Circus Royal

«Das Kribbeln im Bauch ist geblieben»

Leidenschaftlich: Royal-Direktor und Dompteur Oliver Skreinig kämpft für «echten Zirkus» mit Tieren, Clowns und Artisten. (zvg)

Circus Royal

Leidenschaftlich: Royal-Direktor und Dompteur Oliver Skreinig kämpft für «echten Zirkus» mit Tieren, Clowns und Artisten. (zvg)

Oliver Skreinig ist alles andere als ein gewöhnlicher Zirkusdirektor. Mit seinem Circus Royal gastiert er im Moment auf dem Badener Schademühleplatz.

Stefanie Niederhäuser

Von einem Zirkusdirektor hat man eine klare Vorstellung: älterer Herr in Frack und Zylinder, seit je mit dem Zirkus verbunden. Oliver Skreinig ist Zirkusdirektor - in diese Vorstellung passt er aber überhaupt nicht.

Er ist jung und nicht im Zirkus aufgewachsen, trägt keinen Zylinder, sondern eine freche Gel-Frisur. Dafür ist der 31-Jährige ein richtiger Zirkusfan. «Mir drei Jahren war ich das erste Mal im Zirkus.» Die Faszination, die dieser Besuch ausgelöst hat, ist bis heute geblieben. «Noch immer spüre ich ein Kribbeln, wenn ich das Zelt betrete, den Duft des Sägemehls einatme», erzählt er. Das tönt verträumt. Sein Leben hat den Österreicher jedoch gelehrt, auf dem Boden der Realität zu bleiben.

Jüngster Zirkusdirektor

«Ich war noch nicht mal 18 Jahre alt, als ich mich entschloss, Zirkusdirektor zu werden», erzählt Skreinig. Sein Lebenspartner Peter Gasser, dessen Grosseltern den «Royal» aufgebaut hatten, übernahm 1987 den Zirkus, wollte ihn aber nicht allein führen. Als seine Brüder den Zirkus verliessen, entschloss er sich, diese Aufgabe mit Oliver Skreinig zu teilen. Dieser war noch in der kaufmännischen Ausbildung, die er auf Wunsch seiner Mutter nicht abbrach. Während des Abschlussjahrs pendelte der damals 18-Jährige zwischen Österreich und der Schweiz hin und her, zwischen dem Leben des Zirkusdirektors und dem des kaufmännischen Lehrlings. Er kämpfte darum, von älteren Zirkusdirektoren ernst genommen zu werden. «Es wurden Wetten abgeschlossen, wie lange ich durchhalte.» Höchstgebot: 4 Monate. Heute, nach 13 Jahren Direktor, hat sich eine gewisse Routine eingespielt. «Ich habe jeden Tag gelernt. Und man lernt weiter, bis zuletzt.»

Die Aufgaben des Zirkusdirektors sind anspruchsvoll. «Die Zuschauer sind sich meist nicht bewusst, welch grosser Aufwand mit dem Zirkus verbunden ist», sagt er. Täglich beschäftigt er sich mit unzähligen Vorschriften, Auflagen und Vorbereitungen. «Der Zuschauer will im Chapiteau ein Stück heile Welt erleben. Wir verkaufen Illusionen», weiss der Direktor. Das Programm muss bleiben, was es immer war: lustig, unbekümmert, positiv. Auf dem neusten Stand muss der Zirkus dagegen sein, was beispielsweise Tierhaltungsvorschriften anbelangt. Recht so, findet Skreinig. Er setzt sich sehr stark dafür ein, dass Tiere weiterhin zum Zirkus gehören können. «Artisten, Clowns und ganz viele Tiere - nur das ist echter Zirkus.» Um das zu erhalten, muss es den Tieren gut gehen. Missstände duldet er deshalb nicht: «Ich habe schon während der Tournee eine Kündigung ausgesprochen und Anzeige erstattet, weil jemand nicht bereit war, die Mindestanforderungen zu erfüllen.» Ihm sei wichtig, Fehler in seinem Zirkus zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen. Er wolle sie nicht nur bei anderen suchen.

Abendessen nach Mitternacht

Ruhe kehrt für Oliver Skreinig jeweils erst nachts um halb eins ein. «Dann gibts Abendessen und wir sitzen in der Familie zusammen.» 4 bis 5 Stunden Schlaf pro Nacht müssen reichen, und zwar während 11 Monaten im Jahr. So lang ist der Zirkus auf Tournee. Nur für 4 Wochen zieht er sich ins Winterquartier in Kreuzlingen zurück.

Nicht immer fällt Skreinig dieses Leben leicht. Manchmal ermüde es ihn und er frage sich, weshalb er das mache, gibt er zu. Doch: «Wenn ich dann das Leuchten in den Augen der Zuschauer sehe, dann weiss ich es wieder.»

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