Shopping Pfingstmontag
«…, dann wissen Sie mehr als ich»

Im Kanton Bern ist der Pfingstmontag ein Feiertag. Trotzdem können die Läden an diesem Tag ihre Türen offen halten. Und das ohne Bewilligung. Die vom beco verfügten Daten der Sonntagsverkäufe 2009 stossen der Gewerkschaft Uni jedoch sauer auf.

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Berner Rundschau

Bruno Utz

Update

Die sonntagsverkäufe sorgten vor einigen Jahren regelmässig für Streitereien. Sogar das Bundesgericht musste sich mit der 2002 vom Kanton Bern eingeführten Globalbewilligungspraxis befassen. Der mittlerweile verstorbene Nationalrat Kurt Wasserfallen (FDP) verlangte darauf mit einem Vorstoss eine Neuregelung auf Bundesebene. Seit 1. Juli 2008 ist im Arbeitsgesetz des Bundes verankert: «Die Kantone können höchstens vier Sonntage pro Jahr bezeichnen, an denen Arbeitnehmer in Verkaufsgeschäften ohne Bewilligung beschäftigt werden dürfen.» (uz)

Im kantonalen Amstsblatt vom 22. April hat das beco Berner Wirtschaft die Daten der Sonntagsverkäufe 2009 veröffentlicht. Aus dieser Liste können die Läden zwei Sonntage auslesen, an denen sie ohne Bewilligung Kunden bedienen dürfen. «Jedes Unternehmen kann selber entscheiden, an welchem Sonntag es offen halten will», sagt Stefan Reichen vom beco auf Anfrage. Als Antwort auf eine Umfrage bei den Gemeinden seien die Wunschdaten regionalisiert worden. An der kantonalen Gesetzesvorgabe, maximal zwei bewilligungsfreie Sonntage, werde jedoch nicht gerüttelt. «Die Läden müssen das Gesetz selbstverständlich einhalten», so Reichen. Aufsichtsbehörde seien die Gemeinden.

Migros öffnet nicht

Von der Neuerung, dass auch der Pfingstmontag bewilligungsfrei ist, ist den Geschäftsbetreibern gemäss einer Kurzumfrage nichts bekannt. «Das ist doch ein Feiertag», sagt Migros Aare-Sprecher Thomas Bornhauser. Nach internen Abklärungen redet Bornhauser von «allgemeinem Erstaunen». Die Migros werde jedoch am Pfingstmontag im Kanton Bern keine Läden offen halten. «Mit Ausnahme der beiden Filialen im Bahnhof Bern, wo ohnehin jeden Sonntag Kunden bedient werden.» Die Informationspraxis des beco erinnere ihn an das «weihnachtliche Gezänk» von früher (vergleiche Up Date).

beco regionalisiert Daten

Das bei der Volkswirtschaftsdirektion angesiedelte Amt beco Berner Wirtschaft hat folgende Daten beschlossen, an denen 2009 die Läden für Sonntagsarbeit kein Gesuch einreichen müssen: Als Grunddaten wurden der 1. Juni (Pfingstmontag) sowie der 13., 20. und 27. Dezember bestimmt. In Abweichung davon wird in den Gemeinden Brügg, Köniz, Münchenbuchsee, Münsingen und Ostermundigen der 27. Dezember durch den 6. Dezember ersetzt. In Bern, Grosshöchstetten, Ins, Lyss und Wangen an der Aare sind 1. Juni, 29. November sowie 13. und 20. Dezember die Auswahltage. In Herzogenbuchsee und Huttwil stehen neben dem Pfingstmontag, der 29. November sowie 6. und 27. Dezember zur Verfügung. In Burgdorf und Eriswil sind es die Sonntage 1. Juni sowie 6., 20. und 27. Dezember. Wichtig: Jedes Geschäft darf höchstens an zwei Sonntagen offen halten. Diese gesetzliche Vorgabe gilt, egal ob bewilligungsfrei oder nicht. (uz)

Laut Rudolf Flückiger wissen auch die Huttwiler Detaillisten nichts von der Lockerung. «Die Information des beco ist katastrophal.» Allerdings würden «seine» Läden ohnehin am Pfingstmontag nicht öffnen, sagt der Präsident der Detaillisten-Vereinigung: «Das bringt höchstens den ‹Grossen› etwas. Wir beschränken unser sonntägliches Offenhalten auch 2009 auf den 1. Advent im Rahmen des Wiehnachtsmärits.»

Kommentar Weshalb so spät? Bruno Utz Im benachbarten Kanton Solothurn ist der Pfingstmontag kein gesetzlicher Feiertag. Zahlreiche Ladenbetreiber nutzen dort deshalb die Gelegenheit und halten ihr Geschäft offen. Aus Konkurrenzgründen ist verständlich, dass das beco auch den bernischen Läden auf unkomplizierte, sprich bewilligungsfreie Weise das Offenhalten ermöglichen will. Das Vorgehen des beco ist allerdings 2009 zum Scheitern verurteilt: Gut fünf Wochen vor dem Zieldatum den Entscheid einfach im Amtsblatt zu publizieren, beziehungsweise im Internet auf der eigenen Homepage aufzuschalten, ist viel zu spät und kommunikativ ungenügend. Ganz besonders angesichts der erst am 22. Mai endenden Beschwerdefrist. Bei dieser dieser Ausgangslage werden am heurigen 1. Juni nur wenige bernische Einkaufstempel die Einheimischen zum Shoppen locken: Die Vorbereitung eines Sonntagsverkaufs benötigt interne Vorbereitung und externe Werbung.b.utz@vsonline.ch

Kommentar Weshalb so spät? Bruno Utz Im benachbarten Kanton Solothurn ist der Pfingstmontag kein gesetzlicher Feiertag. Zahlreiche Ladenbetreiber nutzen dort deshalb die Gelegenheit und halten ihr Geschäft offen. Aus Konkurrenzgründen ist verständlich, dass das beco auch den bernischen Läden auf unkomplizierte, sprich bewilligungsfreie Weise das Offenhalten ermöglichen will. Das Vorgehen des beco ist allerdings 2009 zum Scheitern verurteilt: Gut fünf Wochen vor dem Zieldatum den Entscheid einfach im Amtsblatt zu publizieren, beziehungsweise im Internet auf der eigenen Homepage aufzuschalten, ist viel zu spät und kommunikativ ungenügend. Ganz besonders angesichts der erst am 22. Mai endenden Beschwerdefrist. Bei dieser dieser Ausgangslage werden am heurigen 1. Juni nur wenige bernische Einkaufstempel die Einheimischen zum Shoppen locken: Die Vorbereitung eines Sonntagsverkaufs benötigt interne Vorbereitung und externe Werbung.b.utz@vsonline.ch

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«Sie wissen mehr als ich», stellt Martin Reichmuth etwas überrascht fest. Der Geschäftsleiter der Möbel Märki-Filiale in Ittigen erinnert sich gerne daran, dass er das Möbelgeschäft bis 2003 mehr als ein Dutzend Jahre lang an Pfingstmontag offen gehalten hatte. «Wir erzielten stets einen Spitzenumsatz», sagt Reichmuth. Anfang März habe er sich bei Reichen nach dem Stand der Dinge erkundigt. «Bis heute erhielt ich jedoch keine Antwort.» Sein Sonntags-Kontingent sei aber vermutlich erschöpft, habe er doch bereits am 2. Januar und am Ostermontag den Laden offen gehalten.

Daten einheitlich festlegen

Im Gegensatz zu den Ladenbetreibern, weiss die Gewerkschaft Unia von der «Auswahlsendung des beco», so Roland Sidler. «Wir wehren uns mit einer Beschwerde gegen die damit verbundene Verwässerung der Sonntagsarbeit», sagt der Leiter der Unia Region Bern. Die Gewerkschaft fordere vom Kanton, die zwei bewilligungsfreien Sonntage einheitlich festzulegen. Die Regionalisierung stifte bei den Konsumenten Verwirrung. «Es wird der Eindruck erweckt, als wären die Geschäfte permanent geöffnet.» Völlig unverständlich sei die Aufnahme des Pfingstmontags in die Liste der Bewilligungsfreien. «Die Sonntagsarbeit ist seit vielen Jahren ein Thema, bisher stand der Pfingstmontag jedoch noch nie zur Diskussion.»

Ohne einem Beschwerdeentscheid der Volkswirtschaftsdirektion vorzugreifen, bestätigt Reichen, dass die Daten «je nach Gebrauch der Sonntage» 2010 wieder angepasst werden könnten.

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