messer in den kleinen Händen und lässt es mit sichtlicher Wonne auf die vor ihm liegende Banane niedersausen, so lange, bis sie in fünf säuberliche Stücke zerteilt und zum Essen bereit ist.

Ranglisten: www.grenchenberglauf.ch

Aktuelle Nachrichten