Hellsau

Clooney landet im Container

Nespresso-Sammelstelle

Nespresso

Nespresso-Sammelstelle

In der kleinen Gemeinde Hellsau gibts seit kurzem eine Sammelstelle für Nespresso-Kapseln. Ob es daran liegt, dass die Einwohner einen übermässigen Kaffeekonsum haben oder einfach umweltbewusst sind?

Fabienne Wüthrich

Wahrscheinlich trägt Schauspieler George Clooney die Schuld. Der von den Frauen vielfach als schön Gepriesene macht nämlich Werbung für das Produkt. Eventuell sind auch die farbigen Alukapseln das Geheimrezept. Oder: Der Geschmack ist einfach gut. Auf jeden Fall scheinen Hellsaus Einwohner Nespresso-Kaffee zu mögen. Anders ist es fast nicht zu erklären, dass die Firma kürzlich eine Sammelstelle für die Alukapseln in der kleinen Gemeinde eingerichtet hat.

Mutmassungen gibts viele, Erklärungen werden zuerst einmal bei Pascal Hottinger, Geschäftsleiter von Nespresso Schweiz, gesucht. «Gibt es in Hellsau besonders viele Kaffetrinker?» - so lautet die Frage. Marketingtechnisch alles abgewägt, sagt er: «Wir freuen uns über eine grosse Anzahl Kaffeefans, die unseren portionierten Kaffee für sich entdeckt haben - dazu zählen auch die Hellsauer Einwohner.» Zudem sei das Unternehmen laufend daran, die Sammelstellen zu vergrössern und überall in der Schweiz - selbst in kleinen Gemeinden - eigene Container aufzustellen.

Diese antwort reicht nicht, nun muss Hellsaus Gemeinderat Bruno Gartmann (parteilos) herhalten. Er erklärt: «Da unsere Bewohner besonders fleissig sind und nicht immer mit den Hühnern zu Bett gehen, sind die Augenränder dunkel und der Kaffeekonsum dementsprechend hoch.» Die Gemeinde hätte einen solchen Container erhalten, weil die Einwohner fortschrittlich und umweltbewusst seien. Der hohe Kaffeekonsum sei übrigens nicht auf George Clooney zurückzuführen. Gartmann sagt lachend: «Hellsaus Frauen bevorzugen den Schauspieler Johnny Depp oder alt Bundesrat Samuel Schmid.»

Liegts nicht am schauspieler, sinds bestimmt die kleinen, farbigen Alukapseln, die den Kaffeekonsum ankurbeln. Diese gibts in zahlreichen Varianten: Blau ist beispielsweise ein Ristretto mit dem Stärke- aroma zehn - nur für die hartgesottenen Kaffeetrinker geeignet. Koffeinfrei ist die hellrote Kapsel, intensiv, aber auch koffeinfrei, die rote. Violette heisst das Aroma Arpeggio und wird als Espresso beschrieben. Für Bruno Gartmann ist klar: «Die Farbe spielt in Hellsau keine Rolle, Hauptsache es hat Kaffee drin.» Fasziniert seien die Einwohner wahrscheinlich schon von der grossen Auswahl. «Die einen haben farbige Blumen, die anderen farbige Kapseln - so einfach ist das.»

«Wir haben genügend farbe im spiel», sagt Ersigens Gemeindeschreiber Thomas Balsiger bestimmt. Denn diese Gemeinde hat ebenfalls einen Nespresso-Sammelcontainer - und das bereits seit etwa zwei Jahren. «Das System finde ich gut und es funktioniert auch», so Balsiger.» Er denke aber, der Container sei nicht wegen des starken Kaffeekonsums der Einwohner aufgestellt worden. «Die Bevölkerung würde ich als Durchschnittskaffeetrinker bezeichnen», sagt er. Somit habe auch nicht der Schauspieler George Clooney Ersigens Frauen mit seiner Werbung bezirzt. Balsiger: «Unsere Frauen müssen nicht unbedingt einem Weltstar nacheifern - sie finden genügend tolle Männer in der Gemeinde.»

Trendy ist laut Balsiger die Erklärung, dass Nespresso viel getrunken wird. Er selber mag dem braunen Getränk nicht viel abgewinnen. «Beim Kaffeetrinken bin ich sehr zurückhaltend», sagt er. «Ich geniesse lieber Ersigens Wasser.»

Utzenstorfs Gemeindeschreiber Christoph Hubacher sagt hingegen: «Ich liebe Kaffee.» Sie hätten sogar eine Nespresso-Maschine auf der Gemeindeverwaltung und er möge die Sorte mit «dem unschlagbaren Schaum». Seit etwa einem Jahr besitze die Gemeinde eine Sammelstelle, «die zumindest von uns rege genutzt wird». Wer die Kapseln entsorgen muss, will Hubacher nicht verraten. «Die gleiche Person, die auf die Post geht», sagt er und lacht.

Dass George clooney an Utzenstorfs Kaffeekonsum Schuld sei, bezweifelt der Gemeindeschreiber. Clooney sei ehemaliger Schuhverkäufer und Utzenstorfs Damenwelt stehe wahrscheinlich nicht auf ihn. «Was ist aber mit den Männern?», fragt er. «Vielleicht wollen sie ja wie Clooney werden - wer weiss.» Es könne aber durchaus an den farbigen Kapseln liegen. «Wir haben viel Nebel hier und so eine farbige Auflockerung kommt doch gelegen.»

Fest steht: Lieber Samuel Schmid oder Ersigens Männer statt Clooney. Der Schauspieler kurbelt den Kaffeekonsum offenbar nicht an. Clooney tut gut daran, vorläufig nicht ins Emme-Gebiet zu reisen - sonst landet er am Ende noch in einem der zahlreichen Sammelcontainer.

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