Auf römische Leitungen gestossen

Die Grabungen der Kantonsarchäologen im Bäderquartier sind in vollem Gange. Beim Römerbad hat man bereits römische Thermalwasserleitungen gefunden.

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Aargauer Zeitung

Danial Naghizadeh

Mithilfe von Schaufeln, Staubsaugern und Kleinwerkzeug wird Schicht für Schicht Geschichte freigelegt. Man stösst auf neuzeitliche Badebassins aus dem 19. Jahrhundert, antike Thermen und Grundmauern. «Seit Ende Juni läuft der Abbau auf Hochtouren», erzählt Andrea Schaer, Projektleiterin der Kantonsarchäologie. «Wir liegen gut im Zeitplan», sagt sie zufrieden. Am 12. September wird die Bevölkerung, am «Tag der offenen Grabung», die Gelegenheit haben, den Ausgrabungsort zu besuchen.

Bereits 2007 vorsondiert

Soll an historischen Orten gebaut werden, ist der Zuzug der Kantonsarchäologie unabdingbar. So geschieht es auf dem Areal der Verenahof AG, des grössten Grundeigentümers im Bäderquartier, die seit Planungsbeginn für das neue Thermalbad die Zusammenarbeit mit den Behörden und mit der Kantonsarchäologie gesucht hat. Diese funktioniert denn auch laut Andrea Schaer bestens.

Historisch wertvolle Spuren im Boden des Bäderquartiers sollten im Vorfeld der Bauarbeiten geborgen werden. Bereits im März 2007 begann man mit ersten Sondiergrabungen. Seither begleiten die Archäologen das Projekt der Verenahof AG.

Die aktuelle Flächengrabung findet auf dem ungenutzten Areal entlang der Parkstrasse, zwischen Thermalbad, «Römerbad», Mättelipark und Parkhaus statt. Da, wo einst der Badegasthof Hinterer Hof stand. Es ist die Fortsetzung archäologischer Nachforschungen jüngerer Zeit rund ums Bäderquartier. In der Vergangenheit stiess man bei den Thermalquellen immer wieder auf archäologische Funde, vor allem aus der Römerzeit.

Wenn die Existenz bedroht ist

«Wir arbeiten stets da, wo etwas zerstört wird», beschreibt Schaer ihre Tätigkeit. «Im Aargau gibt es in der Regel keine Forschungsgrabungen. Einige bezeichnen unsere Arbeit als ‹Rettungsgrabung›». Will heissen, dass die Kantonsarchäologen nicht von sich aus Forschung betreiben. Sie suchen stets dort nach historischen Relikten, wo deren Existenz z. B. durch Bauarbeiten bedroht sind. «Mit unseren Ausgrabungen leisten wir zudem Vorarbeit für die Bauherren», ergänzt sie schmunzelnd.

Dokumentation hat Priorität

«Unsere Aufgabe ist nicht in erster Linie die Erhaltung von Objekten», fährt Schaer fort. Auch wenn vereinzelte Stimmen forderten, man müsse Grundmauern erhalten und zu jedem Preis in die Neubauten integrieren, hält sie fest: «Unser Ziel ist es, zu dokumentieren», sagt sie und meint den Beitrag zu Geschichtsschreibung. Ihre Arbeit soll geschichtliche Erkenntnisse liefern zur Besiedlung Badens. Ob gefundene Objekte später ausgestellt werden, hängt stets von deren Zustand und deren historischem Wert ab.

Am aktuellen Grabungsort stiess man bisher auf den Kanal einer römischen Thermalwasserleitung, zwei Piscinen aus dem 19. Jahrhundert sowie auf weitere bedeutende Bausubstanz, Wasserleitungen, Reservoirs und Bädern aus der Zeit zumindest vom 16. bis 19. Jahrhundert. Das Spannende an diesen Funden sei laut Schaer, dass man nun exakt auf jene Räume stosse, die in bedeutenden Texten wie von Poggio Bracciolini, Heinrich Pantaleon, Michel de Montaigne, Thomas Coryat, Johann Jakob Scheuchzer, David Hess und andern beschrieben wurden.

In den kommenden zwei Jahren werden die Kantonsarchäologen die Modernisierung des Bäderquartiers baubegleitend unterstützen. Für 2010 sind weitere Grabungen im Bereich des Parks im Limmatknie und der Parkstrasse geplant. Einen genauen Blick wird man auch beim Rückbau des Römerbades selber, des Thermalbades, des «Staadhofs» und der Trinkhalle jeweils in die Baugruben werfen.