Baustopp

Der Baustopp kam völlig überraschend

Verwaiste Baustelle In den Gräben für die neue Starkstromleitung gingen die Arbeiten bei schönstem Wetter flott voran – bis ein Baustopp verfügt wurde. (Ach)

Baustopp

Verwaiste Baustelle In den Gräben für die neue Starkstromleitung gingen die Arbeiten bei schönstem Wetter flott voran – bis ein Baustopp verfügt wurde. (Ach)

Zwischen dem neuen Rheinfelder Kraftwerk und dem Unterwerk bei Kaiseraugst wird eine Starkstromleitung verlegt. Kaum begannen die Bauarbeiten, mussten sie schon wieder eingestellt werden. Der Grund: eine «fehlerhafte Gesamtbewilligung».

Peter Rombach

Die Bagger rückten gleich auf mehreren Baustellen an und begannen umfangreiche Grabungen. Bündel mit langen Rohren liegen bereits parat. Seit einer Woche allerdings sind die Baulöcher abgeperrt, die Maschinen stehen still, keine Menschenseelen mehr auf den Baustellen. Nach Informationen der AZ verfügte das Eidgenössische Starkstrom-Inspektorat (Esti) einen Baustopp, der Arbeiter wie Unternehmen überraschte.

Mit der eigentlichen Baubewilligung hat die Bauverwaltung im Rheinfelder Rathaus nichts zu tun. «Wir wurden nur um Stellungnahme zum Projekt gebeten, speziell auch was die Linienführung anbelangt», berichtet Bauverwalter Franz Ressnig. Über die Baueinstellung sei er informiert worden, Details kenne er aber nicht.

Neun Kilometer lange Leitung

Wenn sich keine Probleme mehr einstellen, nimmt das neue Rheinfelder Kraftwerk schon im nächsten Frühjahr seine Stromproduktion auf. Und bis dahin muss die 110-kV-Leitung bis zum Unterwerk bei Kaiseraugst fertig sein. Die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK), neu Axpo, fungieren als Bauherrin. Knapp neun Kilometer liegen zwischen Kraftwerk und künftigem Netzeinspeisepunkt. Unterwegs müssen diverse Kontrollschächte betoniert werden; die Stromkabel verlaufen in Spezialrohren, die durchschnittlich 1,30 Meter tief im Boden liegen. Laut AEW Energie AG kommt ein Anschluss ans näher gelegene Unterwerk Rheinfelden nicht infrage, weil es sich dort in erster Linie um einen Stützpunkt für die «lokale Einspeisung» handelt. Das Gesamtprojekt kostet rund 6 Millionen Franken. Der Leitungsbau wurde erforderlich, weil sich anno 1984 der Kanton Aargau verpflichtete, die Hälfte der Stromproduktion des neuen Kraftwerks abzunehmen. Später hatte er sich von seinem Energie-Engagement getrennt und die NOK ins Boot geholt.

Das Esti ist zuständig für die Prüfung und Genehmigung von Projekten für die Stromversorgung in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Folglich hat das Inspektorat auch bei der Realisierung der Hochspannungsleitung im Raum Rheinfelden ein Wörtchen mitzureden. Weshalb eine «fehlerhafte Gesamtbewilligung» existieren könnte, liess sich gestern bis Redaktionsschluss nicht mehr klären, weil das Esti auf eine Mail-Anfrage nicht reagierte.

Anders hingegen die Axpo, die gestern Nachmittag den Baustopp offiziell bestätigte. Wie es hiess, seien die Bauarbeiten angesichts der guten Witterung und der Dringlichkeit des Bauvorhabens gestartet worden, obwohl die offizielle Bewilligung noch nicht vorlag.

«Wir rechnen mit einer kurzen Phase des Unterbruchs», sagt Beat Römer von der Axpo-Unternehmenskommunikation und wünschte sich, «in ein paar Tagen» weiterarbeiten zu können. «Es handelt sich um eine Formalität.»

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