Luterbach

Aufgerüstet gegen eine Emmenflut

Einsatzbereit: Juan Carlos León hat neben Schalbrettern auch 1000 abgefüllte Glassplittersäcke – mit einem «L» für Luterbach gekennzeichnet – an Lager. (om)

Luterbach, Juan Carlos León

Einsatzbereit: Juan Carlos León hat neben Schalbrettern auch 1000 abgefüllte Glassplittersäcke – mit einem «L» für Luterbach gekennzeichnet – an Lager. (om)

Auch Luterbach liegt an der Emme, die 2005 und 2007 gleich noch einmal Hochwasser in ungewohnter Höhe führte. Wie ist die Gemeinde vorbereitet auf neue Fluten, ehe das kantonale Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt realisiert ist.

Anne-Regula Keller

«Luterbach ist eingebunden ins kantonale Schutzprogramm», sagt Gemeindepräsident Hugo Schumacher. «Die Verwaltung wurde bereits in Kenntnis gesetzt, dass demnächst eine Informationsveranstaltung für die Behörden der Gemeinde und als betroffener Landbesitzerin auch der Bürgergemeinde stattfinden wird.»

Wenn die Emme - Grenze zur Nachbargemeinde Zuchwil - überschwappt, übernehme der parallel verlaufende Kanal eine Auffang- und Abflussfunktion. «Doch zwischen Fluss und Kanal gibt es Probleme, besonders an der Unteren Emmengasse unweit des Hochhauses bei der Derendinger Emmenbrücke», weiss Schumacher.

«Dort hat es Häuser, die schnell Wasser im Keller haben. Wir sind aber gut gerüstet für den Notfall. Dennoch prüfen wir zurzeit die Anschaffung einer mobilen Hochwassersperre wie in Biberist, also wassergefüllter Riesenschläuche. Zwar gab es innerhalb von drei Jahren gleich zwei Jahrhundert-Hochwasser. Eigentlich sollten wir statistisch gesehen genügend Zeit haben für weitere Vorkehrungen», rechnet er vor, wohlwissend, dass sich die Natur nicht berechnen lässt.

1000 Glassplittersäcke à 15 Kilo

«An der Unteren Emmengasse sind wir inzwischen geübt und wissen, wo was zu tun ist, um das Wasser abzuwehren», erklärt Feuerwehrkommandant Juan Carlos León. «Wir haben die Lehren gezogen aus den drei Flutjahren 2005 bis 2007 - wobei das Hochwasser von 2006 nicht von der Emme, sondern von Schnee, Eis und Niederschlägen verursacht wurde.»

Die Feuerwehr habe mit dem Zivilschutz Zuchwil-Luterbach zusammengespannt. «Dieser stellte sich zur Verfügung, uns im Rahmen eines Weiterbildungskurses 1000 Säcke aus speziellem Kunststoff der Armee Glassplitter abzufüllen.» Die unterschiedlich geformten Glassplitter sind durchschnittlich noch etwa halb so gross wie ein Fünfräppler und wurden so behandelt, dass alle Kanten entschärft sind.

«Im Gegensatz zur früher für die Sandsäcke verwendeten Jute verrotten die synthetischen Splittersäcke nicht. Nach Gebrauch kann man sie samt Glassplitterinhalt mit dem Hochdruckreiniger abspritzen, trocknen lassen und dann zu je 40 Stück auf Paletten lagern.» León betont, man habe das Gewicht der einzelnen Säcke auf 15 Kilo beschränkt: «Gefüllte Sandsäcke wiegen in der Regel 20 Kilo oder mehr. Wenn man in der Kette steht, um sie weiter zu reichen, spürt man die Belastung schnell.»

Wehre aus Verschalungsbrettern

«Als Gefahrenbereich kennen wir insbesonders die Häuser entlang der Unteren Emmengasse. Die 1000 Säcke reichen aus, um dem Wasser den Weg in die Keller und Garagen zu verwehren und Sachschäden für die Eigentümer zu verhindern», sagt León überzeugt. «Weiter unten im Wald hingegen haben wir keine Chance. Dieser Bereich ist zu lang und weil sich der Wald schnell regeneriert, wäre ein Hochwasserschaden auch nicht so hoch.»

Weil bei den beiden Emmenhochwassern keine grösseren Schäden zu beklagen waren, machte die kantonale Gebäudeversicherung Luterbach noch keine Schutzauflagen. Dazu beigetragen hat wohl 2007 auch der Einsatz von Verschalungsbrettern die, mit Plastik unterlegt, mit Eisen verstärkt und mit Glassplittersäcken abgestützt, das Wasser umleiteten. «Unsere neuen Massnahmen haben sich 2007 deutlich bewährt», betont der Feuerwehrkommandant. «Allerdings hatte der Kanton mit den Uferrodungen inzwischen auch das Fassungsvermögen der Emme vergrössert.» Seit 2007 wurden nochmals 100 Meter Schalbretter angeschafft und das Sicherheitsdispositiv weiter verfeinert.

Lohnt sich Hochwassersperre?

Trotzdem wägt man zurzeit in Luterbach, wie auch der Feuerwehrkommandant erklärt, die Anschaffung einer mobilen Hochwassersperre ab. «Die zur Diskussion stehende Länge würde 30 000 Franken kosten, die aber zum Teil vom Kanton suventioniert würden», rechnet Juan Carlos León vor: «Ein Einsatz der Kommandobrücke sowie der Piketts 1 und 2 kostet im Ernstfall rund 15 000 Franken pro 24 Stunden. Statt 40 Leute würden 10 für die Auslegung der Hochwassersperre ausreichen. Jetzt laufen darum Berechnungen, ob sich die Anschaffung einer solchen lohnen würde.»

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