«Bier ist besser als Wellness»
«Bier ist besser als Wellness»

Felix Meier meint, dass Menschen in einem globalisierten Umfeld verstärkt Sehnsucht nach Wurzeln und Bodenständigkeit haben. Ein guter Schluck Aargauer Selbstgebrautes soll nicht nur den Durst, sondern auch das Verlangen nach Heimat stillen.

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Felix Meier

Felix Meier

Aargauer Zeitung

Barbara Rüfenacht

«Kommt man nach einem Auslandaufenthalt am Flughafen in der Schweiz an, verspürt man plötzlich riesige Lust auf einen Cervelat und eine Stange», erinnert sich Felix Meier an seine Begehrlichkeiten, die ihn regelmässig heimgesucht hatten, als er für Mövenpick rund um die Welt im Einsatz war. «Heute geht es mir noch genau so,» betont er, «nur muss ich nicht mehr wochenlang auf heimische Kost und ein Müllerbräu verzichten.» Der 49-jährige Freiämter, der die Geschäftsführung des traditionellen Aargauer Familienunternehmens vor sechs Jahren übernommen hat, hält nichts von rastlosem In-die-Ferne-Schweifen. «Wenn man es hinkriegt, sich ein stimmiges persönliches Umfeld zu schaffen, erübrigt sich die Flucht in Wellness-Oasen irgendwo auf dem Planeten.» Der Bodenlosigkeit der virtuellen Welt tritt der Wein- und Bierkenner am liebsten mit bekömmlichem Geschäumtem in bodenständiger Umgebung entgegen. So soll etwa der Müllerbräu-Biergarten mitten in der Stadt Baden Zusammengehörigkeit und Sicherheit vermitteln. «Dort soll jeder das Gefühl haben, hier gehöre ich hin, hier gehöre ich dazu!» Die Kunden schätzen die Umtriebigkeit des Geschäftsführers, der laufend neue Ideen ausheckt und umsetzt.

«Wir sprechen nicht grölende Rowdys an», betont der Chef, «Biertrinken soll vor allem ein Genuss sein.» Das meint auch Braumeister Martin Seiler. «Unsere Hopfen-und-Malz-Getränke sind frisch und unpasteurisiert.» Im renovierten Sudhaus werden neun verschiedene Biersorten hergestellt, deren Namen die vielfältigsten Gefühle hervorrufen. So verbindet man mit dem Zwickelbier das Bild von Lagerkellern in urtümlichen Brauereien, während das Dark Gold an würzige Sommernächte erinnert. «In zwei Monaten beginnen wir mit der Lagerfüllung für den Sommer», erzählt der Braumeister, der wie alle 50Mitarbeitenden auf eine heisse Saison hofft. In den kühleren Jahreszeiten trinkt man das «Wildschweinbier». «Der Gedanke ist mir im Wald während einer Jagd als Treiber in den Sinn gekommen», erzählt Felix Meier.

Zur Person:


Felix Meier ist am 30. April 1961 in Sarmenstorf geboren, wo er heute wieder mit seiner Frau wohnt. Sein erster Chef nach der Kochlehre war der Spitzenkoch Jacky Donatz im Hotel Carlton St. Moritz. Nach dem Abschluss der Hotelfachschule Luzern (SHL) und diversen Weiterbildungen holte ihn Ueli Prager zu Mövenpick Wein, wo der Aargauer bald in die Geschäftsleitung aufstieg. Während 15 Jahren war er in den Weingebieten rund um die Welt unterwegs und trug die Verantwortung für die Expansion des Privatkundengeschäftes von Mövenpick Wein. Seit 2004 ist Felix Meier Geschäftsführer der Brauerei H. Müller AG in Baden, wo er grosse Teile der Anlage erneuerte, in der heute pro Tag 700 hl Getränke umgeschlagen werden.

In den letzten Jahren hat Meier rund 12Millionen Franken in die Erneuerung der Anlagen investiert. Dazu gehört etwa der Getränkemarkt «Harassino», der im umgebauten Maschinenhaus aus dem Jahr 1912 untergebracht ist und nebst eigenem und fremdem Bier auch Wein und alkoholfreie Getränke anbietet. «So ehrgeizige Projekte lassen sich nur mit dem Vertrauen der Aktionäre in unser Unternehmen und den Standort Baden realisieren», meint Felix Meier, der die Produktion auch in Zukunft mitten in der Stadt behalten will. Denn der direkte Draht zu den Konsumenten ist wichtig. Immerhin gönnen sich auch illustre Gäste wie etwa der Badener Stadtrat liebend gern einen Schluck Aargauer Bier. Selbst Hartgesottene schwören auf die seit 1897 sorgsam gehütete Braumischung des Gründers Hans Müller. «Schon Yul Brinner, einer der Glorreichen Sieben, mit einem Bürgerrecht in Möriken-Wildegg, soll Müllerbräu getrunken haben», weiss Felix Meier. Weil ihn die Düfte und Lüfte im Freien insprieren, wandert der ehemalige Schützling von Ueli Prager sechs Stunden pro Woche und läuft im Jahr zwei Paar Wanderschuhe bis auf die Sohlen ab. «Eine intakte Landschaft ist ein wertvolles Gut», meint der gelernte Koch und setzt sich deshalb für Naturprojekte im Aargau ein. Zu Fuss unterwegs hat Felix Meier, der das Leben alles andere als bierernst nimmt, bereits wieder eine neue Idee ausgegoren: Genusstrinker sollen ihr Lieblingsbier auch privat eisgekühlt ab Fass ausschenken können. «Ab März bieten wir den «CoolKeg Cag» an, ein selbstkühlendes Party-Fass.

Der Mann mit dem untrüglichen Instinkt für Trends betont, dass er in seinem Beruf gezwungen ist, laufend innovative Produkte und Dienstleistungen hervorzubringen. «Wir bewegen uns in einem harten Verdrängungsmarkt. Nur keine Panik: Dass bei Felix Meier irgend- einmal Hopfen und Malz verloren wäre, kann man sich kaum vorstellen.

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