Birsfelden
Birsfelder schützen sich selbst

Die nächtlichen SVP-Patrouillen sollen Jugendliche von Dummheiten abhalten. Gemeindepräsident Claudio Botti hofft, dass die Aktion keine neue Gewaltspirale auslöst.

Drucken
Teilen
Birsfelder schützen sich selbst

Birsfelder schützen sich selbst

bz Basellandschaftliche Zeitung

Birgit Günter

Frauen werden belästigt, Fahrzeuge abgefackelt und Abfall verstreut: Solchen Vorfällen in seiner Gemeinde will der Birsfelder Christian Brechbühl nicht mehr länger tatenlos zusehen. Der Vizepräsident der örtlichen SVP hat darum eine «Selbsthilfe-Aktion» ins Leben gerufen. Seit ein paar Tagen machen Freiwillige nachts Patrouillengänge. «Wenn sie etwas sehen, informieren sie sofort die Polizei», betont Brechbühl. Keinesfalls dürften sie sich selbst in Gefahr bringen - so lautet seine Vorgabe.

Doch genau dieses «Aufeinandertreffen» der beiden Gruppierungen macht Gemeindepräsident Claudio Botti skeptisch. «Das könnte in eine falsche Richtung gehen und eine neue Gewaltspirale auslösen», gibt er zu bedenken. «Unsere Leute spielen sich sicher nicht als Polizisten auf», kontert Brechbühl. Dafür lege er seine Hand ins Feuer. Die Patrouille sei nicht bewaffnet. Er erwartet einzig, dass sie etwas
Zivilcourage zeigen würden, falls dies die Situation erfordere.

In den knapp zwei Wochen, in denen die SVPler - es sind vorwiegend Männer - bisher unterwegs waren, haben sie noch keine bösen Buben auf frischer Tat ertappt. Brechbühl ist jedoch überzeugt, dass allein die vermehrte Präsenz von nächtlichen Spaziergängern die Jugendlichen von Dummheiten abhält. «Die Aktion hat abschreckende Wirkung», stellt er fest.

Der Polizei unter die Arme greifen

Die von SVP-Kantonalpräsident Dieter Spiess an der Parteiversammlung letzten Donnerstag abgesegnete Aktion soll laut Brechbühl bis mindestens im Herbst weitergeführt werden. «Wir wollen, dass man auch nachts wieder allein unterwegs sein kann, ohne angepöbelt zu werden.» Da die Polizei wegen Personalabbaus nicht mehr für Ordnung sorgen könne, müssten nun halt die Bürger selber schauen, erklärt Brechbühl. Denn: Es bestehe Handlungsbedarf.
In diesem Punkt teilt der Gemeindepräsident Brechbühls Meinung. «Wir nehmen das Problem ernst», betont Claudio Botti. Deshalb habe auch die Gemeinde bereits gehandelt: Sie hat für morgen Mittwoch einen runden Tisch organisiert, an dem neben Fachleuten und Betroffenen auch Polizeidirektorin Sabine Pegoraro sowie Polizeikommandant Daniel Blumer teilnehmen. «Dabei werden wir Lösungen erarbeiten», sagt Botti.

Auch in Basel-Stadt macht die Idee einer Art Bürgerwehr - wobei Brechbühl diesen Ausdruck vermeidet und stattdessen von «nächtlichen Spaziergängern» spricht - die Runde (die bz berichtete). Die Basler SVP hatte unter anderem eine Bürgerwehr angekündigt, falls die Regierung das Gewaltproblem nicht innert dreier Monate in den Griff bekomme.

Aktuelle Nachrichten