Bewegung steht im Vordergrund

Gelungenes Kinderfest der Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung. Der Blick von oben in die Turnhalle des Schulhauses Brühl in Solothurn ist ungewöhnlich bunt. Ein Kennzeichen für das Kinderfest von Insieme.

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Behinderte und nicht behinderte Kinder begegnen sich auf ungezwungene Art.

Behinderte und nicht behinderte Kinder begegnen sich auf ungezwungene Art.

Solothurner Zeitung

Katharina Arni-Howald

In der einen Ecke rutschen Kinder in unterschiedlichem Alter eine aus einem Holzbrett improvisierte Rutschbahn hinunter. Auf der gegenüberliegenden Seite hat der Vorstand der Vereinigung für Menschen mit einer geistigen Behinderung, Insieme, eine Kletterwand aufgestellt. Junge Eltern wachen darüber, dass ja keines der Kinder herunterfällt. In der Mitte des Saales wird eifrig auf einem Minitrampolin herumgehüpft, während auf der Bühne Hip-Hop-Schritte eingeübt werden. Heilpädagoginnen in hellblauen T-Shirts lassen die turnenden und herumtollenden Kinder nicht aus den Augen. Bereits zum fünften Mal hat Insieme zu einem Kinderfest aufgerufen.

«Das Fest ist enorm wichtig»

Der Anlass wurde anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums ins Leben gerufen», sagt Vorstandsmitglied Sonja von Allmen. Seither ist der erste Samstag im März in der Agenda dick angestrichen. Das Ziel der fröhlichen Begegnung, bei dem vor allem die Bewegung im Vordergrund steht, ist klar: Behinderte und nicht behinderte Kinder sollen sich auf ungezwungene Art begegnen und Eltern miteinander ins Gespräch kommen. Mit dem Fest, das nur dank Sponsoren und ehrenamtlichem Einsatz lebt, will Insieme laut Ruedi Bieri, der sich seit langem für Insieme einsetzt, auch Öffentlichkeitsarbeit leisten. Diese ist wichtig, damit das Bewusstsein wächst, dass auch behinderte Menschen ein Teil der Gesellschaft sind und Aufmerksamkeit verdienen, immer nach dem Motto «Vom Rand in die Mitte».

«Das Kinderfest ist für Eltern von behinderten Kindern enorm wichtig», sagt auch Bruno Ramser, Vater der zweijährigen Aline. «Behinderte Kinder lernen durch Nachahmung.» Dass an diesem Nachmittag der Bewegung so viel Raum gelassen werde, komme zudem nicht von ungefähr: «Behinderte Kinder brauchen viel körperliche Betätigung und haben oft Mühe, ruhig an einem Tisch zu sitzen.» Claudia Rüegsegger, deren Sohn Joshua mit einem Downsyndrom geboren wurde, freut sich, dass die anwesenden Eltern von nicht behinderten Kindern so viel Interesse zeigen. «Sie fragen nach der Art der Behinderung und staunen, wie selbstständig die Kinder sind.» So auch Ursula Luterbacher, deren zwei Kinder bereits im Kindergarten und in der Schule mit behinderten Kindern in Berührung gekommen sind. «Ob ein Kind behindert ist oder nicht, spürt man hier nicht. Meine Kinder finden dieses Fest so toll, dass wir immer die Ersten sind, die hier eintreffen und auch die Letzten, die das Fest verlassen.»

Inzwischen ist es in der Turnhalle ruhig geworden. Die Kinder sind hinter dem schwarzen Bühnenvorhang verschwunden, wo sie der Zauberer mit Tricks überraschen wird. In der Bar sammeln die behinderten Erwachsenen vom «Aareträff» die letzten Trinkbecher ein. «Es war ein tolles Fest», werden alle sagen.

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