Julian Perrenoud

10 500 Franken hoch war die Summe, die Martin S.* seiner Ex-Frau an Unterhaltsbeiträgen schuldete. In einem Scheidungsverfahren legte er dem Richter einen Beleg vor, der die Transaktion bestätigen sollte. Der Zivilrichter glaubte diesem nicht, reichte seinerseits Strafanzeige wegen Urkundenfälschung und Betrugsversuch ein. Der Angeklagte hatte sich deshalb vor Einzelrichter Roland Richner zu verantworten. Dieser befand ihn nun wegen versuchten Betrugs für schuldig. Die bedingte Geldstrafe beläuft sich auf 5250 Franken. Dazu kommen eine Busse (700 Franken) und die Verfahrenkosten (500 Franken), die Martin S. zu tragen hat.

Zu reden gab jedoch besonders der erste Anklagepunkt - die Urkundenfälschung: Nach eigener Aussage überwies Martin S. die besagten 10 500 Franken von seinem UBS-Konto auf das seiner Ex-Frau (Raiffeisenbank). Das Geld jedoch kam dort nie an. Am selben Tag landeten dafür scheinbar 10 500 Franken auf dem neuen Raiffeisenbank-Konto des Angeklagten. Von da aus wurde der Betrag auf sein BEKB-Konto überwiesen. Die Unterhaltskosten hat der Angeklagte mittlerweile bezahlt.

Ob es ein Fehler war, bleibt offen

Drei Zeugen aus dem Bankenwesen hatte das Gericht vorgeladen. Ein früherer UBS-Mitarbeiter bestätigte die Transaktion von Martin S. Weshalb das Gericht aber zwei durch ihn unterschriebene Bestätigungsschreiben mit unterschiedlicher Kontonummern vorlegte, wusste er nicht.

Denn wenn Begünstigter und Kontonummer nicht übereinstimmten, würde die Empfängerbank den Betrag wieder zurückschicken, sagte ein weiterer Bankangestellter. Auch eine Korrektur des Angeklagten nach der ersten Transaktion schloss er aus: «Es gibt keine Änderung ohne Beleg.» Und ein solcher lag nicht vor. «Wir müssen offen lassen, was damals wirklich geschah», so Richter Richner. Weil auf den Bestätigungsschreiben keine Fälschungsmerkmale zu erkennen sind, wurde der Angeklagte in diesem Punkt freigesprochen.

*Name der Redaktion bekannt