Halloween
Der Halloween-Boom ist vorbei

Während in den Geschäften und Partylokalen der Halloween-Boom am Abflachen ist, wüten die Vandalen nach wie vor. Sogar die Feuerwehr ist heute im Einsatz.

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Gruselspass

Gruselspass

Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Halloween gibt es nicht mehr: Zumindest in der Migros. «Wir verkaufen nur noch Kürbisse. Sonst führen wir keine Halloween-Artikel», so Thomas Bornhauser, Pressesprecher der Migros Aare. «Dieser Hype war so schnell vorbei, wie er aufgekommen ist.» Vor zehn Jahren sah alles anders aus. Damals eroberten gruselige Masken, Kostüme oder Spielzeuge die Aargauer Migros-Filialen. «Halloween erzielt Spitzenumsätze», stand in der «Mitarbeiterzeitung» 1999.

Der Boom sollte nicht lange anhalten. Vor drei Jahren war der Umsatz so tief, dass die Migros keine Halloween-Artikel mehr bestellte. «Dieser Brauch ist in der Schweiz nicht verwurzelt. Die Leute konnten sich wohl zu wenig mit Halloween identifizieren», so Bornhauser. Anders sieht es im Coop Nordwestschweiz aus, wie Mediensprecherin Noemi Mascarello sagt: «Coop hat noch Halloween-Kostüme, -Schminke oder -Dekormaterial im Sortiment. Der Verkauf läuft so gut wie im letzten Jahr.» Das Gleiche gilt laut Direktor Marcel Schnider auch für den Manor Baden.

Weniger Halloweenpartys

Auf der Party-Homepage «Tilllate» wird hingegen deutlich, dass die Gruseleuphorie am Abflachen ist. Heute findet gerade mal eine Halloween-Party in der Aarauer Disco Kettenbrücke statt - der Eintritt für Kostümierte ist gratis. «Wir haben diese Party organisiert, weil der 31. Oktober auf einen Samstag fällt», so Veranstalter Georgios Antoniadis von der Event-Agentur «Popart». Er bestätigt, dass Halloween in der Aargauer Partylandschaft nicht mehr so populär ist: «Vor ein paar Jahren gab es überall Mottopartys.» Angst vor seinem Exotenstatus hat er aber nicht: «Heute Abend werden sicher Gäste kommen. Es gibt immer noch Leute, die sich gerne verkleiden.»

Dass es weniger Halloween-Partys gibt, beobachtet auch Christoph Wanner von der Badener Event-Firma «Partypur». Er organisiert Partys im Raum Baden. «Die grossen Halloween-Partys, die es vor einigen Jahren gab, findet man heute selten.» Ganz ohne Halloween müssen aber die Badener nicht auskommen - der Club Löschwasserbecken wird gruselig dekoriert.

Polizei kämpft gegen rohe Eier

Ob Boom oder nicht: So manchem Polizisten läuft wohl der kalte Schauer über den Rücken, wenn er an den 31. Oktober denkt. So hat die Regionalpolizei Wohlen mehr Patrouillen als sonst im Einsatz, wie Leiter Marco Veil bestätigt: «Leider gab es in den letzten zwei Jahren massive Sachbeschädigungen.» Partys würden vor allem im Freien und mit viel Alkohol gefeiert: «Viele Jugendliche nutzen das Fest, um Unfug zu betreiben.»

Deshalb versucht man dies nicht nur mit verstärkter Polizeipräsenz zu unterbinden, sondern auch mit Präventionsarbeit in den Schulen. Auch die Regionalpolizei unteres Fricktal hat es an Halloween immer wieder mit Randalierer zu tun, wie Leiter Hansueli Loosli sagt. «Normalerweise haben wir ein Polizeiauto im Einsatz, heute Abend sind es drei», so Loosli. Seit Jahren gäbe es in dieser Nacht Reklamationen, weil Jugendliche rohe Eier gegen Hausfassaden werfen oder sonstigen Unfug betrieben.

Grossaufgebot in Neuenhof

Rohe Eier wurden auch schon in Untersiggenthal, Gebenstorf, Würenlingen und Turgi geworfen. Allerdings würde weniger Unfug betrieben als vor einigen Jahren, so Sabine Richner, stellvertretende Leiterin der Regionalpolizei Limmat-Aare-Reuss: «Richtig schlimm war es bei uns glücklicherweise noch nie.» Die Polizeipräsenz wird heute Abend nicht verstärkt. «Wir werden aber aufmerksam bleiben», so Richner.

Die Gemeinde Neuenhof hingegen fährt heute Nacht mit einem Grossaufgebot auf. Polizei, Feuerwehr und Hausabwarte werden im Einsatz sein - diese Zeitung wird sie begleiten und am Montag darüber berichten. «Bei uns wüten seit einigen Jahren Vandalen an Halloween. Letztes Jahr war es besonders schlimm. Der Sachschaden belief sich auf 20 000 Franken», sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Raffaele Briamonte.

Auch in Aarau werden heute Abend mehr Polizisten im Einsatz sein - aber nur aus Sicherheitsgründen, wie Daniel Ringier, Chef der Aarauer Stadtpolizei, sagt: «Es ist in den letzten Jahren nicht besonders viel passiert.» Das Interesse an Halloween sei in Aarau klein: «Wir sind eben keine Fasnachtshochburg. Vielleicht hängt dies damit zusammen.»

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